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Trinkwasser-Knappheit in Kischinjow


In Moldawien werden für die nächsten Tage Temperaturen um die 35 bis 36 Grad Celsius vorausgesagt. Hitze und Durst sind Kategorien, die zusammen einhergehen. Daher organisiert man in Kischinjow kurzfristig Punkte für eine Verteilung von Trinkwasser und Versorgung von Krankenhäusern, Schulen Kindergärten mit diesem. Das Wasser wird aus Reservoirs entnommen, die man auffüllt, solange es der Dnestr abzupumpen erlaubt.. Dies kann aber eingestellt werden, da die Wasserabgabe aus dem Nowodnestr-Stausee der Ukraine für den moldawischen Teil des Flusses von 100 bis auf 85 Kubikmeter in der Sekunde zurückgegangen ist.

Die Flüsse verlanden nicht nur in Moldawien. Die Trockenheit hat dem Dnestr so sehr zugesetzt, dass man bald aus ihm Wasser trinken kann, nur indem man es mit einem Krug abschöpft. Die Wasserpumpen arbeiten mit Mühen. Es gibt beinahe nichts zum Pumpen. Die seicht gewordene Donau hatte den rumänischen Konzern Nuclearelectrica am vergangenen Mittwoch gezwungen, zuerst den ersten Reaktorblock des Kernkraftwerks Cernavodă zu stoppen. Und zwei Tage später ereilte auch den zweiten Reaktorblock das analoge Schicksal.

Um den entstandenen Strommangel zu überwinden (denn das AKW liefert immerhin 20 Prozent des elektrischen Stroms für das Land – Anmerkung der Redaktion), kauft Rumänien in der Ukraine Strom und erhält ihn mit Unterstützung des moldawischen Unternehmens Energocom.

In der vergangenen Woche hatte der Donau-Pegel im Bereich der ungarischen Stadt Paks einen neuen Minusrekord markiert und die Betreibergesellschaft gezwungen, die Leistung des ersten und des dritten Reaktorblocks des AKW Paks zu drosseln und später ein vollkommenes Herunterfahren mehrere Blöcke des Kraftwerks zu beginnen. Am Sonntag erklärte Ungarns Premierminister Péter Magyar, dass das Kernkraftwerk bis zum Tagesende die Stromerzeugung vollkommen einstellen könne. Später kam aber die Mitteilung, dass sich das AKW noch zwei Tage lang mit einem oder zwei Reaktorblöcken über Wasser halte. Hilfe für Budapest bei der Lieferung der erforderlichen Strommenge hat die Slowakei angeboten.

Während aber die Trockenheit in Rumänien und Ungarn zu einem Strommangel führte, wird es in Moldawien aufgrund der Austrocknung des Dnestrs nichts zum Trinken geben. Moldawien hat sich um Hilfe an die Ukraine gewandt. Am 31. Juli haben die Vertreter beider Länder im Verlauf einer Sondersitzung der Dnestr-Kommission beschlossen, die Wasserabgabe aus dem Nowodnestr-Stausee von 100 bis auf 85 Kubikmeter in der Sekunde zu verringern. Zuvor hatte die Ukraine vorgeschlagen, die Menge der Wasserabgabe aus diesem Stausee von 100 bis auf 70 Kubikmeter in der Sekunde zu drosseln, um Reserven für den Fall einer lange anhaltenden Dürre zu bewahren.

Der Ökologe Ilya Trombitsky, der an der Arbeit der Kommission teilgenommen hatte, warnte aber: Eine Verringerung der Wasserabgabe bis auf 70 Kubikmeter in der Sekunde sei für die Wasserversorgung von Kischinjow absolut inakzeptabel. Der Dubăsari-Stausee (auf dem Territorium von Transnistrien – Anmerkung der Redaktion), der die Differenz vorübergehend wettmachen könnte, besitze ein zu geringes Volumen.

In einem Kommentar für die Medien erklärte Ilya Trombitsky, dass die Situation um den Wasserverbrauch im Fluss Dnestr Verhandlungen zwischen den interessierten Seiten erfordert hatte. Nach seinen Worten waren die Diskussionen auf die Suche nach einer Balance der Interessen der Stromerzeuger mittels Wasserkraft, die an einer Bewahrung eines möglichst hohen Pegelstands im Stausee interessiert gewesen seien, und der Stadt Kischinjow, die eine ausreichende Abgabe von Wasser für dessen Erfassung benötige.

Entsprechend den Ergebnissen der Gespräche einigten sich die Seiten, die Wasserabgabe auf einem Stand von 85 Kubikmeter in der Sekunde im Verlauf von zwei Wochen zu halten. In dieser Zeit sollen an der Wassererfassungsstation der Hauptstadt Kischinjow technische Arbeiten durchgeführt werden, die erlauben werden aus tieferen Schichten des Dnestrs Wasser erfassen. Nach Ablauf dieser Zeitspanne wird die Kommission die Situation erneut beurteilen und eine Entscheidung über weitere Maßnahmen in Abhängigkeit von der Entwicklung der Witterungsbedingungen und des Pegelstands im Fluss treffen müssen.

Moldawiens Umweltminister Gheorghe Hajder warnte: Bei einem weiteren Rückgang des Pegelstands könnten die Hauptpumpen der Wassererfassungsstation (des Wasserwerks), die Kischinjow versorgt, ausfallen. Das Wasserwerk wurde 1974 errichtet worden und besitzt eine fixierte Konstruktion. Wenn der Dnestr verlandet, sprich: der Pegel unter einen Mindeststand abrutscht, werden die Pumpen einfach an der Oberfläche auftauchen und weiter kein Wasser pumpen können.

