Die teilweise und in einigen Sportarten auch beinahe vollständige Aufhebung der Sanktionen gegen russische Athleten nach entsprechenden Empfehlungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) erlaubt, gleichfalls darauf zu hoffen, dass man Fußballclubs aus der Russischen Föderation, aber auch nationale Auswahlteams bald zu internationalen Turnieren zulassen wird. Der Präsident des Russischen Fußballverbands, Alexander Djukow, erklärte Ende der vergangenen Woche, dass es im Jahr 2025, darunter nach den Empfehlungen des IOC nicht wenige gute Präzedenzfälle gegeben hätte, die Hoffnung wecken würden. „Wir gehen davon aus, dass die internationalen Fußball-Gremien Entscheidungen treffen werden, die unseren Mannschaften erlauben werden, an offiziellen internationalen Wettbewerben teilzunehmen“, sagte Djukow. Er fügte hinzu, dass ein gegenstandsbezogenes Gespräch mit der FIFA und der UEFA bereits im Jahr 2026 stattfinden könne. Bisher zog er aber aus den Kontakten mit diesen Strukturen die Schlussfolgerung, dass man dort die IOC-Entscheidung positiv aufgenommen habe, auch wenn man sie nicht als eine verbindliche auffasse.
Der Präsident des Russischen Fußballverbands erinnerte an die Situation des Jahres 2023. Damals hatten die FIFA und die UEFA beschlossen, die Suspendierung für die russischen U17-Auswahlteams, das heißt für die Junioren, aufzuheben. Jedoch hatte man sehr bald diese Zulassung auf Eis gelegt. In der UEFA erklärte man, dass man keine „technische Lösung“ gefunden hätte, „die den russischen Teams zu spielen erlaubt“. „Technische Lösung“, dies ist, wie leicht zu erraten ist, die Zustimmung der anderen nationalen Verbände, mit den Russen zu spielen. Wenn es einige solcher Verbände gegeben hätte, hätte man sicherlich Varianten gefunden. Doch im Jahr 2023 hatte sich die UEFA dem Druck der kritischen Masse gebeugt.
Was hat sich im Jahr 2025 verändert? Offiziell wenig. Nachrichtenagenturen vermeldeten nach den Empfehlungen der IOC die Position der UEFA: In der Organisation sei man bereit, die Russen zurückkehren zu lassen, aber nur nach Beendigung der „militärischen Sonderoperation“ Russlands gegen die Ukraine. FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte vor der jüngsten Auslosung für die FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft auf jegliche Art und Weise die friedensstiftenden Initiativen von Donald Trump gepriesen, und er selbst wäre sicherlich nicht dagegen, den Bann für die Russische Föderation aufzuheben. Infantino ist aber ein erfahrener Diplomat, ein Beamter und Politiker. Er wird wohl kaum beginnen, heftige Bewegungen zu unternehmen, bevor er nicht spürt, dass man den Trend in Richtung einer Aufhebung der Sanktionen schon nicht mehr aufhalten kann.
Derweil hat man laut Angaben einiger Quellen in der UEFA im Jahr 2025 die Perspektiven für eine Rückkehr der russischen Klubs und Auswahlmannschaften erörtert. Ein Konsens scheint sich allmählich herauszubilden, zum Dialog seien angeblich sogar die Norweger und Schweden bereit. Radikal dagegen treten die Briten, Frankreich, Deutschland, die Niederlande, Belgien, Dänemark, Island, Polen und die Länder des Baltikums auf. Einerseits ist dies eine Bewegung. Andererseits gibt es keinerlei Voraussetzungen für eine rasche Bewegung. Mit solch einer Gruppe von Gegnern wird man eben jene „technische Lösung“ nicht finden. Der Konflikt Israels und Palästinas bescherte Russland Argumente. Die israelischen Teams hat keiner von den Wettbewerben suspendiert, und dies ungeachtet der Forderungen, dies zu tun, die in vielen europäischen Ländern laut geworden waren. Bisher aber haben diese Argumente keine Oberhand gewonnen und helfen nicht, die Russen zurückkehren zu lassen.
Über ein Verlassen der UEFA in Richtung Asien hat man beinahe aufgehört zu reden. Und die eigentliche Struktur der UEFA-Turniere ist zu einer Rückkehr der Russen bereit. Die Auslosung für die Spiele in der Liga der Nationen erfolgt im Februar, die Auslosung für das Qualifikationsturnier zur Europa-Meisterschaft 2028 erst im Dezember des gerade begonnenen Jahres. Wenn man den Bann aufhebt, könnten vier russische Klubs in den Euro-Cup-Wettbewerben spielen, wenn auch mit vorherigen Qualifikationsetappen. Das heißt: Die Teams der Russischen Föderation in die Turniere an sich zu integrieren, kann man theoretisch recht schnell bewerkstelligen. Aber praktisch wird man dies am wahrscheinlichsten erst in dem Fall tun können, wenn Moskau und Kiew einen Friedensvertrag abschließen oder zumindest das Feuer einstellen und dem Abkommen nahe sein werden. Gebraucht wird eine politische Entscheidung. Ein Fußball-Kompromiss (der Fußball ist ja doch die Sportart Nummer 1) könnte auch zu einem Teil des großen Deals werden.