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Russland wird durch den weltweiten Gasmangel nicht viel verdienen


Die Unterbrechung der Herstellung verflüssigten Erdgases in Katar hat einen globalen Mangel hinsichtlich des Angebots ausgelöst, den auch die russischen Exporteure auszunutzen versuchen. Doch deren Arbeit erschweren die Aktionen der ukrainischen Geheimdienste, die russische Gastanker angreifen (lt. Auffassung offizieller Vertreter Russlands – Anmerkung der Redaktion) und Gaspipelines in verschiedensten Regionen der Welt ins Visier genommen haben. Die russische Gasbranche stehe an einem Scheideweg, meinen Experten. Die Ära des leichten Geldes durch den europäischen Export ist vorbei. Und jetzt haben die russischen Produzenten unter den Bedingungen der zunehmenden äußeren Risiken zu konkurrieren. Aufgrund der Exportprobleme empfiehlt man den russischen Gasproduzenten, die Preise für die Gasverbraucher im Land – für die Bevölkerung, Metallurgen und die Chemie-Industrie – anzuheben. Innerhalb von fünf Jahren sollen laut Plänen der Offiziellen die Gaspreise für die Bevölkerung um 57 (!) Prozent steigen.

Katar, der weltweit zweitgrößte Exporteur verflüssigten Erdgases (LNG) – hat eine Einstellung seiner LNG-Produktion bekanntgegeben und vor Force-Majeure-Umständen aufgrund des israelisch-amerikanischen Krieges gegen den Iran gewarnt. Zur Unterbrechung der Produktion sind auch Probleme mit der LNG-Beförderung durch Gastanker hinzugekommen. Die Blockierung der Straße von Hormus hat rund ein Drittel der weltweiten Handels mit verflüssigtem Gas gestoppt. Daher sind viele Anfragen von Gas-Käufern für die nächsten Monate ohne eine Antwort seitens der Lieferanten geblieben.

Teilnehmer des Gasmarktes vermuten, dass der große Schock für das Angebot Monate andauern könne. Und daher würden sie nach jeglichen Möglichkeiten für einen Erwerb von Gas – besonders in der Zeit der Auffüllung der Reserven nach Abschluss des hohen Verbrauchs im Winter – greifen, betonen Analytiker der Bank Goldman Sachs.

Der Gesamtmangel an Gas auf dem Weltmarkt spitzt die Konkurrenz zwischen den Käufern aus Europa und Asien zu. Dabei speichern die Länder im Unterschied zum Erdöl üblicherweise bei sich keine strategischen Erdgasreserven. So haben Beamte der Europäischen Union die Verbraucher von Erdöl beruhigt, dass dessen Reserven in Europa beinahe für drei Monate ausreichen würden. Mit Erdgas ist es aber weitaus schwieriger. Die britische Presse versichert beispielsweise, dass die Vorräte in den einheimischen Gasspeichern ohne eine Auffüllung nur für wenige Tage ausreichen würden.

Der weltweite Gasmangel hat die russischen Exporteure aufgemuntert, die versprechen, ihre Gastanker nach Asien umzulenken. Das Problem besteht aber darin, dass die ukrainischen Geheimdienste den gesamten Gasexport aus Russland in der ganzen Welt als ihr Ziel ansehen. Ohne auf ein wirksames Verbot ihrer westlichen Kuratoren zu stoßen, bereiten ukrainische Saboteure Sprengungen an Gaspipelines aus Russland in die Türkei vor. Dies behauptete unter anderem das russische Staatsoberhaupt. Laut Angaben russischer Geheimdienste bereite Kiew Spengungen an den Pipelines „Turk Stream“ und „Blue Stream“ mit Unterstützung westlicher Geheimdienste vor, erklärte am 4. März der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin. „Wir werden sehen, was in diesem Bereich geschehen wird. Aber dies ist ein sehr gefährliches Spiel, besonders heute“, erläuterte Putin. Erstmals hatte er über vorliegende Informationen über den möglichen Versuch einer Sprengung der Gaspipelines „Turk Stream“ und „Blue Stream“ bei einer Tagung des Kollegiums des Inlandsgeheimdienstes FSB am 24. Februar 2026 berichtet.

