Die amerikanische Aggression gegen den Iran nimmt Russland den wichtigen Südlichen Transportkorridor, der in für unser Land kritischen Zeiten aktiv genutzt wurde. Die Offiziellen der Russischen Föderation hatten dem Iran zugesagt, bereits im April den Bau eines Abschnitts der Bahnlinie Rescht-Astara zu beginnen, für die Teheran einen Abschnitt seines Territoriums zur Verfügung gestellt hatte. Freilich meint man in der Staatsduma, dass es für uns besser sei, vorerst den Transportkorridor „Nord-Süd“ zu vergessen. Am Montag haben Vizepremiers Russlands und Aserbaidschans bei einem Treffen in Baku entschieden, aufs Neue die Chancen für den Bau einer Eisenbahnstrecke am Ufer des Kaspischen Meeres im nächsten Monat zu bewerten.
Die Realisierung des Eisenbahnprojekts Rescht-Astara auf dem Territorium des Irans als einen Teil des „Nord-Süd“-Korridors werde ab dem 1. April 2026 beginnen, versprach Russlands Energieminister Sergej Ziwiljew in einem Interview für die iranische Zeitung „Tehran Times“. „Der „Nord-Süd“-Korridor ist nicht nur eine energiewirtschaftliche, sondern auch ein Transportroute. Ihr Schlüsselelement ist die Bahnstrecke Rescht-Astara. Wir haben praktisch die gesamte erforderliche juristische Vorbereitung abgeschlossen. Und heute ist beschlossen worden, dass am 1. April ein Abkommen über den Beginn der Realisierung des Projekts unterschrieben wird“, erläuterte zehn Tage vor dem amerikanisch-israelischen Überfall auf den Iran der russische Minister. Damals hatte in Teheran die letzte Tagung der ständigen russisch-iranischen Kommission für Handels- und Wirtschaftszusammenarbeit stattgefunden und erfolgte die Internationale Konferenz „Iran Corridor 2026“. Im Beisein des Präsidenten der Islamischen Republik Iran, Massud Peseschkian, Irans Ministerin für Straßen und Stadtentwicklung, Farzaneh Sadegh, aber auch der Führung des iranischen Parlaments wurde ein Protokoll über die Gewährung eines Zugangs zu Bodenflächen für das bevollmächtige russische Unternehmen „Caspian Services Ltd.“ im Interesse des Baus der Bahnstrecke Rescht-Astara unterzeichnet.
Die Fortsetzung der künftigen Bahnstrecke aus dem Iran auf dem Territorium Aserbaidschans ist bereits gebaut worden. „Die Bahnlinie ist bereits vom Bahnhof Astara in Aserbaidschan bis Astara im Iran gebaut worden. Die nächste Etappe sieht den Bau der fehlenden 167 Kilometer der Bahnstrecke Astara-Rescht für eine vollständige Integration der Eisenbahn des Irans und Aserbaidschans vor. Nach Abschluss der Bauarbeiten werden die Eisenbahnen Skandinaviens, Russlands, Aserbaidschans und des Irans zu einem gemeinsamen Netz verbunden sein, wobei sie eine ununterbrochene Bahnroute ab dem Norden bis zum Persischen Golf bilden“, wurde auf der Internetseite der aserbaidschanischen Eisenbahn mitgeteilt.
Ob die Administration von Donald Trump die Schaffung eines für Russland und den Iran vorteilhaften Transportkorridor zulassen wird, ist bisher unklar. Gleichfalls ist nicht klar, wie der „Nord-Süd“-Transportkorridor unter den Bedingungen der Zerstörungen der Transport- und Energie-Infrastruktur arbeiten werden kann.
Russland müsse die Routen für den Transport von Frachtgüter nach Asien aufgrund der instabilen Situation im Nahen Osten diversifizieren. Die Situation im Iran berge potenzielle Risiken für den internationalen Transportkorridor „Nord-Süd“ und das Vorhaben für den Bau des Bahnabschnitts Rescht-Astara in sich. Solch eine Meinung bekundete der 1. Stellvertreter des Vorsitzenden des Staatsduma-Ausschusses für Transportwesen, Pawel Fedjajew (Kremlpartei „Einiges Russland“), gegenüber der russischen staatlichen Nachrichtenagentur TASS. Nach seiner Meinung müsse man sich noch einmal aufmerksam die Logistik-Strategie anschauen, nach Möglichkeit den „Nord-Süd“-Korridor, der eine große Wichtigkeit für das Land besitze, forcieren und parallel die arktische und die zentralasiatische Richtung entwickeln. „Bei solch einer politischen Turbulenz im Nahen Osten ist der einzige Weg für eine Gewährleistung der Transportsouveränität Russland eine Diversifizierung der Routen“, teilte der Abgeordnete mit.
