Die USA erheben Anspruch auf die Rolle eines Schlüssel- und möglicherweise auch eines alleinigen Entwicklers von Lagerstätten seltener Erdmetalle in Kasachstan. Das vereinigte Unternehmen Kaz Resources bereitet sich vor, zu einem strategischen Lieferanten kritisch wichtiger Rohstoffe für den amerikanischen Markt zu werden. Eine besondere Nuance verleiht dem Projekt die Beteiligung der Söhne des US-Präsidenten, Donald Trump Junior und Eric Trump, am Kapital des Unternehmens. Vor dem Hintergrund der jüngsten Erklärung des Hausherrn des White House Donald Trump über die Bereitschaft, aufgrund seltener Erdmetalle „überall hinzugehen“, prognostizieren Experten, dass zum nächsten Ziel der amerikanischen Expansion in Zentralasien Kirgisien werde.
Hinter dem großangelegten Vorhaben zur Förderung von Wolfram in Kasachstan ist eine Spur von Söhne des US-Präsidenten Donald Trump ausgemacht worden. Die Geschichte entwickelte sich entsprechend den klassischen Kanons für große Investitionen: Zuerst waren Donald Junior und Eric Trump in das Bauunternehmen Skyline Builder über Investitionsberater aus Dominari Securities (mit Hauptquartier im New Yorker Trump Tower – Anmerkung der Redaktion) eingestiegen.
Später unternahm Skyline einen Sprung in die Bergbau-Branche, indem 20 Millionen Dollar in die Tochterstruktur der Gruppe „Cove Capital“ investiert wurden, die gerade die Erschließung der größten, aber bisher unberührten Wolfram-Lagerstätte in Kasachstan plante. Darüber hatte die „Financial Times“ berichtet.
Dieses Projekt kann schwerlich als ein gewöhnliches bezeichnet werden. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat es mit der beeindruckenden Summe von 1,6 Milliarden Dollar unterstützt, wobei Wolfram als eine kritisch wichtige Ressource anerkannt wurde. Im Ergebnis einer Fusion von Skyline und der Strukturen von „Cove Capital“ entstand das Unternehmen Kaz Resources. Gegenwärtig befindet es sich im finalen Stadium der Vorbereitung für einen Gang zur amerikanischen Börse Nasdaq, womit die Verbindung zwischen dem politischen Establishment der USA und Ressourcen Kasachstans verstärkt wird.
Laut einer auf der Internetseite von Kaz Resources veröffentlichten Pressemitteilung hat das Unternehmen erklärt, dass auf dem Weltmarkt der seltenen Erdmetalle ein neuer starker Player im Ergebnis der Unternehmen Skyline Builders und Cove Kaz Capital Group aufgetaucht sei, der die Schaffung einer „Mineralien-Brücke“ zwischen Kasachstan und den USA zu seiner Aufgabe macht. Die Ambitionen von Skyline erstrecken sich weiter über die Grenzen einer Förderung von Wolfram hinaus: Das Unternehmen beabsichtigt, den Bedarf der Vereinigten Staaten an seltensten Elementen – angefangen mit Lithium bis hin zu Rubidium – zu decken. Außerdem heißt es in der Erklärung, dass dem Deal zur Vereinigung des Business gleichfalls noch ein amerikanisches Unternehmen beitreten werden – KAZ Critical Minerals, das 15 Lizenzen in Kasachstan besitzt.
Zur Grundlage des Deals wurde der Erwerb von 70 Prozent des Tochterunternehmens des kasachischen Bergbau-Konzerns „Tau-Ken Samruk“ — der TOO „Nord-Katpar“ -, das Lizenzen für zwei Lagerstätten im Verwaltungsgebiet Karaganda – für „Nord-Katpar“ und „Obere Kairakty“ — besitzt. Diese Abschnitte bilden eine der weltweit größten Wolfram-Lagerstätten mit Vorräten von über 410.000 Tonnen. Die geplanten Investitionen für das Vorhaben werden mit 1,1 Milliarde Dollar beziffert.
