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Wecke in den sozialen Netzwerken nicht das „Tier“


Journalisten haben mehrere Fälle entdeckt, in denen Bürger Russlands aufgrund eines Postens von Symbolen des Satanismus, der in der Russischen Föderation verboten und als eine extremistische Bewegung gelabelt wurde, in sozialen Netzwerken und aufgrund deren Verwendung in Tattoos zur Verantwortung gezogen worden sind. Unter solchen (satanistischen) Zeichen wird auch die Zahl 666 ausgewiesen, in der laut der Offenbarung des Johannes (13,17-18) die „Zahl des Tieres“ verschlüsselt worden sei, das in diese Welt kommen werde, damit sich die Menschheit von Gott abwende. So hatte man auch bereits Bürger aufgrund eines Pentagramms, d. h. einer besonderen Darstellung eines fünfzackigen Sterns, und aufgrund eines umgekehrten Kreuzes bestraft.

Jedoch haben Vertreter der Russischen orthodoxen Kirche mehrfach erläutert, dass die drei Sechsen außerhalb des Kontextes einen gläubigen Menschen nicht in Angst versetzen sollten. Aus der Sicht von Professor Alexej Osipow von der Moskauer Geistlichen Akademie sei das Manipulieren mit dieser Zahl eine Erscheinung von Magismus und Heidentum. „Alle heidnischen mystischen Zeichen (Zahlen, Wörter, Darstellungen, Beschwörungsformeln, magische Handlungen, Hexerei usw.) haben an und für sich, ohne ein Glauben an ihre Relevanz keinerlei Kraft und Macht über einen Christen“, schrieb der Professor. Die Erläuterung von Osipow war vor langer Zeit vorgenommen worden, zu Zeiten, aös sich radikale und marginale Gruppen geweigert hatten, eine Steuerzahler-ID und einen Pass der Russischen Föderation ausstellen zu lassen, denn man hatte in ihren Codes die drei Sechsen ausgemacht. Damals bekämpften der Staat und offizielle Persönlichkeiten der Russischen orthodoxen Kirche die Verbreitung derartiger destruktiver Anschauungen.

Jetzt aber suchen bereits Rechtsschützer nach Anzeichen für eine Zugehörigkeit zu extremistischen Bewegungen. Wahrscheinlich ist es nicht so einfach, einen realen Vollzug grausamer Rituale auszumachen. Daher ist das Hauptaugenmerk auf den Inhalt der sozialen Netzwerke und das äußere Aussehen der Bürger gerichtet. Dabei ergibt sich die Frage nach der Angemessenheit einer Bestrafung für die jeweilige Tat. Bisher haben die bekannten Fälle des Feststellens antichristlicher Symbole zu (Geld-) Strafen geführt. Es ist wichtig, dass man nicht beginnt, für derartige Sachen, die oft nur von einem Bekenntnis des jeweiligen Menschen zu einer Underground-Ästhetik und nicht zu destruktiven okkultistischen Gruppen zeugen, strenger zu bestrafen. Bekannt sind schon Beispiele von Strafverfahren, die auf Einträgen oder Likes in den sozialen Netzwerken basieren. Diese Erscheinung hat man sogar als „Repost-Recht“ apostrophiert.

Einen Eintrag in einem sozialen Netzwerk kann man löschen, obgleich Fälle bekannt sind, bei denen man Personen auf der Grundlage von Screenshots schon längst entfernter Publikationen wegen einer Veröffentlichung extremistischer Symbole zur Verantwortung gezogen hat. Weitaus schwieriger ist es, sich von Tattoos zu trennen. Ein zum ersten Mal bestrafter Träger der jeweiligen Darstellung muss sie sofort entfernen, andernfalls kann die Bewahrung der Zeichen auf dem Körper als eine dauerhafte Rechtsverletzung gewertet werden. Es drängen sich da Parallelen zu Symbolen einer anderen extremistischen Bewegung auf, die mit der Gefängnis-Subkultur verbunden ist. Allein die Tatsache des Vorhandenseins solcher Darstellungen wird zum Grund für eine strafrechtliche Verfolgung der jeweiligen Person aufgrund der Einnahme einer hohen Stellung in der kriminellen Hierarchie.

Es ergibt sich auch ein Problem hinsichtlich klarer Definitionen. Ein Pentagramm kann beispielsweise spezifisch aussehen, doch es gibt auch solche Arten seiner Darstellung, die man leicht mit der sowjetischen Symbolik verwechseln kann. Schließlich ist nicht zufällig unter den Klerikern ein Vorurteil gegen den roten Stern verbreitet. Einige Gläubige teilen Verschwörungstheorien über die Verbindungen des Bolschewismus und Okkultismus. Aber solch eine Meinung verletzt die Gefühle anderer Bürger – jener, die sich mit Pietät gegenüber den Symbolen der Zeiten der UdSSR verhalten.

Es ergibt sich eine logische Kollision: Die sich einer Demonstration extremistischer Zeichen schuldig gemachten Personen ermittelt und bestraft der Apparat der Rechtsschutz- und Sicherheitsorgane des Staates. Derweil ist es in der christlichen Exegetik (Exegese) üblich, die Auffassung zu vertreten, dass die drei Sechsen im Kontext der Offenbarung (des Johannes) die absolute Bekenntnis zu den materiellen Wohltaten und zu einer starken weltlichen Macht zum Ausdruck bringen. Denn gerade solch eine Anzahl von Talenten Gold hatte der biblische König Salomo für die Staatskasse erhalten (Altes Testament, 1. Könige 10,14). Das Evangelium berichtet, wie der Satan Christus in der Wüste durch eine mögliche Weltherrschaft in Versuchung zu bringen suchte. Jesus wies die Versprechungen des Feindes des Menschengeschlechts zurück. Und im 21. Jahrhundert stellt sich nun auf einmal heraus, dass die Christen, um sich von der Versuchung des Bösen zu lösen, einen Schutz der Starken dieser Welt brauchen.