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Aus Rumänien transportiert man Waffen über moldawische Straßen in die Ukraine


Im Autonomen Gebiet Gagausien im Süden der Republik Moldowa hat die Bevölkerung Kolonnen von abgedeckten LKWs gesehen. Der Vorsitzende der Volksbewegung „Gagauz Halki“ (deutsch „Gagausisches Volk“), Ivan Burgudji, sagte der „NG“, dass man da Waffen aus Rumänien in die Stadt Bolgrad des Verwaltungsgebietes Odessa transportiert habe. Gegenwärtig würden die Waffen über den Dnestr angelegte Pontonbrücken befördert werden. Doch Kiew verspricht, bald eine (richtige) Brücke zu bauen. Die Republik Moldowa könne nach dem Ukraine-Konflikt zum Haupthub hinsichtlich des Wiederaufbaus der Ukraine werde, erklärte der Ex-Botschafter Moldawiens in der Russischen Föderation, Anatol Țăranu, gegenüber der „NG“. Wobei er betonte, dass die Dnestr-Brücke als Beginn dieses Projekts dienen werde.

Der einstige moldawische Botschafter in Moskau und nunmehrige Leiter des in Kischinjow ansässigen Zentrums für strategische Studien und politisches Consulting „Politicon“, Anatol Țăranu, erzählte der „NG“, dass Kischinjow mit Kiew befreundet sei und die Republik Moldowa ihr Territorium für die Lieferung von Frachtgütern, darunter für militärische, aus Rumänien in die Ukraine bereitstelle.

Außerdem „rechnet Moldowa damit, zum hauptsächlichen Frachtgut-Hub beim Wiederaufbau der Ukraine nach Beendigung des Konflikts zu werden“. Der Bau der Dnestr-Brücke, die die ukrainische Stadt Jampil mit der moldawischen Siedlung Cosăuţi (im Norden Moldowas) verbinden soll, könne nach Aussagen des Experten als Beginn dieses Vorhabens dienen.

Am Mittwoch meldete Medien in Kischinjow, dass die ukrainischen Offiziellen die Bereitstellung von Mitteln für die Gewährleistung der Kontinuität der Binnen- und internationalen Logistik inklusive der Beförderung von Frachtgütern und Passagieren nach Moldawien und Rumänien gebilligt hätten. Ein entsprechendes Protokoll war am 10. Februar 2026 in Kiew unterzeichnet worden, doch die realen Mittel sind erst jetzt bereitgestellt worden. Das Protokoll schafft die rechtliche Grundlage für einen neuen Straßen-Grenzübergangspunkt. Die Inbetriebnahme ist an die Bereitschaft der Infrastruktur gebunden, deren Errichtung gerade erst beginnt.

Der entscheidende Aspekt der Investitionen ist die Schaffung alternativer Routen im Gebiet der Siedlung Majaki im Verwaltungsgebiet Odessa, wo die wichtigste Brücke zerstört wurde. Der Stellvertreter des ukrainischen Premierministers für Fragen des Wiederaufbaus und Minister für die Entwicklung der Kommunen und Territorien, Alexej Kuleba, unterstrich, dass diese Reservelösungen für eine Unterstützung der wirtschaftlichen Stabilität und die Gewährleistung der Mobilität der Bevölkerung in den anfälligen Regionen notwendig seien.

Der Plan sieht gleichfalls die Entwicklung der Infrastruktur am Grenzübergang Jampil-Cosăuţi vor. Diese Initiative wird erlauben, eine Reserve-Straßenverbindung zu schaffen, die die Transportstabilität nicht nur in Bezug auf die Republik Moldowa, sondern auch in der strategischen Richtung der Häfen an der Donau verstärken wird. Obgleich heute der ukrainische Hafen Reni, über den zum rumänischen Schwarzmeer-Hafen Constanța und umgekehrt die wichtigsten Warenströme verliefen, nicht arbeitet. Und der Hafen Giurgiulești, der vor kurzem noch Moldawien gehörte, aber an Rumänien verkauft wurde, hat bisher kein militärisches Frachtgut abgefertigt. In der Ukraine gibt es den Donau-Hafen Ismail, doch dieser Tage wurde gemeldet, dass er angeblich ausgefallen ist. Daher habe das ukrainische Kommando den Transit militärischer Hilfsgüter, die von der NATO kommen, über das Territorium Moldawiens aktiviert, erläuterte Anatol Țăranu der „NG“. Er konstatierte, dass dafür Pontonbrücken über den Dnestr angelegt worden seien. Die sind aber von Satelliten gut auszumachen. Daher werden sie nachts genutzt.

