Heute besteht die Schlüsselfrage für die Weltwirtschaft und -politik darin, wann wird der Krieg gegen den Iran enden. Wenn in einer Woche, so ist dies eine Sache. Die gegenwärtige Zunahme der Ölpreise wird durch langfristige Trends und die Vorräte an Energieträgern in der Welt schnell ausgeglichen. Wenn er aber einige Monate andauern wird, werden die Folgen unweigerlich zu zerstörerischen für Vieles und für viele.
Die Zunahme der Preise für Brennstoffe führt zum Ansteigen der Kosten für die Hersteller und Verringerung der Wettbewerbsfähigkeit, zu Entlassungen von Personal und einer Insolvenz von Firmen, zu Inflation, zu einem Rückgang des Konsums, zu Armut, einer Zunahme von Nervosität und Gereiztheit in der Gesellschaft sowie zu Protest.
Für die einen oder anderen Länder, vor allem autoritäre und undemokratische, vergehen die politischen Folgen dieser universellen Tendenzen glatter, da dort die Ressourcen der Herrschenden für eine monopolistische Interpretation für die Ursachen der Verschlechterung des Lebens größer sind. Schuld haben Amerika, Trump und der Westen. Und man muss nichts mehr beweisen. Alles sei offensichtlich.
In solchen Ländern wie die USA, wo sich mit der Interpretation des Geschehens konkurrierende Informationsressourcen, Politiker und Parteien befassen, kann ein andauernder Konflikt zu langfristigen Folgen führen. Der Rückgang des Ratings von Trump und der Republikaner schon heute, der verweist auf die zunehmende Wahrscheinlichkeit, die Midterms, die Zwischenwahlen zum Kongress im November zu verlieren. Der Verlust einer der Kammern des Kongresses ist für Trump verderblich. Die verbleibenden Jahre der Präsidentschaft wird er in endlosen Auseinandersetzungen um ein eigenes Impeachment verbringen.
Es verstärkt sich die Spaltung in der Kerngruppe der Unterstützung für Trump, der sogenannten MAGA (Make America Great Again), in der konservativen Gemeinschaft der vorrangig weißen schlecht und mittelmäßig gebildeten Amerikaner, die geneigt sind, an Verschwörungstheorien zu glauben.
Dieser Tage reichte einer solcher Vertreter den Rücktritt vom Amt des Direktors des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung (Joe Kent – Anmerkung der Redaktion) ein. Er erklärte, dass es keinerlei unmittelbare Bedrohung für die USA seitens des Irans gegeben hätte. Und er könne nicht verstehen, für was Soldaten, Vertreter der jungen künftigen Generation von Amerikanern, ums Leben kommen. Und er formulierte da auch gleich die Hypothese, dass die USA durch Israel und die mächtige proisraelische Lobby in Amerika in diesen Krieg hineingezogen worden seien. Jetzt warten all, wer noch das Trump-Team aus Protest gegen den Krieg im Iran verlassen wird. Es ist gleichfalls offensichtlich, dass die antiisraelischen Stimmungen zu einem Faktor der Innenpolitik und der Verstärkung des Antisemitismus – darunter des alltäglichen – werden können.
Durch die Straße von Hormus gelangt Erdöl nach Europa (20 Prozent) und nach Asien (80 Prozent). Es ist klar, dass dessen Verbraucher in diesen Regionen leiden. Es kommt Gereiztheit aufgrund der amerikanischen Handlungen auf. Um fünf bis sechs Wochen ist Trumps China-Besuch aufgeschoben worden. Heute gebe es keine Themen für die Gespräche. Trump ist von den NATO-Ländern enttäuscht, die ihm nicht zur Hilfe geeilt sind. Die Europäer sind gekränkt, da sich keiner mit ihnen konsultiert. Ihre Interessen werden nicht berücksichtigt. Sie sind demonstrativ von der Lösung der Probleme nicht nur hinsichtlich der Ukraine, sondern auch im Nahen Osten suspendiert worden.