Chancen für eine Bewahrung der „Transportsouveränität Russlands“ wurden am Montag, dem 2. März in Baku erörtert.
Im Rahmen eines Baku-Besuchs einer russischen Regierungsdelegation erfolgte ein Treffen der Co-Vorsitzenden der Russisch-aserbaidschanischen Regierungskommission für Wirtschaftszusammenarbeit. Russlands Vizepremier Alexej Owertschuk und Aserbaidschans Vizepremier Schachin Mustafajew erörterten den „gesamten Komplex aktueller Frahen des praktischen Zusammenwirkens Russlands und Aserbaidschans“. Gesondert behandelt wurden Fragen zur Entwicklung des internationalen „Nord-Süd“-Transportkorridors, insbesondere der Erhöhung seiner Durchlassfähigkeit und der Vervollkommnung der Transport- und Logistik-Infrastruktur. Alexej Owertschuk und Schachin Mustafajew vereinbarten, im April dieses Jahres eine neue Tagung der Regierungskommission in der Republik Aserbaidschan durchzuführen.
Die Wichtigkeit des Südlichen Transportkorridors unter den Bedingungen der Blockade der westlichen Routen verspürt Russland nicht das erste Mal. Während des Krieges gegen das faschistische Deutschland hing die UdSSR kritisch von amerikanischen Lieferungen über die Transiranische Route (oder dem sogenannten Persischen Korridor) ab. Damals handelten die USA und Großbritannien als zeitweilige Verbündete der UdSSR. Die Amerikaner hatten 1941 aktiv an der Ausrüstung der Transport-Infrastruktur auf dem Territorium des Irans für die Versorgung der Sowjetarmee teilgenommen. Heute aber schafft die amerikanische Aggression gegen den Iran wesentliche logistische Probleme für die gesamte Region Zentralasiens.
Im Herbst vergangenen Jahres hatten die Offiziellen gehofft, den Bau des letzten Abschnitts der Bahnstrecke auf dem Territorium des Irans noch bis Ende des Jahres 2025 zu beginnen. Anfang September vergangenen Jahres erklärte der Transportminister der Russischen Föderation, Andrej Nikitin, dass Russland und der Iran die Arbeit am Projekt für den Bau des letzten Abschnitts der Bahnlinie der westlichen Route des internationalen Transportkorridors „Nord-Süd“ — Rescht-Astara – fortsetzen würden. Dabei bestätigt die iranische Seite ihr Interesse an diesem Bauvorhaben. Der russische Transportminister räumte ein, dass man den Beginn der aktiven Phase der Bauarbeiten für den Abschnitt bis Ende des Jahres 2025 erwarten könne. Zuvor hatte er mitgeteilt, dass es in dem Projekt drei Schlüsselmomente gebe, mit denen sich die iranische Seite befasse – den Erwerb von Land, die Annahme eines Gesetzes durch den Iran über die Befreiung des Projekts von der Zahlung von Steuern und Sozialabgaben, aber auch Fragen der Verrechnungen zwischen den Banken. Im Mai des vergangenen Jahres teilte das Transportministerium der Russischen Föderation mit, dass Russland und der Iran Erkundungsarbeiten hinsichtlich der Bauarbeiten im Rahmen des internationalen Transportkorridors für den Bahnabschnitt Rescht-Astara im Iran begonnen hätten. Der internationale „Nord-Süd“-Transportkorridor ist eine multimodale Route von Sankt Petersburg bis zum Hafen Mumbai (Indien) mit einer Länge von 7200 Kilometern. Dieser Korridor umfasst drei Routen – eine transkaspische (unter Nutzung von Bahnlinien und Häfen), aber auch eine westliche und östliche Landroute.
Russland und der Iran unterzeichneten im Mai vergangenen Jahres Dokumente über die Fertigstellung des letzten notwendigen Abschnitts der Bahnlinie der westlichen Route im Rahmen des Korridors Rescht-Astara im Iran. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 1,6 Milliarden Euro. 1,3 Milliarden Euro sind ein Kredit der Russischen Föderation, die restliche Summe – Mittel der iranischen Seite.