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Russlands Zentralbank erhielt ein Signal für eine neue Verschärfung der Kreditpolitik


Im Vorfeld der Tagung des Direktorenrates zum Leitzins am Freitag, dem 20. März hatte die Zentralbank der Russischen Föderation ein klares Signal dafür erhalten, dass eine Lockerung der Geldpolitik aufgrund der wahrscheinlichen Verteuerung vieler Waren in verschiedenen Ländern aufgrund des Krieges Israels und der USA gegen den Iran nicht wünschenswert ist. Westliche Nachrichtenagenturen zählen die Zentralbanken Dutzender Länder auf, die zu einer Anhebung ihrer Leitzinsen vor dem Hintergrund des Mangels an Energieträgern übergehen könnten. Diese Länder befinden sich freilich im Unterschied zu Russland nicht unter Bedingungen einer Stagnation und wahrscheinlichen Rezession vor dem Hintergrund eines Einbruchs der Investitionen und Inlandsproduktion.

Der israelisch-amerikanische Krieg gegen den Iran hat Befürchtungen hinsichtlich einer langen Energiekrise ausgelöst, die sicherlich eine Zunahme der Preise für Lebensmittel und andere Waren provoziert. Der Internationale Währungsfonds warnt unter anderem vor einem Ansteigen der globalen Inflation und langanhaltenden Konsequenzen der gegenwärtigen Krise selbst im Falle ihrer schnellen Beendigung (siehe auch „NG“ vom 10.03.2026 – https://www.ng.ru/economics/2026-03-10/1_9450_panic.html). In der letzten Woche haben sich die Akteure der Energiemärkte davon überzeugt, dass US-Präsident Donald Trump bisher nicht in der Lage ist, die Straße von Hormus, durch die bis zum Krieg über 20 Prozent des weltweiten Transits von Erdöl, Erdgas und anderen Waren abgewickelt wurden, zu deblockieren. Im Ergebnis dessen ist der gegenwärtige Preis für einen Barrel Erdöl der Marke Brent fast um das 2fache im Vergleich zum Vorkriegsstand, der unter 60 Dollar lag, gestiegen. Die Zusagen der Regierungen verschiedener Länder, einen Teilverkauf ihrer strategischen Ölreserven zu beginnen, überzeugen auch nicht sehr die Verbraucher, da all diese Reserven den zunehmenden Mangel an Brennstoffen nur im Verlauf von zwei, drei Monaten ausgleichen können.

Nach dem Erdöl und Erdgas werden auch die Lebensmittelpreise in die Höhe gehen – sowohl aufgrund einer Verteuerung der Düngemittel als auch wegen einer Reduzierung der Anbauflächen aufgrund des Mangels an Kraftstoffen. Und im Zusammenhang damit sehen die Warnungen des Internationalen Währungsfonds vor einer neuen Inflationswelle durchaus logisch aus. In Russland herrscht jedoch eine prinzipiell andere. Erdöl und Gas werden in unserem Land mit einem großen Überschuss im Vergleich zum Inlandsverbrauch gefördert. Russland hängt im Großen und Ganzen nicht von irgendeiner Straße von Hormus ab. Daher besitzt das Gerede von der Gefahr eines Inflationssprungs in Russland aufgrund der internationalen Energiekrise keine objektiven Grundlagen. Das Ansteigen der Inlandspreise für Kraft- und Brennstoffe in der Russischen Föderation ist möglich. Aber nur aufgrund der kommerziellen Interessen der Ölkonzerne.

Die Benzinpreise an den hauptstädtischen Tankstellen haben in der vergangenen Woche ihr Ansteigen beschleunigt, teilte die Moskauer Kraftstoff-Assoziation mit. Die Benzinpreise haben alle in der hauptstädtischen Region vertretenen großen Ölkonzerne angehoben. Derweil haben die unabhängigen privaten Tankstellen-Ketten in der letzten Woche die Preise auf dem Stand der vorangegangenen Woche beibehalten. Die Zunahme der Kraftstoffpreise im Einzelhandel überträgt die analoge Dynamik im Großhandelssegment. Die Preise für die Hauptarten von Erdölprodukten an der Petersburger Börse erhöhen sich seit Anfang März aktiv vor dem Hintergrund der negativen geopolitischen Nachrichten. Dabei gibt es in Russland bisher keine Anzeichen für eine Aktivierung der Frühjahrsnachfrage nach Erdölprodukten. Was die „negativen geopolitischen Nachrichten“ mit dem Inlandsmarkt für Kraft- und Brennstoffe zu tun haben, wird von den Spezialisten nicht erklärt. Die einfachen Bürger haben aber schon seit langem für sich herausgefunden, dass die Benzinpreise in der Russischen Föderation unabhängig davon steigen, ob das Rohöl auf den internationalen Märkten teurer oder billiger wird.

Der bewaffnete Konflikt zwischen den USA und dem Iran wurde zu einem neuen Testfall für das internationale Finanzsystem. Jetzt seien die Aufsichtsorgane von Washington bis Tokio gezwungen, ihre Entscheidungen hinsichtlich der Leitzinse vor dem Hintergrund der rasanten Zunahme der Erdölpreise und der Gefahren einer tiefgreifenderen Inflation zu revidieren, erklärte die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die nächsten Entscheidungen der Zentralbanken durch alle Mitglieder der G-7 und der anderen mit Devisen handelnden Länder sollen demonstrieren, dass die internationalen Finanziers aufgrund der Gefahr eines neuen Inflationsschocks zur Politik einer erhöhten Vorsicht und eines Verzichts auf eine Verringerung ihrer Leitzinsen übergehen werden.

