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Patriarch Kirill hat dem Obskurantismus eine Abfuhr erteilt


Der Patriarch von Moskau und der Ganzen Rus, Kirill I., trat am Donnerstag bei den Weihnachtlichen Parlamentsbegegnungen im Föderationsrat (Russlands Oberhaus – Anmerkung der Redaktion) und hat Besorgnis über das Fehlen eines Gesetzes über das Verbot von Werbung für okkultistische Leistungen bekundet. Laut Angaben des IT-Unternehmens „ATOL“ habe im vergangenen Jahr die Nachfrage der Einwohner Russlands nach unterschiedlichen magischen Attributen um das 2- bis 4fache zugenommen. Besonders populär seien Sets aus Espenholzstäbchen.

Leider ist der Prozess der gesetzgeberischen Einschränkungen für die Tätigkeit von Organisationen und einzelnen Personen, die okkultistische und pseudowissenschaftliche Strömungen, solche wie Astrologie, Hexerei und unterschiedliche Arten von Wahrsagerei und Kartenlegen propagieren und bewerben, unerwartet auf Schwierigkeiten gestoßen“, erklärte das Oberhaupt der Russischen orthodoxen Kirche bei seinem Auftritt vor den Parlamentariern. „Nun, was ist das denn, kann man etwa nicht diesem Obskurantismus ein Ende bereiten? Zu Sowjetzeiten hatte man Obskurantismus bekämpft, zu dem aber leider auch die Religion gerechnet. Heutzutage ist alles, Gott sei Dank, alles an seine Plätze gelangt, doch Obskurantismus ist nach wie vor präsent.“ Das Oberhaupt der Russischen orthodoxen Kirche merkte an, dass aufgrund der Verzögerung der Einschränkung einer derartigen Tätigkeit „ein massives manipulierenden Beeinflussen der Menschen seitens dieser Obskuranten andauert, was als eine Grundlage für psychologische Gewalt und eine finanzielle Ausnutzung dient“.

Für ein föderales Verbot okkultistisch-magischer Leistungen plädiert man in der Russischen orthodoxen Kirche schon mehr als ein Jahr. So hatte bei den vergangenen Weihnachtslesungen Patriarch Kirill erklärt, dass „die Verstärkung der Positionen verschiedenartiger Tarologen (Kartenleser – Anmerkung der Redaktion), Numerologen (Zahlendeuter – Anmerkung der Redaktion) und anderer Betrüger des Okkultismus, der Magie und Pseudowissenschaft auf unterschiedlichsten Ebenen unter den heutigen Bedingungen eine gewisse ideologische Sabotage darstellt“. Damals hatte das Kirchenoberhaupt auch die Zuversicht bekundet, dass „das Bekämpfen einer massenhaften Verbreitung von Okkultismus unter der Bevölkerung, aber auch des Aufdrängens von destruktiven religiösen Lehren und Praktiken per Werbung eine Pflicht des Staates ist“.

Im April 2025 war in der Staatsduma der Entwurf des föderalen Gesetzes Nr. 901048-8 über ein Verbot der Werbung für esoterische Leistungen und geistliche Praktiken eingebracht worden. Gemäß dem Wortlaut ging es um ein Verbot für das Bewerben der Leistungen von Alchimisten, Astrologen, Zauberern, Zahlendeutern, Nutriziologen, Regressologen (die sich mit der Rückführung von Klienten per Hypnose in frühere Lebensphasen oder sogar in frühere Leben befassen – Anmerkung der Redaktion) und anderen Schwarzkünstlern. Im föderalen Gesetz „Über die Reklame“ war vorgesehen worden, die entsprechende Terminologie und Definition der unterschiedlichen esoterischen Leistungen, deren Werbung nicht zugelassen wird, zu verankern. Gleichfalls war vorgeschlagen worden, die Internetressourcen zu blockieren, die Angebote für das Gewähren solcher Leistungen enthalten. Bis heute ist die Gesetzesvorlage laut der Internetseite der Staatsduma der Russischen Föderation nicht einmal bis zur ersten Lesung gekommen. Entsprechend den Ergebnissen der Behandlung des Dokuments durch den Duma-Ausschuss für Wirtschaftspolitik im Oktober vergangenen Jahres war empfohlen worden, den Ausgangstext zu ergänzen und zu verändern. Seitdem hat es keine Bewegungen hinsichtlich dieser Gesetzesvorlage gegeben.

Am 28. Januar dieses Jahres (am Mittwoch) wurde auf der Internetseite des IT-Unternehmens „ATOL“ eine Studie veröffentlicht, der zufolge die Nachfrage nach magischen Attributen unter den Bürgern Russlands im Jahr 2025 um 50 Prozent im Vergleich zum vorangegangenen Jahr zugenommen habe. Es wird darauf verwiesen, dass zu den gefragtesten magischen Attributen Amulette wurden. „Ihr Anteil an den Verkäufen in der Auswahl machte 36 Prozent aus. Dabei ist die Nachfrage nach ihnen im Jahr 2025 gleich um das 2,2fache angestiegen. Im Durchschnitt haben Russlands Bürger ein Amulett für 489 Rubel (umgerechnet etwa 5 Euro) erworben, was um 33 Prozent weniger ist als im Jahr 2024. Die Nachfrage nach Tarot-Karten ist um fünf Prozent zurückgegangen. Und der Durchschnittspreis lag bei 654 Rubel für ein Set, was um zwei Prozenter weniger als im Jahr 2024 war. Einen Satz Runen haben Russlands Bürger im Durchschnitt für 672 Rubel erworben – um 16 Prozent preiswerter als im Jahr 2024. Dabei nahm die Nachfrage nach Runen weiter zu – um 54 Prozent“, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung. Gleichfalls zugenommen hat die Nachfrage nach Glaskugeln (um 101 Prozent), Voodoo-Puppen (um 63 Prozent), Pendel für eine Biolokalisierung (um 34 Prozent), nach schwarzen Kerzen (um acht Prozent) und Beifuß – um das 2,6fache. Jedoch verzeichnete man die größte Zunahme der Nachfrage nach Espenholz-Stäben, „die man 4mal häufiger erwarb“.

Auf den großen elektronischen Verkaufsplattformen schwanken die Preise für Espenholz-Stäbe heute zwischen 140 und beinahe 1000 Rubel. Angeboten werden die Waren nicht nur in unterschiedlichen Mengen und verschiedenen Größen, sondern auch „mit einem Aktivierungscode“, aber auch mit „durch Schamane beschwörte“. Einige von ihnen, wie die Plattformen behaupten, würden helfen, nicht nur einen Feind zu bestrafen, sondern sich auch von Unreinheit, Verderbnis, Neid und Armut zu befreien, aber auch gar überflüssige Kilo loszuwerden sowie „Körper und Geist zu harmonisieren“.