Die Europäische Union setzte den Sanktionsmarathon fort. Im Verlauf des vergangenen Jahres nahm sie vier neue Pakete antirussischer Restriktionen an, die sich durch ihre qualitativen und quantitativen Parameter auszeichneten. Ihre kumulative Wirkung hat die Wirtschaftskontakte Russlands und der EU um Jahrzehnte zurückgeworfen.
Zum dritten Jahrestag des Beginns der sogenannten militärischen Sonderoperation in der Ukraine setzte die EU das 16. Sanktionspaket in Kraft, das als eines der größten angesehen wird. Es erfasste 43 Bürger Russlands, unter ihnen – Spitzenvertreter von Großunternehmen, Politiker, Sportler und Stars des russischen Show-Business. Auf die schwarze Liste wurden gleichfalls 33 Unternehmen und Organisationen gesetzt, und erstmals auch 74 Tanker, die zur Schattenflotte Russlands gerechnet werden, was den Export von Energieressourcen aus der Russischen Föderation erschwerte.
Außerdem hat die EU ab dem 17. März 2025 dreizehn regionale Banken vom internationalen System für die Übermittlung von Finanzinformationen (SWIFT) getrennt, die „als wichtige für das russische Finanz- und Bankensystem angesehen werden“. Und zum ersten Mal wurden Sanktionen gegen ausländische Kreditinstitute aufgrund der Nutzung des russischen Pendants zum SWIFT – des Systems der Zentralbank Russlands für die Übermittlung von Finanzmeldungen – verhängt. Interessant ist, dass die EU die Restriktionen für den Export von Waren mit einer dualen Zweckbestimmung nach Russland auf Konsolen für Videospiele ausdehnte, wobei sie dies damit begründete, dass derartige Gadgets angeblich von der russischen Armee für die Steuerung von Drohnen bei den Kampfhandlungen in der Ukraine verwendet werden.
Das 17. Paket (das im Mai 2025 auf den Weg gebracht wurde) wurde lange diskutiert. Vor dem Hintergrund der russisch-amerikanischen Ukraine-Verhandlungen symbolisierte es eine Eigenständigkeit der politischen Position der EU. In Brüssel hatte das Vorgehen der Administration von Donald Trump Empörung ausgelöst, die durch eine öffentliche Kritik an der Demokratie in Europa verstärkt wurde. Die Eigenständigkeit des eigenen Kurses zu demonstrieren, wurde für die EU augenscheinlich zu einer Sache des Prinzips. Überdies wurden auch erneut die Stimmen von Ungarn und der Slowakei laut, die Unmut über die Politik der EU in der Ukraine-Frage bekundeten.
Die neuen Restriktionen änderten im Vergleich mit den früher verhängten Sanktionen wenig. Erweitert wurde die Liste der blockierten russischen Personen – 1944 natürliche und 600 Rechtspersonen (ein Plus von 17 bzw. 58). Unter ihnen – Topmanager von Rüstungsunternehmen und Firmen, die Verträge im Interesse der Rüstungsindustrie realisieren. Um 189 Schiffe wurde die Liste der Tanker erweitert, denen ein Anlaufen von Häfen in der EU, deren Versicherung und ein Gewähren anderer Leistungen für sie verboten wird.
Was das 18. Paket (vom Juli 2025) und das 19. (vom Oktober) angeht, so galten sie besonders dem Energiesektor. Die EU setzte den Preisdeckel für russisches Erdöl von 60 bis auf 47,60 Dollar je Barrel herunter. Erweitert wurden die Verbote für den Import von Energieträgern, unter anderem von Gas und LNG, für den Export von Anlagen und Ausrüstungen sowie Technologien für den Öl- und Gas-Sektor. Die Restriktionen berührten bereits mehr als 500 Tanker. Dabei wurde zu einer Besonderheit des 19. Pakets die Eskalation der sekundären Sanktionen gegen Partner des russischen Brennstoff- und Energiekomplexes in den befreundeten Ländern Indien und China.
Im Rahmen des gleichen Pakets schränkte die EU die Bewegungsfreiheit russischer Diplomaten auf ihrem Territorium ein. Und am 7. November 2025 verschärfte Brüssel die Regeln für die Ausstellung von Visa für Bürger der Russischen Föderation. Sie können in den meisten Fällen keine Mehrfach-Schengen-Visa mehr erhalten und müssen jedes Mal ein neues Einfachvisum für eine Einreise in die EU in den entsprechenden Konsulaten beantragen. Diese Maßnahme werde angeblich erlauben, sorgfältiger zu überprüfen, wer in die EU einreisen möchte, und so das potenzielle Risiko für die Sicherheit zu verringern.
P. S.
Während ihres letzten Briefings im vergangenen Jahr, am 25. Dezember 2025, gab die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, die eindringliche Empfehlung für die russischen Bürger, nicht nach Deutschland zu reisen, wenn dafür kein dringlicher Bedarf bestehe. Begründet hat dies die Diplomatin mit den Worten, dass Deutschland ein Territorium der Rechtlosigkeit sei. Zum Anlass für dieses Statement wurden u. a. Probleme für russische Reisende beim deutschen Zoll, die ihre teuren Einkäufe in deutschen Flughäfen zurücklassen mussten. Dies musste auch der Trainer des Petersburger Profi-Fußballklubs „Zenit“, Sergej Semak, im Münchner Airport erleben. Mit seiner Gattin war er zum Power-Shopping unterwegs gewesen, um offensichtlich Neujahrsgeschenke nach Russland mitzunehmen. Da aber scheinbar jedes einzelne „Mitbringsel“ mehr als 300 Euro kostete, fielen sie unter die EU-Zollrestriktionen gegen russische Reisende. Der heute fast 50jährige Semak, der z. B. Kapitän der russischen Nationalelf war und auch beim französischen Spitzenclub Paris Saint-Germain eine Saison lang gespielt hatte, war so sauer, dass er für sich das Fazit zog: Er werde nie wieder deutschen Boden betreten.