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Über die Abhängigkeit von westlichen Technologien und die Besorgnis der Geheimdienste


Der Direktor des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, Alexander Bortnikow, hat dieser Tage in Moskau erklärt, dass die kürzliche Liquidierung von Vertretern der höchsten Führung des Irans durch die USA und Israel ein besorgniserregendes Signal sei, da „die Koordinaten des Aufenthaltsortes der Opfer unter anderem durch Software-Programme in Systemen des Videomonitorings in Teheran erhalten worden waren“. Zuvor hatte die britische Zeitung „The Financial Times“ unter Berufung auf ihre Quellen geschrieben, dass die israelische Aufklärung mehrere Jahre lang Videobeobachtungskameras auf Straßen von Teheran gehackt hätte, um in Erfahrung zu bringen, wo sich die Spitzenvertreter des Irans befinden und einen Schlag gegen sie vorzubereiten. Der 74jährige Bortnikow sagte, dass „es Sinn macht, über die Ursachen für solch ein lebhaftes Interesse der Westler für ein forciertes Implementieren ihrer digitalen Neuerungen in strategisch wichtigen Wirtschaftsbereichen der GUS-Länder nachzudenken“.

Nachrichtenagenturen zitieren bereits Meinungen von Experten, die die Begründetheit dieser Befürchtungen bestätigen. Gegenüber der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS sprach sich beispielsweise der Spezialist für technische und Informationssicherheit Sergej Truchatschjow aus. Er betonte, dass in den Schlüsselbranchen sehr viele ausländische Prozessoren und Software genutzt werden. Anders gesagt: Die gegenüber Russland unfreundlichen Staaten können in überaus wichtige Systeme eindringen, darunter auch in für die Sicherheit der Russischen Föderation verantwortliche, dank installierter Software und Chips. Es macht Sinn hinzuzufügen, dass die Spitzenvertreter der russischen Geheimdienste schon lange darüber sprechen, dass man die staatlichen Einkäufe ausländischer Software einschränken müssen – eben aufgrund dieser Sicherheitserwägungen.

Wenn hochrangige Vertreter aus den Geheimdiensten sagen, dass es Sinn mache, sich über etwas Gedanken zu machen, bedeutet dies nicht selten, dass man sich nicht einfach Gedanken machen, sondern auch etwas tun muss. Dies ist eine gestellte Aufgabe. Die Frage ist, wie sie zu lösen ist. Die offenkundige Antwort ist (die gibt man in allen staatlichen Organen), die ausländische Software, die ausländischen Chips und ausländischen Technologien für eine künstliche Intelligenz durch russische, durch bewährte, gebilligte und empfohlene zu ersetzen. Das Problem besteht darin, dass es keine solchen Technologien gibt. Oder: Sie decken auf jeden Fall nicht den Bedarf des riesigen Landes mit einer modernen Wirtschaft, mit großen Städten und einem gigantischen bürokratischen Apparat. Die technologische Souveränität ist eine ungelöste Aufgabe. So war es, als ein Austausch von Ideen und Technologien frei erfolgte. Und dies wird auch jetzt, nach dem Jahr 2022 fortgesetzt (freilich nicht ohne Probleme und Schwierigkeiten – Anmerkung der Redaktion). Je diffiziler ein Gadget, desto größer die Abhängigkeit von Importen.

Wie kann aber dann das Problem gelöst werden? Radikale Schritte führen zu Absurdem. Wenn man nicht vollkommen einer Technologien vertrauen kann, wenn man in jeglicher Innovation böse Absichten der Gegner auszumachen meint, so muss man simpel auf vieles verzichten. Zum Beispiel auf das Internet oder überhaupt auf ein Speichern von Daten auf den Computern in den Staatsorganen. Schreibmaschinen, Sekretäre mit Aktenmappen, ein strenges Einlasssystem – all dies wird erlauben, Daten von besonderer Wichtigkeit zu schützen. Man kann auch auf Videobeobachtungskameras in den Städten verzichten, wenn der Feind durch sie die Bewegungen hochrangiger Staatsbeamte verfolgen kann. Dies führt automatisch zu einer Zunahme der Kriminalität. Verringert aber zweifellos die Abhängigkeit vom Westen. Man kann diesen Gedanken bis zu einer Endlosigkeit entwickeln – auf mobile Fernmeldeverbindungen verzichten, zu Haustelefonen zurückkehren, überhaupt die Fernmeldeverbindungen kappen, die Stromversorgung abschalten usw.

Mit diesen absurden Überlegungen muss man sich (leider) befassen, da der Staat in der Russischen Föderation gerade so die Prioritäten setzt – zuerst die Sicherheit, dann bereits der Komfort des modernen Lebens und günstige Bedingungen für eine moderne Wirtschaft. Es ist einfacher, die Gesellschaft von der Notwendigkeit solch einer Hierarchie zu überzeugen, wenn die Bedrohung offenkundig ist (beispielsweise anfliegende Drohnen). Eine freiwillige technologische Degradierung und ein Verzicht auf Bequemlichkeiten sind in der Lage zu helfen, in einer kurzfristigen Perspektive die Sicherheit zu gewährleisten. Doch die Gesellschaft an sich, sie hört dabei nicht einfach auf sich zu entwickeln, sondern sie sackt um mehrere Stufen ab, erweist sich wieder in jener Entwicklungsphase, in der gewöhnliche Sachen und Wohltaten zu einem Luxus werden.