Am 29. April hatte Russlands Präsident Wladimir Putin in einem Telefonat mit dem amerikanischen Staatsoberhaupt Donald Trump die Bereitschaft signalisiert, eine Feuerpause mit der Ukraine zu Ehren des Tages des Sieges zu verkünden. „Trump unterstützte aktiv diese Initiative“, informierte Jurij Uschakow, der außenpolitische Berater des russischen Präsidenten. Nach dessen Aussagen, hätte Trump betont, dass „dieser Feiertag unseren gemeinsamen Sieg über den Nazismus im Zweiten Weltkrieg symbolisiert“.
In den Abendstunden des 4. Mai folgte nun eine entsprechende Erklärung des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation, die nicht nur auf der offiziellen Internetseite, sondern auch im Kanal des Ministeriums im russischen staatlichen Messenger-Dienst MAX um 20.15 Uhr Moskauer Zeit veröffentlicht wurde. Auffällig ist, wie scharf dabei auch auf die Aussagen des Präsidenten der Ukraine Wladimir Selenskij reagiert wurde, die in den Vormittagsstunden des gleichen Tags in Jerewan zu vernehmen waren. Konkret hatte Selenskij gesagt: „Russland hat eine Parade am 9. Mai angekündigt. Aber auf dieser Parade wird es keine militärische Ausrüstungen geben. Dies wird erstmals, wenn dem wirklich so ist, seit vielen, vielen Jahren der Fall sein, dass sie sich keine Präsenz von Waffen auf der Parade erlauben können. Aber ukrainische Drohnen können gleichfalls bei dieser Parade fliegen“, betonte er. Nach seinen Worten demonstriere dies, dass die Russen schon nicht mehr so stark seien wie früher. Daher müsse man weiter mit Sanktionen auf sie Druck ausüben. Bei seinem Auftritt vor den Teilnehmern des VIII. Gipfeltreffens der Europäischen Politischen Gemeinschaft erklärte er gleichfalls, dass der Sommer zu jenem Moment werde, an dem der „russische Diktator Wladimir Putin“ entscheiden werde, was weiter tun – diesen Krieg auszudehnen oder zu diplomatischen Wegen überzugehen, wobei Selenskij unterstrich, dass man den Kremlchef in Richtung der Diplomatie drängen müsse.
Die Redaktion „NG Deutschland“ hat eine Übersetzung der Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums vorbereitet:
„Entsprechend der Entscheidung des Obersten Befehlshabers der Streitkräfte der Russischen Föderation W. W. Putin wird am 8. und 9. Mai 2026 eine Waffenruhe zu Ehren der Feiern des Sieges des Sowjetvolkes im Großen Vaterländischen Sieg verkündet.
Wir rechnen damit, dass die ukrainische Seite diesem Beispiel folgt.
Zur gleichen Zeit haben wir die Aufmerksamkeit auf die Erklärung gelenkt, die der Chef des Kiewer Regimes in Jerewan beim Gipfeltreffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft abgegeben hat und in der Androhungen der Führung eines Schlags gegen Moskau gerade am 9. Mai enthalten sind.
Durch die Streitkräfte der Russischen Föderation werden alle notwendigen Maßnahmen für die Gewährleistung der Sicherheit der Festveranstaltungen ergriffen.
Im Falle von Versuchen des Kiewer Regimes, seine verbrecherischen Pläne zwecks Vereitelung des Feiern des 81. Jahrestages des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg zu realisieren, werden die Streitkräfte der Russischen Föderation einen Gegen-, einen massiven Raketenschlag gegen das (Stadt-) Zentrum von Kiew führen.
Russland hat sich ungeachtet der bei uns bestehenden Möglichkeiten aus humanitären Erwägungen früher solcher Handlungen enthalten.
Wir warnen die Zivilbevölkerung Kiews und Mitarbeiter der ausländischen diplomatischen Vertretungen vor der Notwendigkeit, rechtzeitig die Stadt zu verlassen“.
Die nun für den 8. und 9. Mai angekündigte Feuerpause im Verlauf der militärischen Sonderoperation Russlands in der Ukraine ist die zweite in diesem Jahr. Die erste war für 32 Stunden aus Anlass des orthodoxen Osterfestes (von 16.00 Uhr des 11. April bis 24.00 Uhr des 12. April) erklärt worden, obgleich beide Seiten einander einer Nichteinhaltung der Oster-Waffenruhe bezichtigten und entsprechende Zahlen von entsprechenden Angriffen verbreiteten.
Derweil laufen die letzten Vorbereitungen zur Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau, die in diesem Jahr mit weniger Marschblöcken, keiner über den Platz rollenden Gefechtstechnik und mit einer „abgespeckten“ Flugschau etwa 50 Minuten dauern wird, wenn man sich das Fernsehprogramm des russischen Fernsehkanals Channel 1 anschaut. Ab dem 5. Mai und bis einschließlich 9. Mai gelten massive Einschränkungen für das mobile Internet und das Versenden von SMS, über die am Montag alle großen Betreiber mobiler Fernmeldenetze ihre Abonnenten in Moskau und im Moskauer Gebiet per SMS informierten. In den Abendstunden teilte so beispielsweise MTS mit: „In der Zeit der Vorbereitung und Durchführung der Festveranstaltungen ab dem 5. bis einschließlich 9. Mai sind in Moskau und im Verwaltungsgebiet Moskau zeitweilige Einschränkungen des mobilen Internets und für SMS möglich. Im Zusammenhang damit können sich Schwierigkeiten für den bargeldlosen Zahlungsverkehr, bei der Nutzung von Bankautomaten und mit den Geo-Services ergeben. Wir empfehlen, das häusliche Wi-Fi zu nutzen. Wir bitten für die möglichen Unbequemlichkeiten um Entschuldigung“.