In der russischen Regierung laufen die Vorbereitungen für eine aktualisierte Branchen-Strategie für die Autoindustrie, die einen kompletten Neustart bereits aller Kapazitäten, die früher von ausländischen Unternehmen aufgegeben worden waren, ab dem gerade begonnenen neuen Jahr ins Kalkül zieht. Wie der 1. Vizepremier Denis Manturow mitteilte, hätten diese Produktionsstätten jetzt ihre Benefiziare – „russische, mit ausländischen befreundeten Unternehmen aus Südostasien“. Bei der Montage sollen russische Bauteile verwendet werden. In der Regierung signalisierte man aber die Bereitschaft, gleichfalls Technologien „befreundeter Partner“ zu akzeptieren. Solch ein Neustart der Branche soll helfen, den gesamten russischen Automarkt wiederzubeleben.
Entsprechend den Ergebnissen des vergangenen Jahres ist der Automarkt der Russischen Föderation (PKW, leichte Nutzfahrzeuge, Nutzfahrzeuge und Busse) um 18,5 Prozent geschrumpft und kam auf 1.495.761 verkaufte Fahrzeuge, wie am 5. Januar aus dem Industrie- und Handelsministerium bekannt wurde. Wenn man nur das Segment der PKW nimmt, so machte der Rückgang 15,2 Prozent aus, wobei 1.316.789 PKW verkauft wurden.
„Was die Produktion angeht, so werden Ende Januar exaktere Zahlen auftauchen“, teilte der 1. Vizepremier Denis Manturow noch im Dezember in einem Fernsehinterview mit. Dabei wurde deutlich, dass die von ihm genannten Zahlen aus der operativen Statistik zum Zeitpunkt des TV-Auftritts spürbar mit den Anfang dieses Jahres vorgelegten Zahlen differieren, so dass Zweifel an der Glaubhaftigkeit der offiziellen Statistikangaben in Russland bleiben.
Im neuen Jahr 2026 erwartet die Regierung eine schrittweise Erweiterung der Auto-Fertigung im Land. Dies würde die Beibehaltung der Maßnahmen zur staatlichen Unterstützung und das Anfahren von Produktionsstätten, die sich mehrere Jahre lang an die veränderten Bedingungen nach dem Exodus der westlichen Unternehmen angepasst haben, fördern.
Wie Manturow mitteilte, hätten etwa 80 Prozent solcher Produktionsstätten schon ihre Fertigung angefahren. Und bis zum Sommer des Jahres 2026 würden die übrigen ihre Arbeit aufnehmen. Zuvor hatte der Vizepremier schon genauere Zahlen vermeldet: Derzeit seien elf der dreizehn „von den Ausländern verlassenen Autowerke“ neugestartet worden, die verbliebenen zwei sollten in diesem Jahr eine wollwertige Arbeit beginnen, meldete die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA Novosti.
Der Anteil der Autos, die in den neuangefahrenen Betrieben gebaut wurden, kommt bereits 40 Prozent aller im Land gebauten Autos nahe. In den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres montierten die neuangefahrenen Auto-Fertigungsstätten rund 300.000 Autos. Dies sei anderthalbmal mehr als im gleichen Zeitraum des vorausgegangenen Jahres 2024 gewesen, rapportierte der Chef des Industrie- und Handelsministeriums, Anton Alichanow.
Wie Denis Manturow im eingangs erwähnten Fernsehinterview bekanntgab, hätten all solche Fertigungsstätten ihre Benefiziare – „russische, mit ausländischen befreundeten Partnern aus Südostasien“. Die neuen Produktionspartner der russischen Autohersteller würden nach seinen Worten aktiv Pläne für die Entwicklung universeller Plattformen und für eine Unifizierung der Bauteile-Basis unter Verwendung von Erzeugnissen gerade von russischen Herstellern des Sektor für die Herstellung von Autobauteilen entwickeln.
Der 1. Vizeregierungschef präzisierte aber gleichfalls: „Wenn es an irgendwelchen Kompetenzen mangelt, sind wir bereit, natürlich mit Vergnügen auch unsere befreundeten Partner mit ihren Entwicklungen und ihren Technologien hinsichtlich der Autobauteile zu akzeptieren“.
Unter Berücksichtigung solcher Tendenzen erfolge gegenwärtig die Vorbereitung einer aktualisierten Strategie für die Autoindustrie, teilte Manturow mit. Diese Strategie werde eine Wiederbelebung des gesamten russischen Automarkts vorsehen.