Das Geschehen „in diesem Bereich“ muss man wirklich ständig beobachten. Nach den Sprengstoffanschlägen gegen die Pipelines „Nord Stream-1“ und „Nord Stream-2“ im Jahr 2022 greifen ukrainische Drohnen regelmäßig die Infrastruktur der Russischen Föderation für den Export von verflüssigtem oder Pipelinegas auf dem Boden an.

So meldeten am Dienstag, dem 3. März Offizielle Libyens (aber auch Russlands Transportministerium ohne Details zu einem möglichen Untergang – Anmerkung der Redaktion), dass der Tanker „Arctic Metagaz“ für den Transport von verflüssigtem Erdgas angeblich nach einer Explosion südöstlich von Malta gesunken sei. Freilich, eine Woche später stellte sich heraus, dass der Gastanker nicht gesunken ist, sondern ungesteuert im zentralen Teil des Mittelmeeres treibe. Etwa 37 Seemeilen südlich von Malta. Die Behörden dieses EU-Staates fordern auf, sich in einer Entfernung von mindestens fünf Seemeilen von dem Gastanker zu bewegen. Aufgrund des Winds und der Meeresströmungen könne sich der Tanker in den nächsten Tagen noch mehr der Küste Maltas nähern. Die Behörden des Inselstaates arbeiten Pläne für den Fall außerordentlicher Situationen aus, wenn das Schiff in seine territorialen Gewässer gelangt.

Und am Mittwoch, dem 11. März informierte „Gazprom“ über Luftangriffe auf die Infrastruktur der Exportgasleitungen „Blue Stream“ und „Turk Stream“ im Bereich des Schwarzen Meeres. „Heute wurde ein weiteres Mal durch Luftangriffsmittel ein Objekte der Gastransportinfrastruktur im Süden Russlands, die Verdichterstation (VS) „Russkaja“ angegriffen. Am Vorabend wurden Attacken gegen die VS „Beregowaja“ und die VS „Kasatschja“ fixiert“, meldete der russische Staatskonzern. Insgesamt seien in den letzten zwei Wochen, beginnend am 24. Februar, „Gazprom“-Objekte im Süden Russlands 12mal Attacken ausgesetzt worden. „Diese Objekte gehören zur kritisch wichtigen Energieinfrastruktur und gewährleisten die Zuverlässigkeit der Exportlieferungen von Erdgas über die Gaspipelines „Turk Stream“ und „Blue Stream“. Alle Attacken sind abgewehrt worden“, versicherte man im „Gazprom“-Pressedienst.

Ungeachtet solch einer militärischen Konfrontation versprechen die russischen Offiziellen, zuverlässige Erdgaslieferungen in andere Länder zu gewährleisten.

Wir planen die internationalen Energiemärkte zu versorgen, und in erster Linie die jener Länder, die an russischem Gas interessiert sind und planen, mit uns langfristige konstruktive Beziehungen zu gestalten. Und es gibt solche Möglichkeiten. Heute haben dies unsere Unternehmen bestätigt und führen bereits Verhandlungen“, teilte der zuständige russische Vizepremier Alexander Nowak. Nach seinen Worten würden die russischen Unternehmen einen Teil des gegenwärtig für die europäischen Märkte zu liefernden verflüssigten Erdgases auf andere Märkte umlenken, ohne das Inkrafttreten eines Importverbots seitens der Europäer abzuwarten. Als Beispiele, mit denen neue Verträge abgeschlossen werden könnten, führte der Vizepremier Unternehmen aus China, Indien, von den Philippinen und aus Thailand an. Nowak betonte, dass die Prognosen für den Markt der asiatisch-pazifischen Region eine langfristige Zunahme der Nachfrage nach Erdgas demonstrieren würden.

