Die ukrainischen Häfen sind das Tor für den moldawischen Import aus China. In die Republik Moldowa liefert man Haushaltswaren, Fisch, Krabben, Gewürze und sogar Tomatenmark. Hinsichtlich des Umfangs nimmt der Export aus China in die Republik den ersten Platz ein. Und die Moldawier exportieren ins Land der Mitte Weine und Säfte. Der Ausfall des Hafens von Odessa wirkt sich auf den Warenaustausch aus, hat ihn aber nicht eingestellt, sondern die Logistik verändert, sagte der „NG“ der Chefredakteur der Kischinjower Zeitung „Wirtschaftsumschau Logos Press“ Dmitrij Kalak.
Moldawiens Regierung hat am Dienstag aufgrund des Mangels an Kraft- und Brennstoffen ein Alarmregime im Energiesektor für 30 Tage verhängt. Vasile Tofan, der neue Premier der Republik Moldowa, begründete die Situation mit den Folgen der Schläge der ukrainischen Streitkräfte der Ukraine gegen den russischen Hafen Noworossijsk und der Verlandung der Donau. „In der Lieferkette ist es zu einer Reihe von Krisen gekommen, die zu der schwierigen Situation führte, besonders auf dem Gebiet des Dieselkraftstoffs“, erklärte Tofan bei einer Sondersitzung der Regierung.
Die Verlandung der Donau hat noch ein Problem für Kischinjow verstärkt. Die Donau-Häfen (der ukrainische Reni und der rumänische Giurgiulești auf dem Territorium der Republik Moldowa) sind nicht mehr in der Lage, Frachtgüter über das Schwarze Meer zum rumänischen Hafen Constanța, von wo aus sie in Länder der EU gingen, zu bringen. Dies ist aber der einzige kostengünstige Weg aus Odessa nach Giurgiulești, von wo aus auf dem Wasserweg die Frachtgüter zu den Zielorten in der EU gelangten. Doch der Seetransit via Odessa ist aufgrund der massiven anhaltenden russischen Schläge gegen unter den Flaggen verschiedener Staaten fahrenden Schiffe, die laut Moskauer Darstellungen militärische Güter transportieren würden, unterbrochen worden.
Die Gütertransporte, die aus China in die Republik Moldowa und umgekehrt via Odessa abgewickelt wurden, sind jedoch nicht eingestellt worden, konstatierte gegenüber der „NG“ der Chefredakteur der Kischinjower Zeitung „Wirtschaftsumschau Logos Press“ Dmitrij Kalak. Ukrainische Erzeugnisse – Milch, Schmand (saure Sahne), Butter, Zucker, Speiseeis, Hühnerfleisch – würden nach wie vor über die 200 Kilometer lange Trasse Odessa-Kischinjow befördert. Und das, was auf dem Seeweg transportiert wurde, habe den Kurs geändert und gelange unter Umgehung der Ukraine in den rumänischen Hafen Constanța.
Das größte Volumen an Importwaren macht chinesische Haushaltstechnik aus. Nach Moldawien liefert man aus dem Land der Mitte gleichfalls Fisch, Krabben und Gewürze. Und, wie sich dieser Tage dank Informationen in Kischinjower Massenmedien herausstellte, gelangt in die Republik Moldowa aus China Tomatenmark, das in Moldawiens stets in Übermaß hergestellt wurde. Jedoch haben die Chinesen offensichtlich dieses den moldawischen Handelsfirmen billiger oder mit einer höheren Qualität angeboten – es kann dafür nicht wenige Gründe geben. Und in den Regalen der Kischinjower Lebensmittelgeschäfte und Supermärkte haben sich nun Dosen mit Tomatenmark und der Beschriftung „Made in China“ wiedergefunden, erläuterte Dmitrij Kalak der „NG“. Er erinnerte daran, dass früher auch moldawisches Getreide auf dem Seeweg in die EU geliefert wurde, und dies im Übrigen auch über den Hafen von Odessa. Jetzt aber über den Donau-Hafen Giurgiulești und ebenfalls per LKW.
Es sei daran erinnert, dass die Schifffahrt in der Ukraine innerhalb eines Tages unterbrochen wurde. Seit dem 22. Juli habe nicht ein einziges Schiff die Schwarzmeerhäfen der Ukraine angelaufen, heißt es in der russischen Hauptstadt. Bis dahin hatten die Probleme ständig zugenommen (etwa seit dem 11. Juli, wie beispielsweise die Nachrichtenagentur DPA schrieb – Anmerkung der Redaktion), nachdem die Streitkräfte der Ukraine die Schläge gegen Schiffe (nicht nur russische) im Asowschen und Schwarzen Meer verstärkt hatten. Als Antwort haben die russischen Militärs die Intensität ihrer Attacken gegen die Hafen-Infrastruktur drastisch erhöht, schrieb unter anderem das Nachrichtenportal www.strana.ua. Dennoch hatten bis zum 22. Juli mindestens drei, vier Schiffe am Tag dennoch die Häfen von Groß-Odessa angelaufen. Nachdem aber die größte internationale Container-Reederei, die dänische Maersk eine zeitweilige Unterbrechung der Arbeit in dem Schwarzmeerhafen bekanntgab, haben andere Schiffseigner entschieden, dass es an der Zeit sei, auch so zu handeln. Nach ukrainischen Angaben läuft derzeit kaum noch ein Schiff Häfen des Landes an. Das Risiko sei inzwischen zu hoch (angesichts der wahllosen russischen Angriffe – Anmerkung der Redaktion).
