Die Offiziellen Armeniens und Aserbaidschans verstärken den Handelsaustausch und bereiten sich vor, die bilaterale Zusammenarbeit auf eine neue Ebene zu bringen. Dafür habe Jerewan mit Washington eine Beschleunigung der Arbeiten zum Projekt der „Trump-Route“ (Trump Route for International Peace and Prosperity – TRIPP) vereinbart, behauptet Premierminister Nikol Paschinjan. Allerdings habe Teheran das letzte Wort, das bereits seine Fähigkeiten zur Zerstörung feidnlicher Infrastrukturen bewiesen hat.
Laut Angaben des Staatlichen Zollkomitees Armeniens habe im ersten Quartal dieses Jahres der Warenaustausch zwischen Jerewan und Baku 5,7 Millionen Dollar überschritten. Unter anderem machte er im März über 1,5 Millionen Dollar aus. Dabei habe der Anteil der armenischen Seite 960 Dollar ausgemacht. Was konkret die Armenier an die Aserbaidschaner verkauften, ist unbekannt. Seinerseits liefert Baku seit dem vergangenen Jahr an Jerewan Kraft- und Brennstoffe.
Über das Territorium Aserbaidschans wurde gleichfalls kasachischer und russischer Weizen nach Armenien transportiert. Anfang April wurde mitgeteilt, dass weitere fünf mit russischem Getreide beladene Eisenbahnwaggons über das Territorium Aserbaidschans nach Armenien unterwegs seien.
Vor diesem Hintergrund sagte Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan während eines Parlamentsauftritts, dass ein Export per Bahn über das Territorium Georgiens solange möglich sei, solange im Rahmen des Projekts „Trump-Route“ nicht die Bahnverbindung mit Aserbaidschan wieder in Betrieb genommen wird. Er nimmt an, dass TRIPP erlauben werde, die wirtschaftlichen Möglichkeiten Jerewans auf ein prinzipiell neues Niveau zu bringen. Dabei versicherte Paschinjan, dass ungeachtet des Krieges der USA und Israels gegen den Iran die Arbeit an dem Vorhaben fortgesetzt werde.
„Beide Seiten, Armenien und die USA, wollen dies so schnell wie möglich realisieren. Man kann mehr sagen: In den letzten Tagen haben wir unter anderem die Errichtung von Energiefernleitungen, die Möglichkeit der Vornahme von Bauarbeiten vor dem geplanten Termin und überhaupt alles erörtert, da die Prozesse herangereift sind, heranreifen. Und zweifellos wird die Herangehensweise sowohl Armeniens als auch der USA an dieses Programm eine absolute Priorität sein“, erläuterte Paschinjan im Parlament. Er unterstrich gleichfalls, dass Baku ebenfalls an der „Trump-Route“ interessiert sei.
„Das TRIPP-Programm kann nicht von einer geschlossenen Grenze zu einer anderen geschlossenen Grenze verlaufen. Diese Grenzen müssen offen sein, eine Verbindung zwischen beiden Seiten zu gewährleisten. Und wir freuen uns hervorheben zu können, dass auch Aserbaidschan solch eine Herangehensweise verfolgt und daran interessiert ist“, sagte der Premierminister.
Von der „NG“ befragte Experten sind der Auffassung, dass die Erklärungen des Regierungsvorsitzenden Teil seiner Wahlkampfagitation als Chef der Partei „Zivilvertrag“ seien.
„Über die TRIPP vor den Parlamentswahlen zu reden, ist sinnlos, da das gesamte Projekt an die Regierung Paschinjans gebunden ist. Wenn die heutige Opposition an die Macht kommt, wird sie es nicht realisieren. Was mit US-Präsident Donald Trump und all seinen Initiativen werden wird, ist auch eine große Frage. Im Zusammenhang damit geht es zum gegenwärtigen Zeitpunkt ausschließlich um eine Propaganda. Durch das Gerede über die „Trump-Route“ versuchen die armenischen Offiziellen, die aserbaidschanische Rhetorik über den Sangesur-Korridor in für sie konstruktivere Bahnen zu verlagern. Paschinjan möchte gleichfalls mithilfe der TRIPP, all seine Zugeständnisse gegenüber Baku als einen Weg zu Frieden und Prosperität darstellen“, erzählte der wissenschaftliche Mitarbeiter des Kaukasus-Instituts Grant Mikaeljan.
„Paschinjan will seine Positionen im Vorfeld der Wahlen verstärken, will auf die Kritik der Opposition antworten und der Bevölkerung zeigen, dass er sich nicht geirrt habe und dass das Projekt, das er als eine Garantie für die Existenz Armeniens kredenzte, nicht gescheitert sei. Andererseits ist dies ein Signal an das Staatsoberhaupt Aserbaidschans Ilham Alijew: Ungeachtet der sich veränderten Situation in der Region werde die Realisierung des Projekts, auf dem Aserbaidschans Staatsoberhaupt bestanden hatte, fortgesetzt“, fügte der Politologe Karen Igitjan hinzu.
Zur gleichen Zeit bezweifeln die Experten, dass die Bauarbeiten unter den Bedingungen des Kriegs zwischen den USA und dem Iran beginnen können. Schwierigkeiten ergeben sich gleichfalls für die Sache nach einem Investor für solch ein Projekt.
„Vor ganzen zwei Monaten hatte US-Vizepräsident JD Vance erklärt, dass die Amerikaner nach Investoren für das Vorhaben suchen würden. Das heißt: Zu diesem Zeitpunkt hatte sie es noch nicht gegeben. Wenn es schon Investoren gibt, so wer sind sie?“, betonte Igitjan.
Seinerseits betonte Mikaeljan, dass selbst vor dem Krieg der Iran zwiespältig den Bau einer amerikanischen Trasse neben seiner Grenze bewertet hätte. Und jetzt werde sie ihm ganz und gar nicht gefallen. Natürlich werde Vieles davon abhängen, ob sich die Iraner und Amerikaner über einen Frieden einigen können und unter welchen Bedingungen dies erfolgen werde. Es gebe aber ein Szenario, bei dem Teheran physisch das Anlegen der „Trump-Route“ stören könne. Letzten Endes habe es bereits bewiesen, dass es in der Lage ist, die Infrastruktur ausländischer Staaten selbst unter weitaus schwereren Bedingungen zu zerstören, resümierte der Experte.