Der Auftritt von „Rosneft“-Chef Igor Setschin beim in der vergangenen Woche erfolgten Internationalen Petersburger Wirtschaftsforum befindet sich nach wie vor im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit vieler Medien. Wie der Journalist Dmitrij Marokko in einer Sendung des staatlichen Fernsehkanals „Rossia 24“ betonte, habe der Auftritt besonderes Interesse in Indien ausgelöst, dass in dem Auftritt als einer der stabilsten Partner Russlands erwähnt worden war.
In seinem Auftritt unter dem Motto „Ein Beginn des Endes oder ein Ende des Anfangs: Was ist auf dem Boden der Büchse der Pandora geblieben?“ hatte Igor Setschin die gegenwärtige geopolitische Situation und die Lage auf dem internationalen Energiemarkt analysiert und über die Perspektiven Russlands berichtet. Ein erheblicher Teil des Auftritts galt dem Zustand des Energiemarktes. Unter anderem wurde einer der Hauptfaktoren erörtert, der seine Instabilität verursachte – der Konflikt im Nahen Osten. Die Blockade der Straße von Hormus hat nicht nur für Erdöl- und Gaslieferungen Risiken geschaffen, sondern auch für die Lieferungen von Düngemitteln, was zu einem Ansteigen der Lebensmittelpreise führt. Nach Aussagen Setschins sei China am besten auf diese Situation dank eines ausgewogenen Herangehens an die Energiesicherheit vorbereitet gewesen. Es habe aktiv die Stromerzeugung diversifiziert, wobei es weder auf die traditionellen Quellen noch auf AKWs und auf die sogenannte grüne Energiewirtschaft verzichtet.
In seinem Auftritt hatte Igor Setschin neben China auch Indien hervorgehoben, was die Aufmerksamkeit der dortigen Massenmedien ausgelöst hatte. „Vor dem Hintergrund der sich vollziehenden Ereignisse im globalen Ölsektor garantiert die russischen Wirtschaftspartnerschaft mit China und Indien im Wirtschaftsbereich stabile Lieferungen in diese beiden Ländern. Die russischen Öllieferungen bringen unseren Partnern einen spürbaren wirtschaftlichen Nutzen. Seit April des Jahres 2022 hat sein gesamter Umfang für China und Indien 40 Milliarden Dollar überschritten“, teilte der Chef des russischen Ölkonzerns „Rosneft“ mit.
„Ihn zitieren solche Medien wie „Hindustan Times“ und „India Today“, betonte Dmitrij Marokko. „Heute ist die Wirtschaft dieses Landes eine der entscheidenden Triebkräfte für eine Zunahme des Stromverbrauchs. Es wird erwartet, dass er bis 2035 dort um 80 Prozent, fast bis 3000 Terawatt-Stunden zunehmen wird und fast mit dem Stand der Europäischen Union gleichziehen wird. Unter anderem wird der Erdölverbrauch acht Millionen Barrel am Tag erreichen. Dies ist ein Zunahme um 44 Prozent, während die gesamte weltweite Nachfrage nur um fünf Prozent zulegen wird“.
Laut Angaben der Internationalen Energieagentur werde die Zunahme der Nachfrage nach Erdöl in Indien um das 3fach den weltweiten Durchschnittswert übertreffen. „Ich habe gehört, dass Igor Setschin von „Rosneft“ beim Internationalen Petersburger Wirtschaftsforum betonte, dass der tägliche Erdölverbrauch in Indien acht Millionen Barrel am Tag ausmachen werde. Gegenwärtig liegt er bei rund 5,5 Millionen (Barrel). Wenn man weiter über Russland spricht, so ist unser Import aus ihm bis um 38 Prozent gestiegen. Im Februar machte er über 1,5 Millionen Barrel am Tag aus. Jetzt ist der Wert bis auf etwa 2 bis 2,5 Millionen angestiegen“, kommentierte Indiens Minister für Erdöl und Erdgas Hardeep Singh Puri.
Igor Setschin unterstrich gleichfalls, dass es unmöglich, Russland aus den weltweiten Lieferketten auszuschließen. Unser Land besitzt die weltweit größten Öl- und Gasreserven in einem Umfang von rund 60 Milliarden Tonnen im Erdöl-Äquivalent, was 14 Prozent des Weltumfangs ausmacht.
Und die Nachrichtenagentur Reuters lenkte das Augenmerk darauf, dass der „Rosneft“-Chef vor Anzeichen einer großen Blase auf dem Finanzmarkt im Zusammenhang mit den Investitionen für Hochtechnologien gewarnt habe. Unter anderem würden allein im Jahr 2026 die vier größten Technologie-Unternehmen rund 700 Milliarden Dollar in die Entwicklung der Rechner-Kapazitäten stecken würden, was einen erheblichen Teil der Ressourcen zum Schaden der übrigen Wirtschaft gebunden hat.
„Wir sehen, dass derzeit die größten internationalen Finanzkorporationen Gelder in neue Technologien, vor allem in die künstliche Intelligenz investieren“, sagte Valerij Andrianow, Dozent an der Finanzuniversität bei der Regierung der Russischen Föderation. „Dies führt aber nicht zu einer Zunahme der Arbeitsproduktivität und zu keiner Erhöhung der Effektivität der Wirtschaft. Wobei (entsprechende) Studien über einen recht langen historischen Zeitraum vorgenommen wurden. Und sie belegen, dass eben diese Investitionen faktisch zu keinerlei wirklich positiven Wirkung führen. Sie finden keinen Niederschlag in der realen Wirtschaft“.