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Ohne Flugzeuge ist eine «Flug-Mobilität» der Bevölkerung Russlands problematisch


Russlands Vizepremier Vitalij Saweljew hat bei der jüngsten Kollegiumssitzung der Aufsichtsbehörde für zivile Luftfahrt Rosaviazia erklärt, dass die einheimische Luftfahrt ihre Stabilität bewiesen habe. Im Jahr 2025 sind durch die russischen Fluggesellschaften rund 109 Millionen Passagiere befördert worden. Dies ist weniger als im Jahr zuvor, als das Passagieraufkommen mehr als 111 Millionen Menschen ausmachte. In Rosaviazia hatte man damals eine Verringerung der Passagierzahlen im Zusammenhang mit dem Erreichen der „Obergrenze“ der Möglichkeiten des Flugzeugparks eingeräumt. Doch bis zum Jahr 2030 stellen die Offiziellen das Ziel einer zusätzliche Erhöhung der „Flug-Mobilität der Bevölkerung“.

Dafür wird erstens die Infrastruktur des Flugverkehrs entwickelt. Im vergangenen Jahr sind neue Objekte auf sieben Flugplätzen zur Nutzung übergeben worden. Und bis zum Jahr 2030 ist geplant, die Rekonstruktion und den Bau von mindestens 75 Flugplätzen vorzunehmen.

Eine schwierigere Aufgabe ist der Plan der Offiziellen zur Erneuerung des Flugzeugparks durch einheimische Jets. Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil der einheimischen Flugzeuge im Park der Fluggesellschaften der Russischen Föderation 50 Prozent erreichen. Wobei entsprechend dem komplexen Programm für die Entwicklung der Flugtransport-Branche geplant wurde, über 1000 Flugzeuge zu bauen. Regierungsbeamte haben öffentlich Pläne für den Bau von mehr als 600 vollkommen russischen Flugzeugen bis zum Jahr 600 verkündet.

Der gesamte Park an zivilen Flugzeugen in der Russischen Föderation macht derzeit über 1190 Jets aus, vor allem aus ausländischer Fertigung. Und laut Schätzungen kann ein Drittel dieses Parks bis zum Jahr 2030 wegfallen (aufgrund fehlender Ersatzteile und Aktualisierung der Software durch die westlichen Flugzeugbauer sowie der ablaufenden möglichen Einsatzdauer – Anmerkung der Redaktion).

Neue Flugzeuge beginnt man in Dienst zu stellen. Doch ihre Geschwindigkeit ist weit von der erklärten entfernt. Im gesamten vergangenen Jahr wurden in der Russischen Föderation 52 neue Flugzeuge aus einheimischer Fertigung registriert. Dabei präzisiert man in Rosaviazia nicht, um welche Flugzeug-Typen es konkret geht.

Nach Aussagen von Saweljew sei bereits das Flugzeug Tu-214 zertifiziert worden. Und der russische Regierungschef Michail Mischustin informierte Ende Februar über den angeblichen Beginn der Serienfertigung dieses Passagierflugzeuges. In der finalen Phase der Zertifizierung würde sich gleichfalls der Regionaljet Il-114 befinden. Durchgeführt werden nach wie vor Zertifizierungsflüge der Flugzeuge „Superjet“ und MS-21.

Experten halten die Pläne der Offiziellen für übermäßig optimistische. Im besten Falle könne Russland den Anteil der einheimischen Flugzeuge bis auf 30 Prozent bis zum Jahr 2030 bringen.

Der Hauptgrund dafür ist das Hinterherhinken der Indienststellung von Flugzeugen. Die Termine für die Indienststellung der meisten Modelle der russischen Passagiermaschinen werden ständig verschoben.

Seit Mitte der 2000er Jahre wird das Flugzeug MS-21 entwickelt und getestet. Und es war erwartet worden, dass seine Serienfertigung im Jahr 2017 beginnen werde. Die Termine mussten jedoch aufgrund der Verhängung von Sanktionen gegen die Hersteller korrigiert werden, was zu der Notwendigkeit führte, einen Teil der Komponenten aus dem Ausland zu substituieren. Das zweite Muster des russischen Jets MS-21 nur mit russischen Bauteilen startete im Herbst vergangenen Jahres. Versprochen wird, die Serienfertigung dieses Flugzeugs Ende dieses Jahres aufzunehmen.

Solch ein Versprechen gibt es gleichfalls für den Beginn der Serienfertigung des Kleinflugzeugs „Baikal“. Dabei hatten noch im Mai vergangenen Jahres Staatsbeamte eingestanden, dass die Arbeiten zu seiner Entwicklung in eine Sackgasse geraten seien. Es hatte sich herausgestellt, dass das neue Flugzeug nicht nur zweimal teurer geworden war, sondern auch zweimal längere Startbahnen braucht. Später jedoch wurde wieder erklärt, dass die „Effektivität der Überarbeitungen des leichten Flugzeugs „Baikal“ bestätigt wurde“, und die Konstruktions- und Versuchsarbeiten für diesen Flieger werden fortgesetzt.

Im Februar dieses Jahres hat Rosaviazia eine neue Prognose für die Indienststellung russischer Flugzeugtechnik vorgelegt. Während anfangs entsprechend dem komplexen Programm für die Entwicklung der Flugtransport-Branche geplant worden war, bis zum Jahr 2030 über 1000 Liner zu auszuliefern, ist das Programm jetzt bis zum Jahr 2035 verlängert worden. Und die Gesamtzahl der Flugzeuge ist in ihm bis auf 944 verringert worden. Geplant sei die offizielle Bestätigung des neuen Programms nach Abschluss der Zertifizierung der neuesten Flugzeuge, sagte der 1. Vizepremier Denis Manturow. Ergo ist nicht ausgeschlossen, dass auch diese Fristen noch korrigiert werden können.

P. S.

Für Russlands Flugpassagiere ändert sich also in der nahen Zukunft nichts. Fliegen werden sie weiterhin vor allem mit ausländischen Flugzeuge sowohl im Inland als auch ins Ausland. Dabei wird jedoch mancher Flug zu einer wahren Zitterpartie, denn die Fälle von technischen Pannen und Störfällen nehmen in der russischen Zivilluftfahrt rasant zu. In der vorletzten Woche fixierte der Branchen-Kanal „Aviatorschina“ fünf Fälle, bei denen russische Passagierflugzeuge mit Triebwerksproblemen zu kämpfen hatten. Am 13. März kam es in einer Boeing-738 der Fluggesellschaft „Rossia“ auf dem Flug Sotschi-Nowosibirsk zu einer Schadensmeldung im System der Ölzirkulation des ersten Triebwerks. Ein Airbus A330 von „Aeroflot“ musste am 15. März zum Ausgangsflughafen Jekaterinburg zurückkehren, weil im zweiten Triebwerk Probleme mit der Luftzufuhr aufgetreten waren. Der Thailand-Urlaub für die Passagiere des Flugs begann also unschön.

Experten des Internet-Kanals Aviaincident ermittelten, dass im Jahr 2025 die Anzahl der Zwischenfälle mit russischen Passagiermaschinen aufgrund technischer Probleme, die zu einem Abbruch der entsprechenden Flüge führten, um das 4fache im Vergleich zum Jahr 2024 zugenommen und die Zahl 800 erreicht hat.