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Moldawien will die Handelsbeziehungen mit Russland abbrechen


Die Republik Moldowa will die bilateralen Handelsbeziehungen mit der Russischen Föderation und mit Weißrussland abbrechen. Dies erklärte Moldawiens Minister für Wirtschaft und Digitalisierung Eugen Osmochescu. Wie aber der Chef des Agrar-Industrie-Komplexes der Gagausien-Autonomie Sergej Ibrisim der „NG“ erzählte, sei in den Regalen der moldawischen Geschäften ein ganzes Spektrum von Erzeugnissen aus der Russischen Föderation. Und auf den Feldern – weißrussische Traktoren. Die moldawischen Unternehmen und Landwirte finden Wege für Lieferungen in die Russische Föderation.

„Die Offiziellen schmieden Pläne, die Menschen denken aber darüber nach, wie sie leben sollen. Und sie finden selbst Wege für Lieferungen von moldawischem Wein (in Tanks), Früchten und Gemüsen nach Russland und Weißrussland. Und in den moldawischen Läden gibt es heute ein ganzes Spektrum an Erzeugnissen aus der Russischen Föderation – Buchweizen, Milchprodukte usw. Freilich müssen, um dies zu uns zu bringen oder in die Russische Föderation geliefert zu werden, 4200 Kilometer (über mehrere Grenzen) überwunden werden“, berichtet der „NG“ der Leiter des Agrar-Industrie-Komplexes (AIK) der Gagausen-Autonomie Sergej Ibrisim.

Er betont, dass auf den moldawischen Feldern weißrussische Traktoren arbeiten würden, und Ersatzteile für diese würden regelmäßig eintreffen. Ibrisim hebt weiter hervor, dass auf den Feldern Moldawiens am 22. Juni die Ernte begonnen habe. Die Ernte sei keine schlechte. Das Frühjahr und der Sommerbeginn seien regnerische gewesen. Und die Pflanzen seien nicht verbrannt worden wie in den vergangenen vier Jahren. Wenn es eine Ernte gibt, wird man etwas zu verkaufen haben.

Nach Aussagen von Ibrisim gebe es am meisten ukrainische Erzeugnisse in den moldawischen Regalen. „Es ist erstaunlich, wie es die ukrainischen Landwirte zustande bringen, alles anzubauen, während es dort den Konflikt gibt. Aber sie tun dies und haben auch schon den Polen mit ihren Lieferungen „zugesetzt“. Sie haben selbst alles, doch die Ukrainer liefern weiterhin. Bei uns aber sind viele junge Menschen ins Ausland zum Arbeiten gegangen. Und jetzt kommen (daher) Einwanderer nach Moldawien – Pakistaner und Inder“, betont der Chef des AIK Gagausiens.

Dieser Tage gab der Minister für wirtschaftliche Entwicklung und Digitalisierung der Republik Moldowa, Eugen Osmochescu, bekannt, dass Kischinjow die Handelsbeziehungen mit Russland und Weißrussland abbrechen wolle, wobei er darauf verwies, dass auf diese zwei Länder um die sechs Prozent des Warenaustauschs der Republik entfallen würden. Im Verlauf von „Diskussionen mit Exporteuren von Agrarerzeugnissen aus der Republik Moldowa für den russischen Markt haben wir begriffen, dass dies (der Abbruch der Beziehungen – „NG“) keine Frage eines so großen Einflusses auf die moldawische Seite ist“, erläuterte der Minister.  Er bestätigte, dass Kischinjow den Wunsch habe, die bilateralen Handelsabkommen mit Minsk und Moskau zu lösen, um den Import aus diesen Ländern zu unterbinden. Von Brüssel würden aber die Moldawier in solch einem Fall eine Kompensation fordern: „Wir wollen (die Abkommen lösen – „NG“), aber in diesem Fall mit einer Unterstützung für die Unternehmer in der Republik Moldowa und der Exporteure auf die Märkte der Europäischen Union“.

„Das heißt, die Variante, nicht das Funktionierende kaputtzumachen, um danach niemanden um Hilfe zu bitten, wird von den Bessarabien-Rumänen prinzipiell nicht erörtert. Alles, was arbeitet, soll als wiedersprechendes vernichtet werden“, schrieb aus diesem Anlass die Zeitung „Moldau-Nachrichten“ („Moldawskije Vedomosti“).

Der Wirtschaftsexperte Veaceslav Ioniță legte eine Statistik vor, die nach seinen Worten anschaulich die Dysbalancen der moldawischen Wirtschaft wiedergeben würden. Ioniță erklärte, dass die Republik Moldowa endgültig die Lebensmittelunabhängigkeit verloren habe. Das Land habe den Status eines Exporteurs von Gemüse verloren. Ihr Import übersteige um das 15fache den Export, teilte der Wirtschaftsanalytiker in seiner allwöchentlichen Sendung mit.

