Georgien ist innerhalb von zwei Wochen ein drittes Mal in Finsternis versunken. Die Regierung von „Georgischer Traum“ kann nicht eindeutig die Abfolge der Havarien erklären, hat aber Verfahren wegen Sabotage eingeleitet und bezichtigt ihre Vorgänger eines Landesverrates. Zum Anlass dafür wurden die Ereignisse von vor 18 Jahren.
Der letzte und damit dritte Blackout dauerte mehrere Stunden und tangierte wie auch zuvor Abchasien. Freilich erklärten die Behörden, dass sie dieses Mal das Land ohne Licht im Rahmen planmäßiger Tests der Energieblöcke des Inguri-Wasserkraftwerks gelassen hätten. Die Opposition hält diese Rechtfertigung aber für einen Versuch, sich der Verantwortung zu entziehen.
„Dies bedeutet, dass es in unserem Energiesystem einen Mangel gibt, den man nicht mittels irgendeines Versicherungsmechanismus beseitigen kann. Es fehlt an einer Diversifizierung. Wenn einer Stromversorgungsleitung ausfällt, muss ein Versicherungsmechanismus durch andere Netze gewährleistet werden. Die Lieferanten, die Vertriebsorganisationen sowie die für die Steuerung des Netzes und die Zustellung der Erzeugnisse zum Verbraucher verantwortlichen Unternehmen sind so durcheinander, dass alle mit dem Finger aufeinander zeigen, so als sei keiner schuldig, doch Schuld haben alle“, empörte sich Giorgi Sioridze, einer der Spitzenvertreter der Bewegung „Starkes Georgien – Lelo“.
Der ehemalige Leiter der Administration der Regierung von „Georgischer Traum“ Kacha Kachishvili teilte mit, dass es für die Reihe von Havarien nur zwei Erklärungen gebe – entweder seien die georgischen Energetiker unprofessionell oder irgendwer schade vorsätzlich dem internationalen Image des Landes und dessen Wirtschaft.
„Wenn im Energiesystem wirklich irgendein Test oder technisches Experiment durchgeführt wurde, wie konnte es da passieren, dass beinahe das ganze Land ohne Strom geblieben ist? Wenn solch ein Risiko bestand, warum wurde da kein alternatives oder Reserve-System zur Stromversorgung eingeschaltet? Und wenn es überhaupt kein solches Reserve-System gibt, ist dies bereits ein sehr ernsthaftes Problem. Und wenn solch eine Abschaltung eine unvermeidliche gewesen war, so warum ist die Bevölkerung nicht vorab gewarnt worden? Und warum wurden die Erklärungen erst post faktum abgegeben?“, fragt sich Kachishvili.
Wie dem nun auch immer sein mag, der Staatssicherheitsdienst setzt das Strafverfahren über Sabotage fort, ist aber bisher nicht den potenziellen Straftätern auf die Spur gekommen.
Außerdem hat man in dieser Institution noch ein Sabotage-Verfahren eingeleitet, dieses Mal aber aufgrund der Tatsache einer Einschüchterung russischer Touristen. Laut Angaben der Sicherheitsorgane erzähle irgendwer auf falschen Accounts in sozialen Netzwerken Märchen darüber, dass man in Georgien angeblich vorsätzlich Urlauber allein in Wäldern lasse und deren Mahlzeiten in Restaurants verderbe.
Die Partei „Georgischer Traum“ hat bereits diese Nachforschungen mit dem Krieg von 2008 in Verbindung gebracht, dessen 18. Jahrestag auf den 8. August fällt. Laut der Version der regierenden Partei würden die Oppositionellen derzeit versuchen, unter den Georgiern Hass gegen Russland und dessen Bürger zu säen, um vor dem kollektiven Westen zu gefallen, obgleich man in eben jenem Jahr 2008 und vor dem eigentlichen Fall des Regimes von Michail Saakashvili die „Okkupanten“ aktiv eingeladen hätte, in Georgien Urlaub zu machen.
Die georgischen Politiker hatten vorab begonnen, sich auf den Jahrestag der Ereignisse von vor 18 Jahren vorzubereiten. Unter anderem hat der Abgeordnete Irakli Kirtschalia nicht ausgeschlossen, dass das Team des dritten Präsidenten Georgiens Michail Saakashvili ein kommerzielles Interesse an jener Geschichte haben könne.
