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Russlands Hochschulen ziehen Studenten aus dem Ausland an


Im System der russischen Hochschulausbildung studieren derzeit laut Angaben der Regierung 400.000 Ausländer. Insgesamt sind dies für das Land rund acht Prozent aller Studenten. Wie eine Befragung der „NG“ zeigte, schwankt in Abhängigkeit von der Hochschule der Anteil der Ausländer unter den Studenten im Bereich von einem bis acht Prozent. Nach Russland kommen zwecks Erhalt von Wissen junge Menschen aus China, Indien, aus Ländern Afrikas, des Nahen Ostens sowie der GUS. Am Beispiel einzelner Hochschulen und Universitäten ist eine klare Verteilung der Interessen nach Ländern auszumachen: So wählen Studenten aus Afrika in den einen Hochschulen Richtungen aus, die mit der Energiewirtschaft, Infrastruktur und digitalen Lösungen verbunden sind, in anderen – mit der Landwirtschaft. Und die Studenten aus Zentralasien zieht es entweder zum Bau- und Transportwesen oder zu einer Industriekooperation und zur Wirtschaft.

Die russische Ausbildung ist in der Welt sehr populär… Heute studieren bei uns schon über 400.000 Studenten aus 180 Ländern“, teilte Vizepremier Dmitrij Tschernyschenko in einem Interview für die russische staatliche Nachrichtenagentur TASS mit. Laut Angaben des Ministeriums für Hochschulausbildung und Wissenschaft würden unter Berücksichtigung der Immatrikulationskampagne 2025/2026 im System der Hochschulausbildung über 4,8 Millionen Studenten studieren. Somit macht der Anteil der Ausländer insgesamt in der Russischen Föderation acht Prozent aus.

Ausländer können entsprechend Quoten der Regierung an russischen Hochschulen immatrikuliert werden. Die Jahresquote für Ausländer, die für ein Studium auf Kosten des russischen Staates immatrikuliert werden, beträgt seit dem Jahr 2023 30.000 Studienplätze.

Bürger Armeniens, Weißrusslands, Kasachstans, Kirgisiens, Moldawiens und Tadschikistan können auf den allgemeinen Grundlagen an russischen Hochschulen immatrikuliert werden. Begabte Studenten aus dem Ausland, die keine Möglichkeit besitzen, das Studium und den Aufenthalt selbst zu bezahlen, erhalten eine Unterstützung per kostenfreie Zuschüsse. Im laufenden Jahr können 3.000 Menschen mit Zuschüssen rechnen. Geplant ist, bis zum Jahr 2028 deren Anzahl bis auf 5.000 zu bringen.

Gleichzeitig damit ist durch Präsident Wladimir Putin dem russischen System der Hochschulausbildung die Aufgabe gestellt worden, bis zum Jahr 2030 die Anzahl der ausländischen Studenten bis auf 500.000 Menschen zu bringen.

Die Situation um die Gewinnung und Verteilung der Ausländer nach Studienrichtungen unterscheidet sich in Abhängigkeit von der Region und der Spezifik der Bildungseinrichtungen. Eine Befragung durch die „NG“ ergab ein breites Spektrum, in dem derzeit in den verschiedenen Hochschulen und Universitäten der Anteil der Ausländer unter allen Studenten zwischen einem und acht Prozent schwankt.

Wie der „NG“ Oleg Suliza, 1. Prorektor der staatlichen Vitus-Bering-Universität von Kamtschatka, erzählte, werden gegenwärtig in der Hochschule sechzehn ausländische Studenten – aus China, Indien, Syrien, Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisien – ausgebildet. Unter ihnen sind zehn im Rahmen eines Bachelor-Studiums, fünf in einem Magisterstudium und ein Student im Rahmen eines Fachschulausbildungsprogramms.

