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Über den Hintergrund der Phobie in Bezug auf andersgläubige Gastarbeiter


Überzeugungen warnt.

Wenn man aber weiter in den Bahnen solch einer Logik denkt, so werden sich die Gefahren nur vermehren, denn aus Indien können nicht nur Hindus kommen, sondern auch Moslems, unter denen eine gewisse in der Russischen Föderation verbotene islamische Community populär ist. Es ist schwer, sich sogar vorzustellen, welche Riten die Gastarbeiter aus Afrika praktizieren können, die bereits auf den Straßen russischer Städte aufzutauchen begannen. Ankömmlinge von den Philippinen, aus Vietnam und einigen afrikanischen Ländern füllen die Reihen der Katholiken auf, was man während der Sonntagsmessen in den entsprechenden Moskauer Kirchen beobachten kann. Die heutzutage populären Thai-Spa-Salons werden zweifellos Anhänger für die Theravada-Buddhisten gewinnen, deren Tradition sich in vielem vom Mahayana-Buddhismus unterscheidet, zu dem die Völker Burjatiens, Tywas und Kalmykiens gehören. Und dies sind alles einflussreiche geistliche Traditionen mit einem mächtigen missionarischen Potenzial. Dem seien hier die Offenheit der Bürger Russlands gegenüber anderen Kulturen, aber auch die sattsam bekannte Wende gen Osten, die einen offenen Kampf der einheimischen Isolationisten gegen die ins Land gekommenen Gurus erschweren erschwert.

Die Risiken werden nur zunehmen, wenn man die Identität der Menschen auf eine Religion reduziert. Solch eine Logik wird aber von der Russisch-orthodoxen Kirche vertreten, die direkt erklärt, dass das russische Selbstbewusstsein vor allem durch die Zugehörigkeit zur christlich-orthodoxen Tradition bestimmt werde. Solch eine Qualität sehen sie auch in den Ankömmlingen, obgleich sich der Einfluss der Religionen auf die Menschen in verschiedenen Ländern radikal unterscheiden kann. Bei der Erörterung des Themas der Immigration ist es aus irgendeinem Grunde üblich, die Auffassung zu vertreten, dass sich die geistlichen Bedürfnisse der Ankömmlinge auf den Bereich der religiösen Rituale beschränken. Es gibt doch aber sowohl die Kultur als auch die Kunst, deren konfliktfähiges Potenzial dem Grad der interreligiösen Widersprüche nachsteht.

Das „Vollpumpen“ der menschlichen Persönlichkeit und der Gesellschaft insgesamt mit einer religiös-weltanschaulichen Komponente zum Schaden der zivilen, der kulturellen Identität, aber auch zum Schaden der allgemeinen menschlichen Werte kann sich schlecht auf die Ruhe des Landes auswirken. Die Migration ist da nur ein Vorbote für die Szenarios der Zukunft.