Laut Schätzungen der Weltbank besitze Kasachstan einen beeindruckenden Fonds von mehr als 5000 unerforschten Lagerstätten, deren Gesamtwert mehr als 46 Billionen Dollar ausmache. Nach Aussagen von Industrie- und Bauminister Kanat Scharlapajew, würden gegenwärtig Sucharbeiten an zwölf Abschnitten inklusive „Kuirektykol“ im Verwaltungsgebiet Karaganda, wo die Vorräte an Metallerzen auf 935.400 Tonnen mit einer Prognose für das Erreichen von einer Million Tonnen geschätzt werden, erfolgen. Laut Prognosen von Experten werde die erfolgreiche Organisation eines kompletten Industriezyklus – von der Förderung bis zur Herstellung von Fertigerzeugnissen – dem Sektor der seltenen Erdmetalle erlauben, dem Land 7,1 Prozent des BIP zu erbringen, was mit den aktuellen Einnahmen durch Erdöl und Gas – 7,3 Prozent der BIP – vergleichbar ist.
Die strategische Prioritäten Washingtons liegen auf einer anderen Ebene. Neben einem Schutz der nationalen Interessen ist die Trump-Administration bestrebt, den geopolitischen Einfluss von Peking zu nivellieren, indem alternative Lieferketten für seltene Erdmetalle geschaffen werden. Die Situation wird dadurch erschwert, dass die Volksrepublik China zum gegenwärtigen Zeitpunkt den Status eines Monopolisten auf dem Gebiet der Gewinnung und des Verbrauchs von Wolfram bewahrt. Für die USA steht diese Frage besonders akut: Nach der Einstellung der eigenen Förderung im Jahr 2015 geriet das Land in eine kritische Abhängigkeit vom chinesischen Export.
Wie Dmitrij Orlow, der Generaldirektor des analytischen Zentrums „Strategie Ost-West“, der „NG“ sagte, habe allein die Tatsache des Vorhandenseins seltener Erdmetalle und von anderen seltenen Elementen in den Tiefen Kasachstans solange keinen Wert, solange nicht deren Verarbeitung organisiert worden ist. Ohne Fabriken würden die Erklärungen über den Reichtum lediglich politische bleiben. Als Hauptproblem bezeichnet Orlow, dass es „lange und teuer“ sei. Der Prozess von der Entdeckung einer Lagerstätte bis zum Beginn der Förderung kann 10 bis 15 Jahre in Anspruch nehmen, während die Regionen schon jetzt Geldbrauchen.
Der Analytiker und CEO Quentin Lamarche der in Genf ansässigen TechMet Supply Chain Management SA betonte gleichfalls, dass die Verwandlung dieser reichen Vorräte in eine funktionierende Produktion eine Frage gewaltiger Geldsummen und vieler Jahre einer hartnäckigen Arbeit sei.
Für Trump aber gilt aber seiner Erklärung nach zu urteilen: „Für seltene Erdmetalle werden wir überall hingehen“. Die Länge der Zeitspanne von der Förderung bis zur Verarbeitung sei kein Problem.
Zentralasien verwandelt sich einen entscheidenden Knotenpunkt des globalen technologischen Wettrennens. Wie im Verlauf einer Rundtischdiskussion des in Bischkek ansässigen Zentrums für Experteninitiativen „Oy Ordo“ der Experte Murat Beyschenow betonte, seien die seltenen Erdmetall heute ein „neues Erdöl“, das Fundament für den Verteidigungs- und Weltraumsektor. Während Kasachstan den Vorteil des ebenen Reliefs für eine leichte Förderung nutze und Usbekistan ein ambitiöses Modernisierungsprogramm mit einem Wertumfang von drei Milliarden Dollar realisiere, wobei es die Schaffung eines geschlossenen Zyklus für die Verarbeitung anstrebe, beginne Kirgisien erst seinen Weg.
Nach Meinung des Präsidenten des Industriellen- und Unternehmerverbands Kirgisiens, Danil Ibrajew, seien die gegenwärtige Position Washingtons und dessen Handlungen eine zwiespältige Frage aus der Sicht des Einflusses auf die Länder Zentralasiens. „Ich bin aber davon überzeugt, dass nach Kirgisistan Investoren kommen werden, die nicht nur ihr Kapital dank der Förderung unserer Ressourcen vermehren, sondern auch Initiativen zur Schaffung eines Industriepotenzials in unserem Land durch die Errichtung von Verarbeitungsbetrieben verwirklichen werden, damit die geförderten Ressourcen nicht in Form von Rohstoffen ausgeführt werden, sondern einen Mehrwert erlangen. Dafür aber sind qualifizierte Arbeitskräfte, eine Energiewirtschaft und natürlich eine günstige Situation in unserem Land notwendig“, resümierte Ibrajew.