Die Dynamik ist eine stabile. „Im Oktober des Jahres 2023 waren es elf ausländische Studenten, ausschließlich aus Usbekistan und Kirgisien Und praktisch alle absolvierten ein Bachelor-Studium. Bis zum Oktober des Jahres 2024 blieb deren Anzahl bei elf, jedoch hatte sich die Geografie verändert: Es tauchten Studenten aus China auf, aber auch erste Magister-Studenten. Zum Oktober des Jahres 2025 nahm die Anzahl bis auf 19 zu. Die heutigen 16 sind ein aktueller Querschnitt unter Berücksichtigung des natürlichen Ausfalls im Verlauf des Studienjahres“, teilte Suliza mit.

Es sei präzisiert: Insgesamt studieren in der Universität etwa 1800 Studenten, das heißt, dass die Ausländer rund ein Prozent ausmachen.

In der Kamtschatka-Staatsuniversität wählen die Ausländer im Bachelor-Studium die angewandte Informatik, Sprachwissenschaften mit dem Profil einer interkulturellen Kommunikation und von Fremdsprachen, eine pädagogische Ausbildung – Englisch, Französisch, Informatik sowie Informations- und Kommunikationstechnologien, aber auch Rechtswissenschaften aus. Die Magister-Studenten befassen sich mit Biologie (Profil „Biologische Vielfalt und biologische Ressourcen“) und Vulkanologie mit Seismologie, wobei dieses Ausbildungsprogramm in zwei Sprachen – in Russisch und in Englisch – vermittelt wird. Noch ein Student mit einer Fachschulausbildung wählte den Bereich Tourismus und Gastfreundschaftlichkeit aus.

Die Leiterin der Abteilung für internationale Beziehungen der Sankt-Petersburger staatlichen Universität für Veterinärmedizin Jekaterina Ljutik berichtete der „NG“, dass es in ihr derzeit über 210 ausländische Studenten gebe.

Die Zunahme sei eine wesentliche. Denn noch vor ganz kurzer Zeit, im Jahr 2024, hatte es in der Hauptausbildung ganze elf Studenten gegeben, weitere 70 waren in der Vorbereitungsabteilung. Zum Vergleich: Insgesamt werden in dieser Hochschuleinrichtung rund 3000 Menschen ausgebildet (die Zahl schließt auch Doktoranden ein). Folglich entfallen derzeit etwa sieben Prozent auf die Ausländer.

Die Hauptländer, aus denen die Studenten kamen, sind Indien, China, Marokko, Tunesien, Algerien und andere Staaten Afrikas. Die Studenten aus Zentralafrika werden in erheblichem Maße mit Stipendien der Regierung der Russischen Föderation immatrikuliert.

Aufgrund der Spezifik der Hochschule ist der unbestrittene Spitzenreiter unter den Ausbildungsrichtungen die Veterinärmedizin. „Vor drei Jahren haben wir ein Programm für Veterinärmedizin in englischer Sprache gestartet. Es erwies sich unter den indischen Studenten als ein besonders gefragtes. Daneben haben wir (die Fachrichtungen) veterinär-sanitäre Gutachten, Aquakultur und Biologie. Gesondert macht es Sinn, über die Vorbereitungsabteilung zu sprechen: Dies ist das Null-Studienjahr, in dem die ausländischen Studenten die russische Sprache erlernen. Und ab dem zweiten Semester befassen sie sich mit Chemie, Physik und Biologie“, erläuterte Ljutik.

Nach Aussagen der Prorektorin für internationale Arbeit der Moskauer Polytechnischen Universität Julia Dawydowa würden heutzutage in dieser Hochschuleinrichtung über 2000 ausländische Studenten aus 79 Ländern studieren. (Somit macht derzeit der Anteil der ausländischen Bürger 8,5 Prozent aus.) Dies sind Vertreter unterschiedlichster Regionen – aus Süd- und Zentralasien, aus Afrika und dem Nahen Osten.

Und die Bedürfnisse hinsichtlich konkreter Spezialisierungen und Fachrichtungen werden gerade durch die Region bestimmt. „Südasien neigt zum Ingenieurwesen, zu IT, Agrar-Technologien, der Logistik und zum Unternehmertum. Zentralasien zum Bau- und Transportwesen, zur Industriekooperation. Die afrikanische Richtung, dies sind die Energiewirtschaft, Infrastruktur und digitale Lösungen. Den Nahen Osten interessieren Technologien für eine nachhaltige Entwicklung und die städtische Infrastruktur“, zählte Dawydowa auf.

