Der föderale Haushalt für das Jahr 2026 ist ausgehend vom dem Jahresdurchschnittspreise für Erdöl der Sorte Urals 5400 Rubel je Barrel (umgerechnet etwa 59,80 Euro bzw. 70,60 Dollar), wenn man die Parameter in Rubel umrechnet, erstellt worden. Derart ist die Basisprognose der Regierung, die jedoch heute von Experten in Zweifel gezogen wird. Berechnungen auf der Basis einer alternativen Prognose der Analytischen Kredit-Rating-Agentur (AKRA) ergeben, dass der Staatshaushalt riskiert, in diesem von jedem Barrel russischen Erdöls rund 1000 Rubel weniger zu erhalten. Die Experten der AKRA an sich haben die Verluste hinsichtlich des BIP geschätzt: Aufgrund des Erdöls wird der Haushalt hinsichtlich des BIP potenziell in diesem Jahr 0,5 bis 0,7 Prozent weniger Einnahmen im Vergleich zum aktuellen Plan erhalten.
Der Anteil der Einnahmen dank Erdöl und Erdgas am gesamten Einnahmenteil des föderalen Haushalts Russlands hat sich verringert, laut vorläufigen Schätzungen des Finanzministeriums von 30 Prozent im Jahr 2024 bis auf 23 Prozent im Jahr 2025. Dies geschah nicht nur aufgrund des Einbrechens der Preise für Erdöl (die ungünstige äußere Konjunktur hat zweifellos einen starken Einfluss ausgeübt), sondern auch aufgrund einer Zunahme der Einnahmen für die Staatskasse, die nicht mit Erdöl und Erdgas verbunden waren.
Solch ein Trend kann, wie es schien, als eine gute Illustration für das Überwinden der Abhängigkeit des russischen Etats vom Export von Kohlenwasserstoffen dienen: Die Wirtschaft hat sich vom „Öltropf“ befreit.
Jedoch hebt die Überwindung der Abhängigkeit vom Erdöl in den Statistik-Tabellen des Finanzministeriums überhaupt nicht die realen negativen Folgen der Schwankungen der Ölpreise auf.
Nicht vollkommen wird unter anderem der negative Einfluss der Sanktionen und der Erschwerung der Logistik, der sich in den Preisnachlässen für das russische Erdöl widerspiegelt, ausgeglichen. Urteilt man anhand der Daten des russischen Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung, so betrug der Durchschnittspreis für Erdöl der Sorte Urals im Dezember 2025 39,20 Dollar je Barrel. Und dies bei den Durchschnittspreise für Öl der Sorte Brent von 61,60 Dollar je Barrel im gleichen Monat.
Experten der AKRA veröffentlichten für Russland eine aktualisierte makroökonomische Prognose für den Zeitraum 2026-2028, wobei sie den Perspektiven des Etats und des Energieträger-Exports des Landes besonderes Augenmerk widmeten.
Die gute Nachricht ist: Nach Meinung der Experten bestehe die Wahrscheinlichkeit einer Verringerung der Preisnachlässe für den Preis des russischen Export-Erdöls bis zu einem Stand, der Anfang 2025 beobachtet wurde, nach der Anpassung an das neue Sanktionsregime und erneuten Veränderung der Logistik. Der Preisnachlass könne bis auf acht bis zehn Dollar für jeden Barrel zurückgehen. Im Falle eines Nachlassens der geopolitischen Spannungen könne die Verringerung der erzwungenen Rabatte für russisches Erdöl sogar noch spürbarer ausfallen.
Wie in den Materialien der AKRA präzisiert wird, wird als Preisnachlass die Differenz zwischen dem Preis für einen Barrel Erdöl der Marke Brent und dem Preis für das Erdöl, der in der Russischen Föderation der Besteuerung zugrunde gelegt wird, angesehen. Die hatte die charakteristische Größe von etwa zehn bis zwölf Dollar im Verlauf der Jahre 2024-2025, hat aber im November-Dezember vergangenen Jahres bis auf 19-23 Dollar zugenommen.
Die schlechte Nachricht ist: Die Experten erwarten eine Bewahrung relativ niedriger internationaler Erdölpreise – unter anderem einen Jahresdurchschnittspreise für Öl der Marke Brent im Bereich von 60 bis 63 Dollar je Barrel. In der Perspektive für das begonnene Jahr sei bei moderat konservativen Voraussetzungen gleichfalls eine kurzfristige Verringerung bis auf 55 Dollar je Barrel wahrscheinlich. Die AKRA erklärt dies mit der Realisierung von Plänen für eine Erhöhung des Umfangs der globalen Förderung, wobei das Angebot größer als die Nachfrage sein werde.
Natürlich muss man im Blick haben, dass jegliche Prognosen für die Erdölpreise – besonders unter den Bedingungen der immer größeren wirtschaftlichen und politischen Unbestimmtheit – übermäßig spekulativ aussehen. Denn jegliche Extrapolierung jener Tendenzen, die heute als offensichtliche und unbestreitbare erscheinen, kann schon morgen vollkommen durch Ereignisse von der Art jener, die sich zu Beginn dieses Jahres in Venezuela ereignet hatten, über den Haufen geworfen werden.