Die Tatsache, dass zum heutigen Tag die Bewegung von Schiffen zu und aus den ukrainischen Häfen vollkommen unterbrochen worden sei, hatte am 23. Juli auch Alexander Lazarev, Leiter des Koordinationsrates der Europäischen Business-Vereinigung und Co-Vorsitzender deren Zollkomitees bestätigt.
Zu dem Zeitpunkt kamen nicht nur Schiffe für ein Beladen mit Getreide für den Export in die Häfen, sondern auch andere Schiffe, unter anderem mit Importgütern, die nicht nur für die Ukraine bestimmt sind, sondern auch als Transitgüter weiter transportiert werden. „Bisher ist so alles eingestellt worden, sowohl der Ex- als auch der Import. Wie es weiter gehen wird, ist bisher unklar, kommentierte Lazarev in der vergangenen Woche.
Was den Import angeht, so könne er, heißt es in Odessa, mit Containern aus den Donau-Häfen oder per LKW aus Europa zurückkehren. Dabei werden aber die Preise wahrscheinlich ansteigen, da der Seeweg der kostengünstigste ist. Zur gleichen Zeit kann die Lieferdauer für Importwaren aus einzelnen Ländern, unter anderem aus China, zunehmen. In der nächsten Perspektiven können mit solchen Problemen beispielsweise die PKW-Besitzer, die im Ausland Ersatzteile bestellten, konfrontiert werden.
Die schwierigste Situation ergibt sich aber für den Export von Landwirtschaftserzeugnissen.
„Hinsichtlich der Agrarerzeugnisse besteht die Schwierigkeit darin, dass die benachbarten EU-Länder deren Transit verboten haben. Und urteilt man anhand deren Rhetorik hat keiner vor, diese Entscheidung fallen zu lassen. Daher wird die Ernte wahrscheinlich genau solch einen Weg wie auch zu Zeiten der „Seeblockade“ zu Beginn des Krieges zurücklegen – zuerst nach Reni per LKW oder Bahn. Danach wird dort alles auf Frachter umgeladen und nach Constanța transportiert. Und von dort wird sie den Weg weiter fortsetzen“, erklären ukrainische Spezialisten.
Solch ein Schema macht die Getreide-Logistik zu einer weitaus kostspieligeren als bei dem Funktionieren des maritimen „Getreidekorridors, da die Fracht mehrfach umverladen werden muss. Laut Angaben des ukrainischen Großhändlers für Agrarprodukte Spike Brokers sind Neueinkäufe von Getreide in den Häfen vorerst praktisch eingestellt worden. Und die Handelsaktivitäten konzentrieren sich auf die Erfüllung der bereits existierenden Verträge und die Sache nach alternativen Routen für den Export über die Westgrenze (der Ukraine) oder die Donau.
Das Aussetzen des Anlaufens ukrainischer Häfen durch Handelsschiffe löst für Moldawien ein Ansteigen der Kosten für die Logistik, Staus an den Landgrenzen und eine Überlastung des Hafens Giurgiulești aus. Die Transportkosten für Waren und Rohstoffe steigen an, da die Landrouten länger und komplizierter als die maritimen sind.
In Moldawien sind in diesen Tagen Landwirte zu Protestaktionen auf die Straßen gegangen, da der Kraftstoff für ihre Technik teurer geworden ist und der Umfang ausländischer Erzeugnisse auf dem moldawischen Markt größer geworden ist.
P. S.
Am Donnerstag befasste sich auch Armeniens Regierung mit Tomatenmark. Auf ihrer Sitzung fasste sie den Beschluss, für sechs Monate den Import von Tomatenmark zu verbieten. „So werden die Verkaufsmengen an Tomatenmark aus einheimischer Produktion zunehmen und die Nachfrage nach Tomaten ansteigen, wodurch ein vollkommener Absatz der Ernte, die für eine Konservierung bestimmt ist, gesichert wird“, heißt es in der Begründung der Kabinettsentscheidung. In der wird gleichfalls betont, dass im Zusammenhang mit den Einschränkungen für den Export und Transit von einer Quarantäne unterliegenden Erzeugnissen armenischer Herkunft aus Armenien nach Russland die Exportmengen an Früchten und Gemüse armenischer Herkunft, darunter von Treibhaustomaten, zurückgegangen sind. Im Endergebnis wird ein erheblicher Teil der ursprünglich für den Export bestimmten Treibhaustomaten derzeit auf dem einheimischen Markt realisiert, was jedoch zu einer Verringerung der Nachfrage nach Freilandtomaten führte.
Seit Verhängung der Restriktionen für den Export armenischer Tomaten machte der Export von Treibhaustomaten vom 22. Mai bis einschließlich 22. Juli nur ganz rund 800 Tonnen aus, während im analogen Zeitraum des vergangenen Jahres etwa 7000 Tonnen Tomaten in alle Mitgliedsländer der Eurasischen Wirtschaftsunion exportiert wurden.
Außerdem betonte die Regierung Armeniens, dass in den Jahren 2020-2025 der durchschnittliche Umfang des Imports von Tomatenmark um die 5336 Tonnen ausmachte, und der durchschnittliche Export im gleichen Zeitraum ca. 3822 Tonnen im Jahr.