Dabei erinnern einheimische Wirtschaftsexperten daran, dass das goldene Jahrhundert der leichten Export-Supereinnahmen bereits der Vergangenheit angehören würde. Und es sei für die russischen Gasunternehmen nützlich, sich dem Binnenmarkt anzunehmen, besonders da die Regierung auf eine Auffüllung der Staatskasse durch steigende Tarife und Steuern hoffe.

Die Verringerung der physischen Exportumfänge hat zu keinem proportionalen Einbruch der Einnahmen des Etats geführt, da sich die Regierung an die sich verändernden Bedingungen mithilfe einer flexiblen Steuerpolitik angepasst hat. Der Rückgang der Erlöse aus dem Export angesichts der Verringerung sowohl der Umfänge als auch der äußeren Preise ist teilweise durch eine Anhebung der Inlandstarife für Erdgas und dessen Transport, aber auch durch die Einführung erhöhender Koeffizienten hinsichtlich der Steuer auf die Förderung von Bodenschätzen (SFBS) kompensiert worden. Der Anteil der SFBS an den Gaseinnahmen des Etats hat von 54 Prozent im Jahr 2017 bis auf 81 Prozent im Jahr 2024 zugenommen. Dies erlaubte, den Umfang der Etateinnahmen von der Gasbranche auf dem Stand von der Zeit vor der COVID-Epidemie – etwa sieben Prozent der Etateinnahmen im Jahr 2024 — zu bewahren“, betonten Maria Gaiworonskaja und Valerij Semikaschew aus dem Institut für volkswirtschaftliche Prognostizierung der Russische Akademie der Wissenschaften. Ihre Schätzungen hinsichtlich der Perspektiven für die russische Gasbranche wurden in der Zeitschrift „Energiepolitik“ veröffentlicht, für die im Übrigen Vizepremier Nowak regelmäßig Kommentare schreibt.

Der russische Gassektor steht an einem Scheideweg. Die Ära der „leichten“ Einnahmen aus dem europäischen Export ist vorbei. Seine künftige Stabilität wird nicht so sehr durch die Fördermengen, als vielmehr durch die Fähigkeit bestimmt, sich an die neue Realität anzupassen: die Fähigkeit, auf Märkten mit geringeren Margen zu arbeiten, effektiv der wachsenden Inlandsnachfrage gerecht zu werden, sich neue Technologien unter den Bedingungen der Sanktionen anzueignen und die zunehmenden Risiken zu steuern“, sagen die Wirtschaftsexperten voraus. Nach ihren Worten sei für einen künftigen Erfolg eine flexible und durchdachte Politik des Staates erforderlich.

Gaiworonskaja und Semikaschew schlagen vor, sich mit einer „gerechteren Preisbildung auf dem Binnenmarkt“ zu befassen. „Für die gasintensiven Branchen (solche wie die Metallurgie und die Chemie) müssen die Inlandspreise für Gas mit der Konjunktur der Weltmarktpreise für deren Erzeugnisse gekoppelt werden. In Zeiten hoher Weltmarktpreise für Metalle und Düngemittel könnten die Unternehmen zusätzliche Zahlungen an die Gasbranche (oder den Etat und den Fonds für nationales Wohlergehen) vornehmen, was erlauben wird, ein gerechteres System für die Aufteilung der Einnahmen zu schaffen“, empfehlen die Experten aus dem Akademieinstitut für volkswirtschaftliche Prognostizierung.

Für die Bevölkerung hat die Regierung der Russischen Föderation eine Erhöhung der Gaspreise um 57 Prozent im Zeitraum 2024-2028 vorgesehen (was schon jetzt auf spürbaren Unmut unter Russlands Bürgern stößt – Anmerkung der Redaktion).