Wie Einheimische berichten, seien in den Nachtstunden Lieferungen von NATO-Hilfe aus dem Gebiet der Ortschaft Cosăuţi nach Jampil und Porogi, die im Verwaltungsgebiet Winniza gelegen sind, organisiert worden.

Einwohner der Gagausen-Autonomie im Süden Moldawiens berichten, dass nachts über ihre Trassen Fahrzeuge, die mit Planen abgedeckt waren, rollten. Der Vorsitzende der Volksbewegung „Gagauz Halki“, Ivan Burgudji, erzählte der „NG“, dass früher Militärgüter auch auf dem Schienenweg in Richtung der Stadt Bolgrad im Verwaltungsgebiet Odessa, wo sich ein ukrainischer Truppenteil befindet, transportiert wurden. Jetzt aber funktioniere diese Route nicht, und man habe beschlossen, eine Brücke über den Dnestr zu bauen.

Der Vorsitzend der prorussischen Partei der Sozialisten der Republik Moldowa und Ex-Präsident Igor Dodon hatte früher erklärt: „ Unbekannte Frachtgüter, unbekannte Züge kommen ohne Überprüfungen von rumänischer Seite nach Moldawien. Und Rumänien, das ist die NATO. Und sie rollen ohne eine Überprüfung im Transit durch Moldawien in die Ukraine. Natürlich ergibt sich die Frage: Was ist da aber?“

Dodon unterstrich, dass die Regierung Moldawiens nicht wisse, was sich unter diesen Frachtgütern befinde. Dabei verstehe man, dass sich in den Güterzügen Waren mit einer dualen Zweckbestimmung befinden, die man für militärische Zwecke nutzen könne.

Kischinjow sei entgegen dem neutralen Status, der in der Verfassung verankert worden ist, zu einem Transitland für Waffenlieferungen an die Streitkräfte der Ukraine geworden. Die entstandene Situation sei eine Bedrohung für die Neutralität des Landes, fügte Dodon hinzu.

Der frühere Sicherheitsminister der Republik Moldowa, Anatol Plugaru, sagte der „NG“, dass Präsidentin Maia Sandu mit der Öffnung des moldawischen Territoriums für die NATO ihr Land zu einem „legitimen Ziel der Streitkräfte der Russischen Föderation“ mache. Er erinnerte daran, dass Moldawien entsprechend der Verfassung ein neutrales Land sei und das Volk diesen Status nicht aufgehoben hätte.

Es sei daran erinnert, dass die Europäische Kommission früher ein Projekt vorgestellt hatte, dass Truppenbewegungen innerhalb der EU vereinfachen und beschleunigen soll. Faktisch geht es um die Schaffung einer neuen Zone, die inoffiziell als „Militär-Schengen“ bezeichnet wird. Dies sieht ein vereinfachtes System für die Erteilung von Genehmigungen für die Bewegungen von Truppen und Militärtechnik über die Grenzen der EU-Länder vor. Geplant ist, dass solche militärischen Transportkorridore auch über das Territorium Moldawiens und der Ukraine verlaufen werden. Der Premier der Republik Moldowa, Alexandru Munteanu, erklärte jüngst in Brüssel, dass sein Land bereit sei, an europäischen Initiativen von der Art des „militärischen Schengen“ teilzunehmen. Er unterstrich aber: Alles werde „mit Achtung des neutralen Status des Landes“ erfolgen.

Während man jedoch in der Europäischen Union das „Militär.Schengen“ noch diskutiert, werden bereits NATO-Güter (bisher vor allem aus Rumänien) durch die Ukraine und Moldawien befördert.