„Ich bin sicher, dass diese Ansätze (die Inbetriebnahme von Produktionskapazitäten – „NG“) uns bis zum Jahr 2030 im Rahmen der auszuarbeitenden Strategie das Erreichen eines Marktumfangs von – ich sage es einmal vorsichtig – 2,5 Millionen Autos (/im Jahr – „NG“) sichern müssten. Natürlich würden wir gern zu drei Millionen zurückkehren. Wir hatten bereits die Erfahrungen im heutigen Russland. Und unsere Produktionskapazitäten sind gerade für drei Millionen ausgelegt“, erläuterte Manturow.
Folglich sind die 2,5 Millionen zu verkaufenden Autos im Jahr gerade eine konservative Schätzung. „Unter der Hand glauben wir dennoch daran, dass sowohl die Verbraucher-Fähigkeiten als auch der Markt insgesamt zu diesen Parametern hin tendieren sollten“, fügte der 1. Vizepremier hinzu. Der Absatz von PKW und leichten Nutzfahrzeugen machte das letzte Mal im Land rund 2,5 Millionen Fahrzeuge im Jahr 2014 aus. Aber hinsichtlich dieses Parameters war das Jahr 2012 das Rekordjahr mit über 2,9 Millionen Fahrzeugen, erinnerten die Analytiker der russischen Nachrichtenagentur Interfax.
Eine geringe Belebung im neuen Jahr erwartet man auch bei AvtoVAZ. Wobei zu beachten ist, mit was da verglichen wird. Die erwartete Belebung sieht wie eine Verlangsamung der Aktivitäten aus, wenn man mit den tatsächlichen Tendenzen des Jahres 2025 und nicht mit den ursprünglichen Plänen einen Vergleich zieht.
So hatte am Rande des Investitionsforums „Russia Calling!“ Anfang Dezember der Chef des Konzerns, Maxim Sokolow, mitgeteilt, dass AvtoVAZ plane, die LADA-Fertigung im Jahr 2026 bis auf 400.000 Fahrzeuge zu erhöhen. Eine 4-Tage-Arbeitswoche galt in dem Unternehmen ab dem 29. September 2025 bis zu den jetzigen Neujahrsferien in Russland. Im Unternehmen begründete man die Verkürzung der Arbeitswoche mit Problemen im Zusammenhang mit dem hohen Leitzins und der Verschärfung der Forderungen der Zentralbank an diejenigen, die Autokredite aufnehmen wollen.
Aber welche Absätze es für die von AvtoVAZ gebauten PKW im Jahr 2026 geben wird und wie sie mit den Lagerbeständen korrelieren werden – all dies „wird die Zeit zeigen“, meinte Sokolow. Schließlich musste das Unternehmen im vergangenen Jahr die Produktionspläne für die LADA-Autos von den anfänglichen 500.000 bis auf 300.000 Stück – plus/minus zehn Prozent – angesichts der übermäßig optimistischen Zielsetzungen korrigieren.
Es liegt auf der Hand, dass zu einem der Faktoren, die gegenwärtig die Perspektiven für die russische Autoindustrie beeinflussen, auch die neuen Regeln für die Berechnung der Recycling-Gebühr für ausländische PKW geworden sind. Sie machen den Erwerb vieler Importautos gelinde gesagt zu einem endgültig unerschwinglichen und unzweckmäßigen.
Die Regierung hatte durchaus konkrete Motive. „Man muss dies klar und – und ich wiederhole es – deutlich sagen: Dies hängt mit dem Versuch des Finanzministeriums zusammen, zusätzliche Einnahmen für die Lösung eines edlen Ziels – für die technologische Entwicklung – zu erhalten. Dies unterstützt mittelbar verständlicherweise auch die einheimische Autoindustrie“ erläuterte Präsident Wladimir Putin im Verlauf seiner großen Jahrespressekonferenz am 19. Dezember.
Obgleich er auch über Hoffnungen sprach, wonach diese Maßnahme „keine ewige sein wird“. „Und eine Auswahl wird für unsere Bürger doch wiederhergestellt werden, sie wird eine größere sein“, verkündete Putin. „Entweder entsprechend dem Wachstum der Einkommen oder entsprechend der Verringerung solch einer fiskalen Belastung“.