Drei Viertel der Bürger Russlands halten heute Weißrussland für ein Beispiel eines Erfolgs und für Stabilität. Die Hälfte der befragten Russen rechnen zu den stabilsten und erfolgreichsten Ländern Kasachstan und jeder sechste – Usbekistan. Die positive Wahrnehmung dieser postsowjetischen Länder hat sich in den letzten 15 Jahren in Russland erheblich verbessert, während lediglich knapp 30 Prozent der Bürger Russlands eben jenes Weißrussland als ein Muster an Erfolg bezeichneten. Neue Daten seiner regelmäßigen Befragungen zu den Bewertungen der postsowjetischen Staaten hat das russische staatliche Meinungsforschungszentrum VTsIOM vorgelegt. Der Durchschnittslohn in Weißrussland ist um ein Drittel geringer als der in Russland. Dabei sind die Renten in Weißrussland heute spürbar höher als die russischen. Doch das Interesse für eine Übersiedlung der Bürger Russlands nach Weißrussland formieren ganz und gar nicht die Renten, sondern das Nichtbestehen massenhafter Blockierungen von Internet-Services, die für die gegenwärtige Russische Föderation so charakteristisch sind.
Das Allrussische Zentrum für öffentliche Meinungsforschung (VTsIOM) stellt schon seit einigen Jahrzehnten Bürgern Russlands ein und dieselbe Frage dazu, welche der GUS-Länder die Befragten für die stabilsten und erfolgreichsten halten. Als ein absolutes Beispiel an Erfolg und Stabilität bezeichnen heute 75 Prozent der Bürger Russlands Weißrussland. Obgleich sich in den vergangenen Jahrzehnten die Bruderrepublik ganz und gar nicht durch solch hohe Bewertungen der Erfolge und Stabilität seitens der Bürger Russlands ausgezeichnet hatte. So hatten beispielsweise im Jahr 2010 nur rund 31 Prozent der befragten Bürger Russlands Weißrussland als ein erfolgreiches Land bezeichnet, während in jenen Jahren 34 Prozent der Bevölkerung der Russischen Föderation Kasachstan zu den stabilen und erfolgreichen Ländern rechneten. Aber bereits ab dem Jahr 2012 überholt gerade Weißrussland in den VtsIOM-Befragungen unverändert Kasachstan in den Augen der Bürger Russlands hinsichtlich der Bewertungen der Stabilität und des Erfolgs. Obgleich die Bruderrepublik früher nie das jetzige hohe Rekordniveau der Billigung seitens der Bürger Russlands erreicht hatte.
Die Soziologen untersucht gesondert die Billigung Weißrusslands (und anderer GUS-Länder) in unterschiedlichen Altersgruppen der Bevölkerung der Russischen Föderation. Für diese Altersgruppen der Bürger Russlands hat man sich eigene Bezeichnungen ausgedacht: von der „Generation des Tauwetters“ bis zur „digitalen Generation“.
Die höchsten Bewertungen für den Erfolg und die Stabilität wurden in den älteren Gruppen der Bevölkerung der Russischen Föderation fixiert: 83 Prozent der „Generation der Stagnation (1948-1967)“ und 89 Prozent der „Generation des Tauwetters (bis zum Geburtsjahr 1947)“. Jedoch ist für mehr als zwei Drittel der jüngsten Bürger Russlands (die nach dem Jahr 2001 geboren wurden) Weißrussland heute ein Vorbild in Bezug auf Erfolg und Stabilität.
Kasachstan und Usbekistan rechnen zu den erfolgreichen und stabilen 49 bzw. 17 Prozent der jungen Bürger Russlands. Für die übrigen postsowjetischen Länder sind die Bewertungen der Stabilität und des Erfolgs nach Meinung der russischen Bevölkerung wesentlich geringer. Rekordhalter hinsichtlich einer Zunahme der positiven Bewertungen für die Stabilität und den Erfolg seitens der Bürger Russlands wurde Usbekistan. Während im Jahr 2010 nur drei Prozent der befragten Russen über Erfolge dieses Landes bei den Befragungen sprachen, sind es heute bereits 17 Prozent.
Bemerkenswert ist, dass man die hohen Rekordbewertungen für die Stabilität und den Erfolg Weißrusslands bei weitem nicht immer mit makroökonomischen Parametern erklären kann. So liegen beispielsweise die Werte für das Bruttoinlandsprodukt in Bezug auf die Kaufkraftparität oder hinsichtlich des Wechselkurses für Weißrussland um fast ein Drittel unter denen von Kasachstan. Jedoch sind in der Vorstellung der Bürger Russlands diese Werte des BIP pro Kopf der Bevölkerung überhaupt keine Hauptparameter für Stabilität und Erfolg.