Das Federal Reserve System (die Zentralbank der USA) hat bei seiner Tagung am 17./18. März 2026 die Zinsen unverändert gelassen. Bis zum Beginn der israelisch.amerikanischen Aggression war angenommen worden, dass die Pause hinsichtlich einer Revision der Leitzinsen komfortabel Monate lang andauern könne. Jetzt aber seien die Märkte erheblich weniger optimistisch aufgrund der Erschütterungen auf dem Arbeitsmarkt und des drastischen Ansteigens der Erdölpreise wegen des Konflikts im Nahen Osten eingestellt, betonen die Nachrichtenagenturen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ebenfalls ihren Leitzins unverändert gelassen. Jedoch hat die Krise im Nahen Osten die Institution faktisch von jenem „komfortablen Platz“ verdrängt, den jüngst die EZB-Chefin Christine Lagarde und ihre Kollegen öffentlich beschrieben hatten.

Japans Zentralbank hat am Donnerstag, wie erwartet wurde, ihren Leitzins unverändert gelassen, womit den Märkten eine Fortsetzung des Kurses zur Normalisierung der monetären Politik versichert wird. Japan ist besonders anfällig gegenüber einer Zunahme der Erdölpreise, da es vom Import von Energieträgern aus dem Nahen Osten kritisch abhängt.

Die Bank of England, die vor einem Monat noch eine mögliche Verringerung des Zinssatzes eingeräumt hatte, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine Lockerung ihrer Geldpolitik am nächsten Donnerstag verzichten. Laut Erwartungen wird auch die Zentralbank Kanadas am nächsten Mittwoch ihren Leitzins beibehalten.

Die schwedische Zentralbank hat ebenfalls ihren Leitzins am Donnerstag unverändert gelassen. Die schwedische Wirtschaft erstarkt schrittweise, während die Inflationsrate bereits unter den Zielwert von zwei Prozent gesunken ist.

Am Dienstag behandelte die Reservebank Australiens die Frage nach der zweiten Anhebung des Leitzins in Folge, der gegenwärtig bei 3,85 Prozent liegt. Im vergangenen Monat war die australische Zentralbank zur ersten großen Zentralbank der entwickelten Märkte geworden, die in diesem Jahr den Leitzins aufgrund des stabilen Inflationsdrucks und der überschüssigen Nachfrage unter den Bedingungen eines eingeschränkten Angebots angehoben hatte, meldeten die Nachrichtenagenturen.

Brasiliens Zentralbank wollte vor Beginn der israelisch-amerikanischen Aggression einen Zyklus zur Lockerung der monetären Politik beginnen. Im Januar hatte die Institution signalisiert, dass eine Senkung des Leitzins im März ihr Basisszenario sei. Jetzt aber erwarten einheimische Beobachter einen Übergang zu einer vorsichtigeren Politik.

Am nächsten Mittwoch hat Islands Zentralbank vor, ihren Leitzins um einen Viertelpunkt bis auf 7,5 Prozent aufgrund der Inflationsrate von 5,2 Prozent zu erhöhen. Ghanas Zentralbank kann den Zyklus einer Lockerung nach vier großen Senkungen des Leitzins verlangsamen oder stoppen, vermuten westliche Finanzexperten. Am Donnerstag werden Tschechien, die Ukraine und Taiwan voraussichtlich die gegenwärtigen Leitzinsen beibehalten, erklären die Amerikaner.

Solch deutliche Signale des IMF und von amerikanischen Finanziers versetzen die Beamten der Zentralbank der Russischen Föderation in eine schwierige Lage. Ihre Vorstellungen über die ständigen Inflationsgefahren verlangen, dem internationalen Trend zu folgen und auf eine Reduzierung ihres Leitzinses vor dem Hintergrund von Erzählung über bevorstehende Höhenflügen der internationalen Preise für die unterschiedlichsten Waren zu verzichten. Jedoch wird der schmerzhafte Inflationsrückgang in Russland bei einer offenkundigen Reduzierung der Produktion in vielen Wirtschaftsbereichen den Verzicht auf eine neue Reduzierung des Leitzinses zu einer zu sehr herausfordernden Entscheidung. Ob sich die ZB-Chefin Elvira Nabiullina zu solch einer öffentlichen Herausforderung entscheiden wird, konnte man vorerst nur vermuten. Nach der Verringerung des Leitzinses im Februar nahmen viele Analytiker an, dass die Zentralbank den Kurs zur Lockerung ihrer Politik fortsetzen und bei der Tagung am Freitag ihren Leitzins von 15,5 bis auf 15 Prozent senken werde. „Die Bank Russlands wird bei der März-Tagung die Verringerung des Leitzinses fortsetzen, indem sie ihn bis auf 15 Prozent herabsetzt. Es kann betont werden, dass nach der Februar-Tagung die Unbestimmtheit zugenommen hat. Da sind die vom Finanzministerium annoncierte Korrektur der Budget-Regel, die Kampfhandlungen im Nahen Osten und ihr Einfluss auf die Welt- und die russische Wirtschaft. Hinsichtlich der Korrektur der Budget-Regel hängt die Unbestimmtheit mit den Haushaltsausgaben in der neuen Konfiguration und den Finanzierungsquellen für das Haushaltsdefizit zusammen“, betonte Olga Belenkaja, Leiterin der Abteilung für makroökonomische Analyse des Investitionsunternehmens „Finam“. (Und sie hatte mit ihrer Prognose recht. Die Zentralbank Russlands senkte den Leitzins am Freitag um einen halben Prozentpunkt auf 15 Prozent. — Anmerkung der Redaktion)