Zu einem wichtigen Ereignis der vergangenen Kalenderwoche wurden die überraschenden Daten über die Dynamik der russischen Wirtschaft. So belegen die vorläufigen Schätzungen des russischen Statistikamtes Rosstat ein Wachstum des BIP um 1,3 Prozent nach einem Rückgang um 0,2 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres. Wie im Statistikamt mitgeteilt wurde, beeinflussten in größtem Maße die Zunahme des BIP die Erhöhung des Einzel- und Großhandels, der Gastronomie, die Zunahme des Güterumschlags, aber auch die positive Dynamik in den verarbeitenden Industriebranchen. Im Ministerium für Wirtschaftsentwicklung, wo man anfangs das Wachstum des BIP im zweiten Quartal mit 0,9 Prozent vorausgesagt hatte, teilte man mit, dass die Zahlen für das zweite Quartal die Rückkehr der Wirtschaft auf die Bahnen eines Wachstums bestätigen würden. „Die Statistik für das erste Halbjahr hat bestätigt, dass die Wirtschaft die Dynamik des Jahresbeginns überwindet. Die Wiederherstellung das Wachstumstempos, das noch im März fixiert worden war, wird fortgesetzt. Ungeachtet des andauernden äußeren Drucks und der Einschränkungen in einzelnen Sektoren“, erklärte Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow.
Die Wiederherstellung des Tempos des Wirtschaftswachstums in der Russischen Föderation wurde von einer Verbesserung der Geschäftsaktivitäten in vielen Branchen der Industrieproduktion begleitet, haben Analytiker aus dem Zentrum für strategische Entwicklungen ausgewiesen. Im zweiten Quartal des laufenden Jahres hätten die verarbeitenden Industriebranchen eine Erhöhung der Produktion um zwei Prozent fixiert. Ein Wachstum sei in 16 der 24 Verarbeitungsbranchen fixiert worden, fügte man im Zentrum für strategische Entwicklungen hinzu.
Das Finanzministerium teilte derweil in der vergangenen Woche mit, dass entsprechend den Ergebnissen von sieben Monaten dieses Jahres der föderale Staatshaushalt Russlands laut vorläufigen Angaben mit einem Defizit im Umfang von 6,455 Billionen Rubel oder 2,8 Prozent des BIP realisiert worden sei (während für das Jahr eigentlich nur ein Haushaltsloch von 1,6 Prozent des BIP bzw. 3,8 Billionen Rubel laut Staatsetat vorgesehen worden war – Anmerkung der Redaktion). Für einen Vergleich: Im Zeitraum Januar-Juli 2025 machte das Defizit 4,622 Billionen Rubel oder 2,2 Prozent des BIP aus. Das Finanzministerium begründete die hohen Zahlen für das Haushaltsloch vor allem mit einer stärkeren Finanzierung der Ausgaben (u. a. für die militärische Sonderoperation in der Ukraine und der damit verbundenen Ausgaben sowie aufgrund der durch Naturkatastrophen entstandenen erheblichen Kosten – Anmerkung der Redaktion). Die Haushaltseinnahmen im Zeitraum Januar-Juli erhöhten sich um 8,8 Prozent im Vergleich zum analogen Zeitraum des Vorjahres und machten 22,112 Billionen Rubel aus. Die nicht mit Erdöl und Erdgas verbundenen Einnahmen stiegen bis auf 17,518 Billionen Rubel an. Die Einnahmen aus der MWSt. kletterten um 24,9 Prozent bis auf 9,791 Billionen Rubel in die Höhe. Derweil brachen die Einnahmen aus Erdöl und Erdgas um 16,8 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres ein und machten 4,595 Billionen Rubel aus, was etwas über deren Basishöhe für diesen Zeitraum (4,467 Billionen Rubel) liegt, vor allem aufgrund des Rückgangs der Erdölpreise in den vorangegangenen Zeiträumen. Die Haushaltsausgaben sind laut einer vorläufigen Schätzung im Zeitraum Januar-Juli im Vergleich zum Vorjahr um 14,5 Prozent bis auf 28,567 Billionen Rubel angestiegen.
