Die Offiziellen der nördlichen EU-Länder versuchen, den Export russischen Erdöls und Düngers über die Ostsee zu blockieren. Finnland und Schweden haben vorgeschlagen, die Beschränkungen für Frachtschiffe mit Düngemitteln, aber auch mit Erdöl und Erdölprodukten zu verschärfen, teilte am Donnerstag die schwedische Außenministerin mit. Zuvor hatten 14 Länder der Europäischen Union eine Warnung für die Tanker veröffentlicht, die am Transport russischer Exportwaren teilnehmen. Die Zuspitzung des Konflikts in der Ostsee sei Teil einer Strategie zur Verwandlung der militärischen Sonderoperation Russlands in der Ukraine in einen permanenten Krieg, meinen einige Beobachter.
Die Offiziellen Schwedens und Finnlands haben der Europäischen Union vorgeschlagen, die restriktiven Maßnahmen in Bezug auf Tanker aus Russland zu verschärfen, erklärte am Donnerstag die schwedische Außenministerin Maria Malmer Stenergard. Nach ihren Aussagen würden Stockholm und Helsinki vorschlagen, „ein vollkommenes Verbot für die Gewährung von Leistungen für jegliche russischen Schiffe, die Energieträger transportieren, zu verhängen“. Noch ein Vorschlag Schwedens und Finnlands sieht die Verhängung von Verbotseinschränkungen für die Exporte russischer Düngemittel vor. Vertreter der Europäischen Kommission erklären, dass sie sich bis zum 24. Februar 2026 – des 4. Jahrestags des Beginn des Ukraine-Krieges – bemühen würden, die Vorbereitung eines neuen, des 20. Sanktionspakets abzuschließen. In der Regel sammelt man zuerst in Brüssel die Vorschläge der EU-Länder in Bezug auf einschränkende Maßnahmen, und danach entscheidet man, welche von ihnen man real bestätigen kann, erläuterte die russische Nachrichtenagentur Interfax.
„Ein vollkommenes Verbot für die Gewährung von Leistungen für jegliche russischen Schiffe, die Energieträger transportieren“ bedeutet, dass jedes beliebige Schiff aus Russland als ein sanktioniertes erklärt oder als zur sogenannten Schattenflotte gehörendes angesehen und durch Militärs der NATO-Länder besetzt werden kann.
Im Dezember 2024 hatten die Behörden der europäischen Länder einen Mechanismus abgestimmt, dem entsprechend die Tanker, die russisches Erdöl in europäischen Gewässern befördern, eine ausreichende Versicherung für Unglücksfälle vorlegen müssen, teilten Quellen der westlichen Presse mit. Nach ihren Worten war solch eine Vereinbarung bei einem Treffen des Vereinigten Expeditionskorps (Joint Expeditionary Force – JEF) der Länder Nordeuropas erzielt worden. Die Schifffahrtsbehörden der Länder Europas werden von den Schiffen, die die dänischen Meerengen, den Finnischen Meerbusen und die Gewässer zwischen Schweden und Dänemark passieren, die Vorlage von Dokumenten fordern, die das Vorhandensein einer Versicherung bestätigen. Die Versicherungspolice muss in einem der Küstenstaaten – in Großbritannien, Dänemark, Schweden, Polen, Finnland und Estland – erhalten werden.
Sollten die Dokumente gemäß den neuen EU-Forderungen fehlen, können den Schiffen Sanktionen drohen. Sanktionen können gleichfalls gegen die Tanker verhängt werden, die sich weigern, auf die Forderungen der Behörden zu reagieren. Ihrerseits verbieten die von den G-7-Ländern verhängten Sanktionen den westlichen Versicherern, den Schiffen eine Versicherung zu gewähren, die die Restriktionen für die Preise für russisches Erdöl verletzen. Der Preisdeckel für russisches Erdöl hat sich stetig verringert – von 60 Dollar bis zum heutigen Stand von 44,10 Dollar je Barrel, der ab dem 1. Februar wirksam wird.
Zu Beginn dieser Woche veröffentlichten 14 Länder Europas eine Warnung an die Adresse der Tanker der sogenannten Schattenflotte Russlands, die in der Ost- und in der Nordsee unterwegs sind. Die gemeinsame Erklärung erfolgte durch Frankreich, Deutschland und Großbritannien, die Länder des Baltikums und die skandinavischen Länder, aber auch durch Polen.
Die Europäer fordern jetzt, dass alle Schiffe nur unter der Flagge eines Staates fahren und eine Versicherung von einem durch sie anerkannten Versicherer besitzen. Wenn die Tanker oder anderen Frachtschiffe nicht den neuen Anforderungen entsprechen, werden sie zu „staatenlosen“ Schiffen und als zur russischen Schattenflotte gehörende erklärt. Bei einer solch einseitigen Bekanntgabe neuer Forderungen verweisen die EU-Beamten auf einen Artikel der UNO-Seerechtskonvention. Derweil hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bereits im Oktober vergangenen Jahres Europa aufgerufen, „koordinierte Schritte gegen die sogenannte Schattenflotte der Russischen Föderation“ zu unternehmen und die Tanker mit russischem Erdöl für eine Verschleppung der Termine für die Rohstofflieferung zu stoppen.