„Das Defizit der Handelsbilanz in der Branche beträgt 115 Millionen Lei. Im Jahr 2025 importierte Moldowa eine Rekordmenge an Gemüse von 118.000 Tonnen, fast die Hälfte davon waren Kartoffeln. Nur 45 Prozent des Gemüses, das in den Handelsketten verkauft wird, stammt aus einheimischer Produktion. Die größten Mengen des Imports entfallen auf Kartoffeln, Tomaten und Gurken. Moldowa bewahrt nur in Bezug auf Zwiebeln, Knoblauch und Bohnen eine positive Handelsbilanz“, präzisiert Ioniță.

Die Inlandsproduktion kann bereits den Bedarf des Marktes nicht decken. „Während Moldowa von 2001 bis einschließlich 2005 mehr Gemüse erzeugte als verbrauchte, so machte in den Jahren 2021-2025 die durchschnittliche Jahresproduktion 260.000 Tonnen aus. Der Verbrauch überstieg aber 320.000 Tonnen“. Dabei „wird das von Moldowa exportierte Gemüse im Durchschnitt für 0,40 Dollar je Kilogramm verkauft, während das importierte rund einen Dollar kostet“.

Der Experte lenkte das Augenmerk auf den drastischen Rückgang in der Gemüseverarbeitungsindustrie, die früher ein Grundpfeiler der Wirtschaft gewesen war. „Früher produzierten wir rund zwei Milliarden Konservendosen im Jahr. Heute ist diese Branche praktisch verschwunden. Für ein Agrarland ist solch eine Situation eine traurige“. Es sei angemerkt, dass all diese Konserven Russland und Weißrussland gekauft hatten.

Nach Aussagen von Ioniță habe die Situation mit dem Gemüse und der Milch der Republik Moldowa einen kritischen Punkt erreicht. Nach Moldawien wird Milchpulver eingeführt, Und vor allem aus ihm stelle man auch das her, was in den Läden verkauft werde. Freilich, aus der Ukraine und aus Russland würden natürliche „Molkereiprodukte“ kommen, berichtete Sergej Ibrisim.

Der Botschafter der Republik Belarus in Moldawien Anatolij Kalinin (inzwischen ein früherer) hatte Medien im vergangenen Jahr erzählt, dass man aufgrund der Sanktionen der Europäischen Union keine weißrussischen Traktoren und Ersatzteile für sie, Bauteile für Oberleitungsbusse und viele andere, für die Wirtschaft Moldawiens wichtige Erzeugnisse aus Belarus nach Moldowa liefern könne. Kalinin hatte betont, dass der Part der Traktoren aus dem Minsker Traktorenwerk in Moldowa ein recht großer sei. Die weißrussischen Oberleitungsbusse der Holding „Belkommunmawsch“ würden gleichfalls einen würdigen Platz in Moldowa einnehmen. Allein in Kischinjow würden rund 300 solcher Fahrzeuge genutzt werden. Diese gesamte Technik brauche Ersatzteile, Bauteile, die EU erlaube aber keinen Transit nach Moldowa. „Wir haben versucht, diese Frage mit Hilfe unserer moldawischen Partnerunternehmen und der Industrie- und Handelskammer Moldowas, deren Führung ausgezeichnet versteht, wozu das Fehlen von Ersatzteilen für die Wartung der weißrussischen Technik führt, zu lösen. Für die Klärung dieser Frage ist jedoch eine Beteiligung der Regierung Moldowas notwendig. Aber wie ich bereits gesagt habe, wird von uns mit der Regierung Moldowas kein Dialog geführt. Und nicht aufgrund unseres Verschuldens“, betonte der Ex-Botschafter.

Nach Aussagen von Sergej Ibrisim würden jedoch die moldawischen Agrar-Erzeuger selbst Möglichkeiten und Wege für eine Lieferung von für die Technik notwendigen Ersatzteilen finden. „Freilich erfolgen die Lieferungen über andere Länder und unter Vermittlung benachbarter Länder. Wie auch die Erzeugnisse aus der Russischen Föderation. Buchweizen transportiert man beispielsweise in Frachtgutwaggons nach Moldowa. Und bereits hier packt man sie mit moldawischen Etiketten ab. Das Erzeugerland wird dabei ausgewiesen“, betonte der Chefagrarier Gagausiens. Und er merkte an: „All dies können Sie beim moldawischen Zolle erfahren. Da fixiert man alles“.