Zahlen über die Ergebnisse des ersten Halbjahres hat in der vergangenen Woche auch der Föderale Zolldienst vorgelegt. Laut den Ergebnissen der ersten sechs Monate dieses Jahres erhöhte sich der Plus (Profizit) des Außenhandels der Russischen Föderation um 14 Prozent und machte 73,4 Milliarden Dollar aus. Der Außenhandelsumsatz Russlands machte in diesem Zeitraum 365,6 Milliarden Dollar aus, was um 11,4 Prozent mehr ist als im Jahr zuvor. Der Export von Waren im ersten Halbjahr 2026 stieg um zwölf Prozent aus und machte 219,5 Milliarden Dollar aus. Seinerseits erhöhte sich der Import entsprechend den Ergebnissen des ersten Halbjahres um 10,8 Prozent bis auf 146 Milliarden Dollar. Nach Meinung von Experten belege die Belebung des Ex- und Imports im ersten Halbjahr, dass Russland und dessen Außenhandelspartner eine Form gefunden hätten, die Probleme mit den Zahlungen zu lösen.
Führender Handelspartner Russlands bleibt dabei nach wie vor China. Entsprechend den Ergebnissen des ersten Halbjahres erreichte der Handelsumfang zwischen beiden Ländern 134,18 Milliarden Dollar. Wobei der Export aus Russland nach China im ausgewiesenen Zeitraum um 23,3 Prozent bis auf 73,58 Milliarden Dollar zunahm. Der Import Russlands aus der Volksrepublik um 28,4 Prozent bis auf 60,6 Milliarden Dollar. Russland liefert seinem Haupthandelspartner vor allem Energieträger (Erdöl, Erdgas und Kohle), aber auch Kupfer und Kupfererz, Schnittholz, Kraftstoffe, Meeresprodukte sowie Agrarerzeugnisse. China exportiert seinerseits in die Russische Fäderation PKW und LKW, Traktoren, Computer, Smartphones, Industrie- sowie spezielle Anlagen und Ausrüstungen, Konsum- und Industriewaren unterschiedlicher Art.
Zur gleichen Zeit wird der russische Agrar-Export nach wie vor durch Attacken ukrainischer Drohnen gegen die südrussischen Getreideterminals erschwert (wie auch die ukrainischen Getreideexporte durch russische Angriffe gegen die entsprechende Hafen-Infrastruktur erschwert werden – Anmerkung der Redaktion). Vor diesem Hintergrund versucht die Regierung der Russischen Föderation, alternative Routen für eine Ausfuhr von Agrar-Erzeugnissen zu finden. Unter anderem leitete am vergangenen Donnerstag die russische Landwirtschaftsministerin Oksana Lut eine Beratung zur Suche nach neuen Routen für die Exportlieferungen von Getreide und Ölkulturen mit Vertretern aus den Regionen, Exporteuren, Branchenvereinigungen sowie Vertretern der Transport- und Hafen-Infrastruktur. „Es ist eine Schlüsselaufgabe, eine rechtzeitige Realisierung des Getreides und der Ölkulturen zu sichern und Routen für die Lieferungen unter Berücksichtigung der aktuellen logistischen Einschränkungen zu gestalten“, erläuterte man im Landwirtschaftsministerium.
In einer Reihe von Landesregionen (inklusive der Moskauer Region – Anmerkung der Redaktion) hält die angespannte Situation um die Kraftstoff-Lieferungen für Tankstellen an, mussten am Freitag Vertreter des Energieministeriums eingestehen. Wie der Regierungspressedienst betonte, habe man im Verlauf einer Beratung die Situation um die Kraftstoffversorgung der Verwaltungsgebiete Orenburg, Lipezk, Twer und Orjol, der Republiken Tywa und Chakassien sowie der Verwaltungsregionen Krasnodar, Transbaikalien, Primorje und Krasnojarsk erörtert. Nach Aussagen von Vertretern des Energieministeriums würden die großen Ölkonzerne die erforderlichen Maßnahmen zur Erhöhung der Lieferungen für die anfälligsten Subjekte der Russischen Föderation ergreifen.