In den letzten Tagen sind die Festnahmen von Schiffen, die für den russischen Export unterwegs sind, faktisch zu regelmäßigen geworden. Dabei wollen einige EU-Länder offenkundig keinen Seekrieg mit der Russischen Föderation. So tauchten am Mittwoch Meldungen auf, wonach der Seedienst Spaniens anstelle einer Festsetzung den Tanker „Chariot Tide“, der sich unter Sanktionen der EU und Großbritanniens befindet, zum Zielpunkt, zum marokkanischen Hafen Tanger begleitete. Laut Agenturangaben war am 22. Januar der Antrieb des Schiffs ausgefallen. Der Tanker lag unweit der Küste von Marokko vor Anker, nachdem es durch einen Sturm nach Osten abgetrieben wurde. Im Ergebnis dessen fand er sich in internationalen Gewässern wieder, wo Spanien für Such- und Bergungsoperationen zuständig ist. Laut Monitoring-Daten hatte der Tanker „Chariot Tide“ Ende Dezember 2025 an einem Erdölterminal im Leningrader Verwaltungsgebiet vor Anker gelegen, wonach er zum Mittelmeer losfuhr. Über die Ostsee erfolgt beinahe die Hälfte des Exports Russlands auf dem Seeweg.
Allerdings dürfen die Fälle nichtaggressiver Handlungen Spaniens hinsichtlich der generellen Linie der europäischen Strategen und Kuratoren des Kiewer Regimes nicht hinwegtäuschen, die möglicherweise planen, die russische militärische Sonderoperation in einen ständigen heißen Konflikt mit Russland zu verwandeln. Viele ukrainische Experten (darunter auch die, die sich unter Sanktionen des Selenskij-Regimes befinden) erklären, dass Kiew Anweisungen zur Verschleppung des Konflikts und zu dessen Verwandlung in einen permanenten Krieg gegen die Russische Föderation erhalten hätte. Gerade damit seien unter anderem die Verhandlungsforderungen Kiews hinsichtlich der Bewahrung einer inadäquat großen Personalstärke der Streitkräfte von 800.000 Mann zu erklären. In die Strategie für eine maritime Eskalation fügen sich auch die ständigen Attacken ukrainischer Drohnen gegen russische, kasachische und amerikanische Erdöltanker im Schwarzen Meer ein. Entsprechend den Januar-Ergebnissen könne der Ölexport aus den russischen Häfen an der Ostsee und am Schwarzen Meer um zwölf Prozent zurückgehen, prognostizieren Experten.
In der letzten Zeit würden Schiffseigner Schiffe in die Jurisdiktion Russlands überführen, schreibt die westliche Presse (aber auch russischsprachige Quellen – Anmerkung der Redaktion). Seit Mitte Dezember vergangenen Jahres seien mehr als drei Dutzend solcher Flaggenwechsel festgestellt worden. Jedoch garantiert solch eine Neuregistrierung keinen Schutz vor einer Besetzung der Schiffe durch Militärs der NATO-Länder unter unterschiedlichsten Vorwänden – angefangen bei der Nichteinhaltung des Ölpreisdeckels bis hin zum Fehlen einer für die Europäer passenden Versicherungspolice.
P. S.
Bei ihrem wöchentlichen Briefing erklärte am Freitag die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, dass Russland alle zugänglichen Mittel für einen Schutz der Schiffe unter russischer Flagge in dem Fall einsetzen werde, wenn in Bezug auf sie die Normen des internationalen Rechts verletzt werden. Und sie unterstrich, dass „ein Antasten der Freiheit der Schifffahrt inakzeptabel ist“. „Die Verweise auf Sanktionen der Europäischen Union, die die Führung Frankreichs weit hergeholt als internationale bezeichnet, als Grundlage für Zwangshandlungen gegen welche Tanker auch immer, die sind absolut haltlos“, betonte Sacharowa und fügte hinzu, dass „einseitige Begrenzungsmaßnahmen an sich dem internationalen Recht widersprechen und können in jedem Fall keine Grundlage für die Wahrnehmung einer Jurisdiktion auf offener See und eine Besetzung von Schiffen sein“.
Bei der Kommentierung der bereits erwähnten Warnung der 14 europäischen Staaten erläuterte die Außenamtssprecherin, dass Moskau „diese Warnungen an sich, die in einer derartigen Form erstellt wurden und grundlose Anschuldigungen gegen souveräne Staaten enthalten, als inakzeptable“ ansehe. „Wir werden aufmerksam verfolgen, ob die sogenannte, wie sie da geschrieben haben, Warnung zu irgendwelchen aktiven Handlungen seitens der Autoren führt, und wir werden mit allen zugänglichen Mitteln unter Berücksichtigung der Risiken und Gefahren für die Schiffe unter der russischen Jurisdiktion reagieren“, resümierte Sacharowa.