Außerdem beteiligen sich die ausländischen Studenten aktiv an den produktorientierten Schulen der Hochschule, in denen man entsprechend den Richtungen von unbemannten Transportsystemen und Robotertechnik bis hin zur Spiele-Industrie und AI-Animation ausbildet.

Die Leiterin der Abteilung für internationale Zusammenarbeit der Kasaner staatlichen Agrar-Universität Swetlana Matwejewa nannte der „NG“ solche Zahlen: Mit Stand vom 1. Oktober vergangenen Jahres wurden in der Hochschuleinrichtung 905 Ausländer aus 47 Staaten ausgebildet – fast 14 Prozent aller Studenten (eine wesentliche Zunahme, da im Jahr zuvor deren Anteil neun Prozent ausgemacht hatte).

Den Stamm machen Studenten aus Ländern der GUS aus. Es führen Turkmenistan, Tadschikistan und Usbekistan. Aber daneben ist Afrika spürbar vertreten. Dies sind vor allem Kamerun, Algerien und die Republik Kongo. Es gibt gleichfalls Studenten aus dem Nahen Osten sowie aus Ländern Asiens und Lateinamerikas.

Im Rahmen der Studienrichtungen, die durch die Hochschule angeboten werden, sind am meisten die Tiermedizin, Agrarwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften gefragt. Wobei die Agrarwissenschaften unter anderem traditionell die Studenten aus der GUS und aus Afrika anziehen, die Wirtschaftswissenschaften – vorrangig Bürger aus Ländern des sogenannten nahen Auslands, berichtete Matwejewa. Einen Sonderplatz nimmt die Vorbereitungsfakultät ein. An der erlernen die Ausländer die russische Sprache und studieren die profilbestimmenden Disziplinen vor Beginn des eigentlichen Studiums. Ab kommenden September wird eine Verlagerung der Nachfrage in Richtung der neuen englischsprachigen Programme für Veterinärmedizin und Wirtschaftswissenschaften erwartet, die vor allem für Studenten aus dem fernen Ausland bestimmt sind.

Als Hauptinstrumente für die Gewinnung ausländischer Studenten für die russischen Universitäten nannten Experten den Start englischsprachiger Ausbildungsprogramme, die Einrichtung ausländischer Zentren für die Vorbereitung auf ein Hochschulstudium in Russland, die systematische Arbeit mit Recruiting-Agenturen, die Entwicklung von Internet-Ausbildungsformaten und gemeinsamer Programme mit ausländischen Universitäten, in deren Rahmen die ausländischen Studenten beispielsweise im ersten Jahr im Heimatland entsprechend dem Ausbildungsplan der jeweiligen russischen Hochschule unterrichtet werden, wobei sie parallel die russische Sprache erlernen und danach, ab dem zweiten Studienjahr nach Russland kommen.

P. S.

Derweil sei eine totale Hochschulausbildung für den Arbeitsmarkt in Russland nicht notwendig. Die sich über Jahrzehnte herausgebildete Massennachfrage nach Hochschulen würde nicht den realen Anforderungen der Wirtschaft entsprechen. Dabei sei aber eine Ausbildung für die persönliche Entwicklung des Menschen unabhängig von deren Niveau wichtig, erklärte am Donnerstag Russlands Minister für Hochschulbildung und Wissenschaft Valerij Falkow.

Es sei dabei nicht gut und nicht richtig, dass die über Jahrzehnte entstandene Nachfrage nach einer Hochschulausbildung praktisch jeglichen Abiturienten anziehe. Und er betonte, dass jetzt ein vernünftiges Ausbalancieren zwischen einer Berufsschulausbildung und einer Hochschulausbildung erfolge. „Es besteht kein solcher Bedarf an einer totalen Hochschulausbildung. Aus der Sicht des Arbeitsmarktes besteht an ihr kein Bedarf“, sagte Falkow in Moskau beim internationalen Forum HR EXPO PRO.