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Dem ukrainischen Getreide blockiert man den Weg nach Moldawien


Kiew führt mit Kischinjow Verhandlungen über einen Transit ukrainischen Getreides nach Rumänien mit Unterstützung der „Eisenbahn Moldowas“ (Calea Ferata din Moldova — CFM). Die Seewege sind durch Russland unter dem Vorwand blockiert worden, dass die Schiffe unter unterschiedlichen Flaggen, die von russischer Seite beinahe täglich angegriffen werden, mit militärischen Frachtgütern die ukrainischen Häfen anlaufen wollen. Die Ukrainer bitten die Moldawier um einen Preisnachlass von 50 Prozent für die Transportleistungen. Und die Moldawier wollen lediglich garantierte zehn Prozent gewähren. Doch es stellt sich die Frage: Womit die Frachtgüter befördern? Moldawiens Bahn hat fast ihr ganzes Eigentum verkauft, unter anderem Lokomotiven. Daher wird den Ukrainern angeboten, eigene Transportmittel zu nutzen. Doch auf die moldawischen Gleise muss man erst einmal gelangen. Schließlich zerstörte die Russische Föderation eine Brücke über den Dnestr im Verwaltungsgebiet Odessa. Um jetzt nach Moldawien zu gelangen, besteht nur die Variante über den Norden der Republik. Dies sind aber zusätzliche 500 Kilometer.

Insgesamt gibt es vier Eisenbahn-Grenzübergänge zwischen der Ukraine und Moldawien – zwei im Verwaltungsgebiet Odessa und jeweils einen in den Verwaltungsgebieten Winniza und Tschernowizi. Wenn man das unruhige Verwaltungsgebiet Odessa ausschließt, so muss man zu den übrigen Übergangsstellen über einen Umweg gelangen.

Dies sind aber Zeit und Geld, die die Vertreter der Ukraine bei den Gesprächen mit Moldawien einzusparen versuchen, indem sie die Nachbarn zu einem Transit-Bonus von 50 Prozent überreden wollen. Moldawien bittet als Antwort um garantierte zehn Prozent.

Der Stellvertreter des Direktors des Departments für Transporttechnologien und kommerzielle Tätigkeit der ukrainischen Eisenbahn „Ukrsalisnizja“ Valerij Tkatschjow betonte, dass die Gespräche sowohl zwischen den Fachministerien beider Länder als auch zwischen den Bahnbetreibern erfolgen würden.

Wir bitten tatsächlich um einen Preisnachlass von 50 Prozent für den Transit durch Moldowa. Und unsere Partner interessieren vor allem die Umfänge der Transporte, die die ukrainische Absender zu gewährleisten planen“, teilte er mit.

Tkatschjow betonte, dass gleichfalls die Frage der Zugmittel erörtert werde. Die Eisenbahn Moldowas beklagt sich unter anderem über einen Mangel an Lokomotiven. Daher bittet sie, den Transport selbst über das Territorium von Moldawien mit Lokomotiven der ukrainischen Eisenbahn abzusichern.

Obgleich laut letzten vorliegenden Informationen über die Verhandlungen Moldawien Vorschläge über die Bereitstellung von 20 Lokomotiven für die Ukraine zwecks Beförderung der ukrainischen Frachtgüter zum rumänischen Hafen Constanța vorbereite. Dies teilte der ukrainische Minister für Wiederaufbau, Infrastruktur und Transportwesen Nikolaj Kalaschnik nach einer Begegnung mit Moldowas Minister für Infrastruktur und Regionalentwicklung Vladimir Bolea mit. Nach seinen Worten „ist unsere Priorität ein ungehinderte Verkehr von Odessa bis zur Donau-Region“. „Dafür müssen wir einen freien und sicheren Transit über den 7 Kilometer langen Abschnitt der Fernverkehrstrasse M-15 im Bereich von Palanka gewährleisten. Und wir bereiten uns gleichfalls auf die Eröffnung einer neuen gemeinsamen Übergangsstelle vor“, fügte Kalaschnik mit.

Im Bestand des Staatsunternehmens „Calea Ferata din Moldova“ befinden sich 56 Lokomotiven. Die meiste alte Technik hat ihr Limit erreicht. Dabei befindet sich nur ein Teil von ihnen in einem arbeitsfähigen und einwandfreien Zustand – unter anderem zwölf neue Lokomotiven von General Electric, die in Kasachstan erworben wurden.

Unter den Bedingungen der Attacken Russlands gegen die Hafen-Infrastruktur der Ukraine und gegen Schiffe im Schwarzen Meer (allein in der zu Ende gehenden Woche 15 Schiffe, wie am Freitag des russische Verteidigungsministerium ohne Angaben dazu, unter welcher Flagge sie unterwegs waren, meldete – Anmerkung der Redaktion) prüft Kiew die Möglichkeit einer Wiederaufnahme der Tätigkeit der sogenannten „Solidaritätskorridore“ für eine Ausfuhr nicht nur von Getreide, sondern überhaupt von Agrarprodukten. Erörtert werden verschiedene Varianten, unter anderem per Bahn über das Territorium von Moldowa.