Die Durchschnittslöhne und -gehälter in Weißrussland und Kasachstan decken sich fast und machen rund 990 Dollar im Monat aus. Die Renten in Kasachstan decken sich fast genau mit den russischen (umgerechnet in Rubel) und liegen auf einem Stand von etwas mehr als 25.000 Rubel im Monat. Dabei sind die Renten in Weißrussland um etwa 3000 Rubel höher als in der Russischen Föderation oder in Kasachstan.
Die direkte Frage dazu, ob es besser sei, in Weißrussland als im heutigen Russland zu leben, stellen die Soziologen nicht. Ja, und auch die offizielle Statistik fixiert keine explosionsartige Emigration nach Weißrussland. In der Bruderrepublik haben rund 100.000 Bürger Russlands eine Aufenthaltsgenehmigung. Obwohl das Interesse für ein Übersiedeln in das Nachbarland offenkundig im Zusammenhang mit den zunehmenden Verboten für das mobile Internet oder für Internet-Services in der Russischen Föderation zunehmen wird.
Laut Angaben der weißrussischen Kataster-Dienste sind im März dieses Jahres unter Beteiligung von Bürgern Russlands 126 Verträge über einen Erwerb von Wohnungen in Minsk registriert worden, meldet die russische Presse. Bürger der Russischen Föderation haben in den letzten Monaten in Minsk gewöhnlich 30 bis 50 Wohnungen gekauft. Folglich kan man die März-Zunahme als eine recht spürbare ansehen. Obgleich Spezialisten auf dem Gebiet der Immobilien daran erinnern, dass etwa genau so viele Immobilien-Verträge Bürger Russlands beispielsweise in der Türkei, in Irland oder in Georgien abschließen.
„Ich denke, dass der massenhafte Erwerb von Wohnungen durch Bürger Russlands in Minsk eine völlig normale Situation ist, denn eine große Anzahl internationaler Märkte sind geschlossen worden. Und unsere Bürger wollen irgendeinen Wohnraum, eine Datsche oder Wohnung irgendwo fern jener Orte haben, wo sie sich daran gewöhnt haben zu leben. Ich denke nicht, dass dies eine massenhafte Migration ist“, erklärte der Staatsduma-Abgeordnete Andrej Swinzow (LDPR) gegenüber dem Internet-Portal www.gazeta.ru.
Generelle Verbote für mobile Fernmeldeverbindungen oder Internet-Services unterstützt allem nach zu urteilen der Präsident Weißrusslands Alexander Lukaschenko nicht. Aber für das Business sind ab diesem Jahr in den populären sozialen Netzwerken Restriktionen eingeführt worden.
Im Innenministerium Weißrusslands teilte man mit, dass die sozialen Netzwerke keine Handelsplattform oder ein Laden seien. Ein Handel in Messenger-Diensten ist in Weißrussland verboten. Ein legaler Internet-Shop muss eine Internetseite in der Domain-Zone BY haben, die gleichfalls in einem entsprechenden Register registriert sein muss. Der Internet-Shop kann einen eigenen Account in irgendeinem sozialen Netzwerk haben. Doch in der Beschreibung des Profils müssen unbedingt die Erfassungsnummer des Zahlers, die Rechtsanschrift und Angaben zur Registrierung ausgewiesen werden.
P. S.
Am Donnerstag informierte die russische Nachrichtenagentur Interfax, dass die meisten Bürger Russlands (79 Prozent) Weißrussland für ein Land halten, mit dem Russland gegenwärtig die nächsten und besten freundschaftlichen Beziehungen unterhält. Dabei berief sich die Agentur auf Angaben der Stiftung „Öffentliche Meinung“. Im Rahmen einer Befragung, die vom 10. bis 12. April unter 1500 Personen im Alter ab 18 Jahren durchgeführt wurde, ermittelten die Soziologen dieses analytischen Zentrums, dass nach Weißrussland China als zweites Land genannt wurde, mit dem Russland engste freundschaftliche Beziehungen unterhält (61 Prozent). Weiter folgen Indien (34 Prozent), Kasachstan (31 Prozent) und der Iran (22 Prozent). Auf die Nachfrage, mit welchem der Länder eine Zusammenarbeit derzeit für die russische Wirtschaft am nützlichsten sei, ergab sich folgendes Bild. An erster Stelle lag China, das von 59 Prozent der Befragten genannt wurde, weiter folgten Weißrussland (46 Prozent), Indien (26 Prozent), Kasachstan (21 Prozent) und die Türkei (13 Prozent).