Der Patriarch von Jerusalem Theophilos III. könne zu einem Vermittler bei den Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine hinsichtlich der Frage nach einer Feuereinstellung werden. Darüber habe den Hierarchen angeblich US-Präsident Donald Trump bei einem Treffen im Weißen Haus am 4. Juni gebeten, meldete das Nachrichtenportal Ynet der israelischen Zeitung „Yedioth Ahronoth“.
Laut der Version dieses Mediums sei die Figur von Patriarch Theophilos III. vor allem ausgewählt worden, da er enge Kontakte mit Russland besitzt und sich anschicke, bis Ende Juni Moskau zu besuchen und sich mit dem Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin zu treffen. „Die Begegnung erfolgte vor dem Hintergrund der Versuche von Trump, eine Beendigung des Krieges zwischen Russland und der Ukraine zu erreichen, und dauerte rund 40 Minuten. Erörtert wurde unter anderem die Möglichkeit des Patriarchen, an der Schaffung eines Kanals für einen Dialog zwischen Moskau und Kiew teilzunehmen. Theophilos III. wird als eine Figur angesehen, der in beiden Ländern dank seinem Status in der christlich-orthodoxen Welt Vertrauen genießt. In der Vergangenheit nahm er bereits an Initiativen und Kontakten diplomatischer und humanitärer Art teil, darunter an Verhandlungen zur Befreiung der Israelin Naama Issachar (israelisch-amerikanische Frau, die 2019 in Russland festgenommen und zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt wurde, nachdem bei einem Transitaufenthalt in Moskau etwa 10 Gramm Haschisch in ihrem Gepäck gefunden wurden – Anmerkung der Redaktion)“, meldete das Nachrichtenportal.
Die offizielle Internetseite des Patriarchats von Jerusalem stellte die Ergebnisse des Gesprächs etwas anders dar. Theophilos III. habe sich in Washington mit Trump „für eine Erörterung des Schutzes einer wahren christlichen Präsenz im Heiligen Land und im Nahen Osten insgesamt“ getroffen. „Seine Heiligkeit zeichnete Präsident Trump mit dem Großen Kreuz des Ritterordens vom Heiligen Grab, einer der höchsten Auszeichnungen des Patriarchats von Jerusalem, aus, die große geistige Bedeutung besitzt“, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung auf der Internetseite.
Möglicherweise war das Thema einer Feuerpause zwischen Russland und der Ukraine nicht das hauptsächliche während des Gesprächs. Jedoch war gerade dieses für Trump zum interessantesten im Vorfeld des anstehenden Russland-Besuchs des Patriarchen geworden. Im Umfeld von Theophilos III. ist man der Auffassung, dass der amerikanische Präsident so anstrebe, einen bedeutsamen Fortschritt zumindest in einem der Konflikte in der Welt zu erreichen. Nach ihrer Einschätzung könne jegliches Vorankommen auf dem Ukraine-Track die strategischen Priuoritäten Washingtons auch in anderen Richtungen beeinflussen.
Das signalisierte Treffen von Theophilos III. mit Putin wird nicht das erste sein. Im Jahr 2013 war das Oberhaupt des Patriarchats von Jerusalem von Russlands Staatsoberhaupt in Sotschi empfangen worden, im Jahr 2019 im Kreml. Und im Januar 2020 nahm der Patriarch an einem Treffen des russischen Präsidenten mit Israels Premierminister Benjamin Netanyahu und der Mutter von Naama Issachar, die in einem der Moskauer Flughäfen festgenommen worden war, in Jerusalem teil.
In den letzten Jahren hat die internationale Rolle des Patriarchats von Jerusalem aufgrund des Abbruchs der eucharistischen Kontakte der Russischen orthodoxen Kirche und des Patriarchats von Konstantinopel zugenommen. Man kann sich jedoch schwer vorstellen, was Theophilos III. konkret als ein Friedensvermittler tun kann. Dies Mission gelang auch einflussreicheren Religionsvertretern nicht. Im Endergebnis hat der Heilige Stuhl vollkommen die Versuche einer politischen Vermittlung auf höchster Ebene aufgegeben und konzentrierte sich auf die humanitäre Diplomatie.