Früher hatte Moldawiens Premierminister Vasile Tofan erklärt, dass der Transport ukrainischer Frachtgüter über das Landesterritorium zu einer guten finanziellen Stütze für das Unternehmen „Eisenbahn Moldowas“ werden könne, das mit finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert werde.

Zur gleichen Zeit fordern die moldawischen Agrarier von der Regierung, die Einfuhr ukrainischen Getreides in ihr Land zu lizenzieren. „Lassen Sie uns nicht dort Feinde suchen, wo sie es nicht gibt“, erwiderte Vasile Tofan den Agrar-Erzeugern. In einer Sendung von Jurnal-TV sagte er, dass noch nicht ein einziges Kilogramm Getreide „von Moldawa aus der Ukraine importiert wurde“.

Er lenkte die Aufmerksamkeit darauf, dass die Getreidemenge in der Ukraine mehr als sechs Millionen Tonnen ausmache. Gegenwärtig gehe es darum, einen Teil dieses Getreides per Bahnund im Transit durch die Republik Moldowa zum rumänischen Hafen Constanța zu bringen.

Wir dürfen nicht für Calea Ferata din Moldova“ mehrere Millionen Euro durch den Transit ukrainischen Getreides verlieren. Und es muss begriffen werden, wie wichtig dies tatsächlich für die Ukraine ist“, betonte Tofan.

Derweil versucht Russland, der Ukraine den Exportweg zu versperren, indem gegen die Landroute in Richtung der Republik Moldowa Schläge geführt werden. Eine Brücke über den Dnestr im Bereich des Dorfs Mayaka des Verwaltungsgebietes Odessa, das unweit zur Grenze mit der Republik Moldowa liegt, wurde angegriffen. Die Beschädigung der Infrastruktur kann den Güterverkehr und die Logistik, die die ukrainischen Exportrouten mit Moldawien und weiter mit dem europäischen Markt verbindet, erschweren.

Agrarerzeugnisse machen den größten Teil am Gesamtumfang des Exports der Ukraine aus. Der ukrainische Landwirtschaftsminister Taras Wyssozkij teilte mit, dass die direkten Verluste des Agrar-Sektors der Ukraine aufgrund der Probleme mit den Schwarzmeerhäfen in diesem Jahr bis zu drei Milliarden Dollar ausmachen könnten.

Zu Wochenbeginn hatte das ukrainische Broker-Unternehmen Spike Brokers mitgeteilt, dass der Umfang des Exports von Agrarerzeugnissen aus der Ukraine um 60,1 Prozent in den ersten sechs Augusttagen im Vergleich zum analogen Zeitraum im Juli zurückgegangen sei.

Derzeit erfolgen Verhandlungen über Zeiträume und Umfänge eines Transits. Nach Schätzungen des ehemaligen moldawischen Bahnchefs sei der Korridor imstand, bis zu 4,5 Millionen Tonnen im Jahr passieren zu lassen.

Derweil erleidet auch Moldawien aufgrund der Situation in der Schwarzmeer-Region Verluste. Im Juli dieses Jahres hat die Republik den Exportumfang von Raps drastisch verringert. Laut einer Analyse des Wirtschaftsexperten Iurie Rija hat das Land im ersten Monat der neuen Saison um 29,3 Prozent weniger als im Jahr 2025 ausgeführt. Nach Aussagen des Experten seien zu den Hauptursachen für die Verlangsamung des Exports die Hemmnissen an den Zollpunkten, der logistische Kollaps in den Häfen und die Instabilität in der Schwarzmeer-Region geworden. Die Einschränkungen für die Schifffahrt durch die Meerenge von Kertsch, aber auch die Attacken gegen kommerzielle Schiffe im Schwarzen und Asowschen Meer haben die geopolitischen Risiken verstärkt.

Dabei ist bei den Inlandstransporten über die Straßen die Beförderung von einer Tonne Frachtgut aus dem Norden Moldawiens bis zum Donau-Hafen Giurgiulești um 83 Prozent teurer geworden. Die Beförderung bis zum rumänischen Constanța wurde um 60 Prozent teurer. Die Preise für Transporte per Binnenschiffe sind gleichfalls angestiegen. Für eine Tonnen Frachtgut auf der Route zwischen Giurgiulești und Constanța müssen jetzt von bisher 13 bis 15 Dollar 25 bis 35 Euro gezahlt werden.

Nach Aussagen von Iurie Rija schließen die Spediteure die Stillstandszeiten an den Grenzen, die Wartezeiten in den Häfen und die Verteuerung von Dieselkraftstoff in die neuen Tarife ein. Aufgrund der Zeitverluste hat sich die Anzahl der sich im Einsatz befindlichen Fahrzeuge verringert, was jede Fahrt zu einer „Goldgrube“ mache. Dies beeinflusste auch die Entscheidung zugunsten der Bahn in der Frage nach dem Transit für das ukrainische Getreide.