Es sei daran erinnert, dass die Dnestr-Kommission ein Gremium für eine Regierungszusammenarbeit zwischen der Republik Moldowa und der Ukraine auf dem Gebiet des Schutzes, einer stabilen Nutzung und Entwicklung des Einzugsgebietes des Flusses Dnestr ist.

Zur gleichen Zeit telefonierte Moldawiens neuer Premierminister Vasile Tofan zum Wasser im Dnestr mit seinem ukrainischen Amtskollegen Sergej Korezkij.

Kischinjows Bürgermeister Ion Ceban hat gefordert, den Obersten Sicherheitsrat aufgrund der von der Ukraine verringerten Wasserabgabe aus dem Nowodnestr-Stausee und der möglichen Probleme in der Hauptstadt einzuberufen. Zuvor hatte er erklärt, dass die moldawischen Behörden unter Präsidentin Maia Sandu der Ukraine die Kontrolle über die Wasserressourcen des Dnestrs im Norden Moldawiens überlassen hätte. Und das entsprechende Dokument sei für geheim erklärt worden und werde im Außenministerium aufbewahrt. Dies bedeute, dass Kischinjow faktisch Hebel für eine Einflussnahme auf die Situation verloren habe und vollkommen von den Entscheidungen Kiews abhänge.

Der hauptstädtische Bürgermeister teilte mit, dass Kischinjow über 200 Punkte für eine Ausgabe von Wasser für den Fall eines Notstands vorbereitet habe. Wie im Bürgermeisteramt mitgeteilt wurde, seien in der Stadt 213 Punkte für eine Stationierung von Wassertanks und für eine Verteilung von Wasser in allen Stadtbezirken der Hauptstadt vorbereitet und bestimmt worden. Zu ihnen gehören 75 öffentliche Orte, 108 Kindergärten, 30 medizinische Einrichtungen, aber auch dutzende andere strategisch wichtige Objekte. Außerdem habe die Stadt 253 Euro-Behälter mit einem Fassungsvermögen von 1000 Liter, 20 Zisternen und 45 Spezialfahrzeuge.

Die vorhandenen Ressourcen sollen erlauben, den Transport von Wasser zur Bevölkerung, in Kindergärten, Krankenhäuser und andere sozial bedeutsame Einrichtungen zu organisieren, teilten gleichfalls die hauptstädtischen Behörden mit. Wird dies aber alles für die Versorgung der Stadt mit einer Bevölkerung von einer Million Menschen reichen? Zumal es um Trinkwasser geht. Und die Wasserleitungen und Kanalisation – dies sind technisches bzw. Brauchwasser. Vom dem ist keine Rede.

Freilich informierte Premierminister Vasile Tofan über die Bereitstellung von Hochleistungspumpen für Kischinjow zwecks Verstärkung der Kapazitäten des Wasserwerks in Vadul lui Vodă (eine Stadt innerhalb der Gemeinde Kischinjow).

Umweltminister Gheorghe Hajder erklärte, dass die Ukraine bereit sei, Moldowa zu helfen und Lösungen im Falle eines Notstands am Dnestr vorzuschlagen. Er teilte mit, dass er solche Versicherungen von seinem ukrainischen Amtskollegen Alexander Krawtschenko erhalten hätte, mit dem er am 1. August gesprochen hatte.

Moldowas Regierung hat die Verhängung des Regimes einer erhöhten Bereitschaft im Energie- und Hydrologie-Sektor für 30 Tage bekanntgegeben. Während der Geltungsdauer dieses Regimes können die Behörden in die Regulierung des Wasserverbrauchs eingreifen. Zugesagt wurde, dass man der Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser, den medizinischen und Sozialeinrichtungen sowie den sanitären Bedürfnissen den Vorrang einräumen werde.

Auf einer Sitzung der Regierung wurde mitgeteilt, dass einige Betreiber bereits technische Arbeiten inklusive der Schaffung zeitweiliger Dämme für ein Erhöhung des Pegels im Einzugsgebiet der Wassererfassung und einer Anpassung der Anlagen für eine Wassererfassung aus größeren Tiefen begonnen hätten. Zugesagt wurde, alternative (unterirdische) Quellen vorzubereiten, bei Bedarf – einen Wassertransport per Zisternen.

Derweil können die Tarife für die Wasserversorgung und Kanalisation in Kischinjow schon in der nächsten Woche erhöht werden. Den entsprechenden Entwurf eines Beschlusses der Nationalen Agentur für Preisregulierung in der Energiewirtschaft (ANRE) wurde auf der Internetseite der Behörde veröffentlicht. Der Aufsichtsrat der Agentur sollte ihn am Dienstag, dem 4. August behandeln.

P. S.

Am Dienstag hat inzwischen die nationale Kommission Moldawiens für Krisenmanagement die Wassernutzung für zweitrangige Bedürfnisse, unter anderem für Erholungszwecke, im Zusammenhang mit der Dürre und der Verlandung der Flüsse in der Region eingeschränkte, meldete der Pressedienst der Regierung.

Eingeschränkt wird unter anderem die „Nutzung von Trinkwasser und Wasser aus oberirdischen Quellen für unwesentliche Zwecke, solcher wie die Straßenreinigung oder das Auffüllen von Bassins“. Außerdem beschloss die Kommission, den Wasserverbrauch um mindestens 20 Prozent durch die Industrieunternehmen einzuschränken, deren Tätigkeit für die Herstellung von Nahrungsmittel, den medizinischen Sektor oder das öffentliche Gesundheitswesen keine kritische sei.