Allerdings stehen die Oppositionellen solch einer Rhetorik nicht nach. Saakashvili hat beispielsweise plötzlich eine zunehmende Welle von Volksliebe verspürt. „Ich dulde bereits fünf Jahre lang raue Bedingungen eines Gefängnisses, Isolation, Folterungen, Vergiftungen, Beleidigungen und Erniedrigungen, denn ich fühle eine zunehmende Welle von Liebe des Volks, die bereits das Bett zerbricht, bald die Dämme zerstört, die durch das Regime errichtet worden sind, und uns mit einer gewaltigen Energie zurück zur Freiheit, zu einer Rückkehr in die europäische Familie und zu einem Wiederaufbau treibt… Derzeit versuchen wir, mit den täglichen Schwierigkeiten fertig zu werden, doch wir dürfen nicht vergessen, dass unser Hauptziel ist, erneut zu starken zu werden, aufs Neue die Welt mit unseren Leistungen in Erstaunen zu versetzen und die Flagge mit den fünf Kreuzen (Georgiens Staatsflagge – Anmerkung der Redaktion) unserer Freiheit in Abchasien zu hissen“, erklärte Saakashvili im Verlauf des am 5. August stattgefundenen Parteitages der „Vereinten nationalen Bewegung“, in dessen Ergebnis er den Vorsitz für den Parteirat der Reformer erhielt.
Der Vorsitzende des Politrates der „Vereinten nationalen Bewegung“ Levan Chabeishvili kündigte sogar großangelegte Bauarbeiten in Abchasien an. „Wir wollen Europas größten Flughafen in Suchumi bauen, doch sie (die Partei „Georgischer Traum“) bringen die europäische Perspektive, die Idee von der georgischen Einheit um!“, meint der Mitstreiter von Saakashvili.
P. S.
Nach den Blackouts, ausgelöst durch Arbeiten im Inguri-Wasserkraftwerk, informierte am Donnerstag Timur Dshindsholia, Generaldirektor von „Tschernomorenergo“, über Hintergründe.
„Nach den ersten großen Abschaltungen vom 25. und 26. Juli hat die Leitung des Inguri-Wasserkraftwerks Auftragnehmer aus Tschechien und Deutschland eingeladen, die sich früher mit der Einrichtung des Havarie-Schutzes und der Automatik des Kraftwerks befasst hatten. Am 5. August führten die ausländischen Spezialisten einen Test des Systems durch, um die Ursachen der Störung zu ermitteln, und in dessen Verlauf erneut die Havarie-Automatik reagierte, was eine automatische Abschaltung aller Generatoren des Inguri-Wasserkraftwerks auslöste und zu einer zeitweiligen Abschaltung führte. Die Ursache für die früher aufgetretenen Störungen ist genau bestimmt worden. Und im Inguri-Wasserkraftwerk haben bereist die Arbeiten zur Beseitigung des Fehlers im System der Automatik begonnen“, berichtete er in einer Sendung des staatlichen Fernsehens Abchasiens. Dshindsholia nimmt an, dass nach Beseitigung der Havarie-Ursachen sich derartige Fälle nicht mehr wiederholen würden. Dabei unterstrich er, dass die aufgetretenen Störungen durch Umstände verursacht wurden, die absolut nicht von „Tschernomorenergo“ abhängen würden, da die Spezialisten des Unternehmens nicht an der Steuerung und Einstellung der automatischen Schutzsysteme des Inguri-Wasserkraftwerks teilnehmen würden.
Nach den drei Blackouts am 25. und 26. Juli sowie am 5. August vergingen im Durchschnitt zwei bis dreieinhalb Stunden, um die Stromversorgung wiederherzustellen. Das Wasserkraftwerk, das größte im Kaukasus, liegt an der Grenze Abchasiens und Georgiens. Der Stausee befindet sich auf der georgischen Seite, das Gebäude für die Steuerung des Kraftwerks auf der abchasischen. Die Leistung des Kraftwerks beträgt 1300 Megawatt, im Durchschnitt werden im Jahr etwa 4430 Millionen kWh Strom erzeugt. Von dem erzeugten Strom erhält Abchasien 40 Prozent und Georgien 60 Prozent.