Am Sonntag, dem 1. Februar haben die acht führenden Länder des Kartells OPEC+ die Entscheidung über ein Aussetzen des Forcierens der Ölförderung beibehalten und die Quoten für März auf dem Stand von Dezember 2025 belassen. Daneben hat die OPEC+-Monitoringgruppe nach Behandlung der Daten für die Ölförderung durch die Allianz im November und im Dezember die generelle Umsetzung der vereinbarten Bedingungen bestätigt und keinerlei Veränderungen für die Politik der Ölförderung empfohlen.
Wie der zuständige russische Vizepremier Alexander Nowak zu den Ergebnissen der Tagung der OPEC+-Monitoringgruppe berichtete, sei durch die Teilnehmer des Treffens betont worden, dass auf dem Markt eine große Volatilität zu beobachten sei, eine Unbestimmtheit, die mit geopolitischen Faktoren zusammenhänge: „Vor allem mit jenen Ereignissen, die sich in Venezuela abgespielt haben, und mit den Risiken, die mit dem Iran zusammenhängen. Dies sind ja doch Länder, die zu den führenden Exportländern gehören und der OPEC angehören“.
Ein anderer nicht weniger wichtiger Faktor sind die Risiken einer Blockierung der Meerenge von Hormus. „Die Situation in der Straße von Hormus ist, wie wir wissen, gleichfalls eine angespannte. In dieser Region werden auf dem Seeweg rund 30 Prozent des gesamten Erdöls in der Welt und ca. 13 Prozent der Erdölprodukte transportiert“, erklärte der Vizepremier.
Sowohl der Faktor Venezuela als auch der Faktor Iran provozieren heute unter Experten in der Tat Diskussion darüber, in welche Richtung die Erdölpreise schwanken werden. Wenn man einmal von einer Neuaufteilung des Brennstoff-Marktes, der durch die Vereinigten Staaten initiiert wurde, so war eines der Ziele der von den amerikanischen Streitkräften durchgeführten Operation in Venezuela die Verringerung der internationalen Ölpreise, worüber der US-Präsident Donald Trump gegenüber Journalisten gesprochen hatte. Schließlich sei dies die Hauptvoraussetzung für eine Verringerung der Benzinpreise „für das amerikanische Volk“, wie Trump ebenfalls erläuterte.
Obgleich in der kurzfristigen Perspektive die Ölpreise auch moderat zunehmen können – aufgrund eines zeitweiligen Aussetzens aller Lieferungen venezolanischen Erdöls.
Aber es gibt noch einen Umstand, der hinsichtlich sowohl der populistischen Äußerungen Trumps als auch der kurzfristigen Schwankungen der Ölpreise wichtiger ist – dies ist eine langfristige Kontrolle der Ressourcen, die Washington erhält. Eine Kontrolle, die erlaubt, die eigene Preispolitik sowohl auf dem globalen als auch auf den lokalen Märkten in jeglicher Richtung unter Berücksichtigung der aktuellen Aufgaben Washingtons zu diktieren (siehe auch „NG“ vom 11. Januar 2026).
Ein nicht weniger diskutiertes Thema ist der Iran. Experten streiten bisher darüber, ob der Preis für Öl der Sorte Brent bis auf 100 Dollar je Barrel im Falle der Durchführung irgendeiner „Militäroperation“ im Iran durch die Vereinigten Staaten ansteigen wird oder nicht.
Zu den Perspektiven gerade für die russische Wirtschaft zurückkehrend, sind die Experten jedoch der Auffassung, dass die skizzierten Tendenzen summarisch vorerst zur Festlegung niedrigerer Preise für russisches Erdöl, als im föderalen Haushalt vorgesehen wurde, führen können.
Im Basis-Szenario der makroökonomischen Prognose der AKRA für das Jahr 2026 ist derzeit ein durchschnittlicher Jahrespreis für den Export russischen Erdöls im Bereich von 49 bis 53 Dollar je Barrel ausgewiesen worden. Es könne ungefähr von 50 Dollar je Barrel im Jahr 2026 gesprochen werden, heißt es im Wortlaut der Prognose. Während der russische Haushalt ausgehend von einem durchschnittlichen Jahrespreis für Urals von 59 Dollar je Barrel im Jahr 2026 erstellt wurde. Wenn sich die negativen Erwartungen bewahrheiten, so wird laut Angaben der AKRA „der Etat potenziell 0,5 bis 0,7 Prozent weniger an Einnahmen für das BIP im Vergleich zum aktuellen Plan erhalten“.
Man kann auch andere Berechnungen anführen, wobei man sich auf eben diese Prognose der Analytiker stützt. Nach Schätzungen der Agentur werde der durchschnittliche Jahres-Devisenkurs in diesem Jahr im Bereich von 87,40 bis 92,90 Rubel für einen Dollar liegen. Daraus ergibt sich, dass der Preis für russisches Erdöl im Rubel-Äquivalent riskiert, im Bereich von 4400 bis 4600 Rubel je Barrel fixiert zu werden (wenn Urals im Durchschnitt etwa 50 Dollar das „Fass“ kosten wird, wie oben ausgewiesen wurde).
Die Konstruktion des Haushalts sieht jedoch vor, dass ein Barrel Urals im Jahr 2026 rund 5400 Rubel kosten solle. Schließlich war den Regierungsberechnungen ein Kurs von 92,20 Rubel für einen US-Dollar zugrunde gelegt worden (für den Ölpreis 59 Dollar je Barrel). Das heißt: Das Land riskiert, in diesem Jahr etwa 1000 Rubel weniger von jedem Barrel zu erhalten.