Vor unseren Augen erfolgt der Zusammenbruch der Konstruktion eines der Pole der multipolaren Welt…
Israel sieht zweifellos wie der Hauptmotor dieses Krieges aus. Netanjahu hat begriffen, dass Trump seine historische Chance ist, um ein existenzielles Problem – das Regime in Teheran gegen ein neutrales in Bezug auf die Frage über das Existenzrecht des jüdischen Staates auszutauschen – zu lösen. Nich ein einziger vorheriger amerikanischer Präsident hatte zugestimmt, gegen den Iran aufgrund Israels zu kämpfen. Aber jetzt, dank dem Schwiegersohn Trumps Jared Kushner, den man für den einflussreichsten proisraelischen Lobbyisten in Washington hält, hat sich Trump nicht einfach zu dem Krieg entschlossen, sondern auch, wie er selbst bekanntgab, zu einem Regimewechsel. Jedoch beinahe nach drei Wochen seit Beginn der Bombardements und des Beschusses des Irans (bereits über 6000 Flugzeugstarts mit Raketen und Bomben sind durchgeführt worden) begann das Thema eines Regime-Changes wie ein utopisches auszusehen.
Im Iran leben heute 92 Millionen Menschen, von denen die Mehrheit die USA und Israel hassen. Viele von ihnen wollen auch nicht unter der Herrschaft von fundamentalistischen Autokraten leben. Aber dieses Gefühl ist heute sekundär in Bezug auf den Antiamerikanismus. Auf das Territorium der Islamischen Republik bewaffnete Kurden zwecks Befriedung der Bevölkerung, worüber Trump gesprochen hatte, sieht wie ein verantwortungsloser Irrsinn aus. Übrigens, die Kurden begriffen dies sofort und erklärten, dass eine diplomatische Lösung der Frage zu bevorzugen sei.
An die Spitze des Irans einen Führer zu stellen, der von Trump gebilligt worden ist, ist gleichfalls irreal. Real ist, Kontakte mit einflussreichen iranischen pragmatischen Politikern zu sondieren. Doch solche bringt Israel sicher um, wie dies dieser Tage mit Ali Laridschani geschah. Und ihn hatte man für einen Realisten und Pragmatiker gehalten. Hier ist deutlich der Unterschied in den Strategien der USA und Israels in Bezug auf die Ziele des Konflikts auszumachen. Die Amerikaner wollen die Erdöl-Infrastruktur bewahren, die Israelis – sie zerstören. Trump will keine Involvierung anderer Staaten des Persischen Golfs in den Konflikt. Netanjahu reibt sich derweil angesichts dessen die Hände, dass sich die Positionen der Staatschefs dieser Länder – der Verbündeten der USA – mit jedem Tag als Antwort auf die iranischen Raketen und Drohnen verhärten. Washington braucht gemäßigte iranische Spitzenkräfte für Verhandlungen. Israel träumt von der Etablierung einer demokratischen proamerikanischen Regierung und möchte vollkommen die Elite säubern. Trump sagt, dass er die Militäroperation zu jedem beliebigen Zeitpunkt beenden könne, wenn er möchte. Israel erklärt aber, dass, solange man nicht die 440 Kilogramm angereicherten Urans gefunden hat, über deren Vorhandensein die Delegation des Irans Steve Witkoff und Jared Kushner bei Verhandlungen in der Schweiz am Vorabend des Krieges informiert hatte, man nicht einmal an eine Beendigung der Kampfhandlungen denken dürfe.
Aus diesen 440 Kilogramm angereicherten Urans kann man innerhalb von zwei Wochen zehn bis zwölf nukleare Gefechtsköpfe herstellen.
Der Iran strebt übrigens auch öffentlich nicht nach einer Beendigung des Krieges und besteht auf Vergeltung für den Tod ihres geistlichen Führers (Ali Chamenei). Es ist klar, dass mit jeder Ermordung öffentlicher Spitzenkräfte sich in Teheran die Macht dort immer mehr in den Händen der Wächter der islamischen Revolution konzentriert, und dabei in denen ihrer kriegerischsten sowie antiamerikanisch und antiisraelisch eingestellten. In den Startlöchern sind Proxy-Gruppierungen des Irans nicht nur in der Region, sondern auch in der Welt, die zu einer Rache entsprechend dem Willen Teherans bereit sind.
Kann man unter solchen Bedingungen damit rechnen, dass eine Beendigung des Krieges ausschließlich der Wille des amerikanischen Präsidenten ist? Die Antwort liegt auf der Hand – nein.
Die Leichtigkeit, mit der die USA und Israel den Krieg gegen den Iran begannen, zeugt von einem äußerst geringen Niveau der Vorbereitung der Operation aus der Sicht der Szenarios für seine Beendigung. Auf dem Tisch lagen allem nach zu urteilen Varianten eines vereinfachten Bildes von der Entwicklung der Ereignisse entsprechend dem Vorbild der venezolanischen. Alles hat sich aber als unermesslich schwieriger erwiesen…