Der Stellvertreter des Befehlshabers der Libyschen Nationalarmee (LNA) Saddam Haftar, der sich zu einem offiziellen Besuch in Russland befand, ist von Präsident Wladimir Putin empfangen worden. Dies meldete der Pressedienst der LNA. Die Reise des Kommandeurs, der als mögliches künftiges Oberhaupt Ostlibyens angesehen wird, ist zur ersten geworden, nachdem Moskau offiziell seine Präsenz im Mittelmeerraum veränderte, nachdem es ein Abkommen über die Militärstützpunkte mit der gegenwärtigen Führung Syrien unterzeichnet hatte. Vor diesem Hintergrund habe die russische Seite begonnen, auch die Landkarte ihrer Präsenz in Libyen zu verändern, schrieben US-amerikanische Medien.
Dass sich Saddam Haftar mit Wladimir Putin im Kremlpalast in Moskau im Rahmen seines offiziellen Russland-Besuches getroffen hatte, meldete der Pressedienst der LNA am späten Abend des 19. August.
„Saddam Haftar übergab Grüße von Feldmarschall Khalifa Haftar (seinem Vater und dem Defacto-Herrscher von Kyrenaika — Ostlibyen — „NG“), dem Oberkommandierenden der Libyschen Nationalarmee, an Präsident Putin und dem befreundeten russischen Volk, wobei er tiefen brüderlichen Bande zwischen beiden Ländern unterstrich und das Festhalten des Oberkommandos an einer Verstärkung der Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation in unterschiedlichen Bereichen im Interesse beider Länder bestätigte“, heißt es in einer LNA-Erklärung, die in den sozialen Netzwerken verbreitet wurde.
Während seines Besuchs traf sich Saddam Haftar gleichfalls mit Russlands Verteidigungsminister Andrej Beloussow. Wie die Libysche Nationalarmee informierte, wurde die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern erörtert, die auf eine Bewahrung der Stabilität im Norden Afrikas ausgerichtet ist. Auf die Agenda der Gespräche gerieten gleichfalls die letzten Ereignisse in der internationalen Arena. Die Seiten behandelten, wie der LNA-Pressedienst betonte, Formen für eine Verstärkung der Partnerschaft auf dem Gebiet der Verteidigung zwischen Russland und Ostlibyen. Es sei daran erinnert, dass gerade in diesem Teil des nordafrikanischen Landes nach wie das „Afrikanische Korps“ Moskaus – eine offizielle Struktur im Bestand des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation – disloziert ist, das einer Reihe von Ländern des Kontinents im Kampf gegen die Islamisten hilft (und daher in Russland aktiv nach neuen Angehörigen sucht und entsprechende Werbung gar in öffentlichen Verkehrsmitteln schaltete – Anmerkung der Redaktion).
Das letzte Mal besuchte Saddam Haftar, den man als den wahrscheinlichsten Nachfolger im Amt des Oberkommandierenden der LNA ansieht, im Mai dieses Jahres Moskau. Jetzt aber war zu einem wichtigen Hintergrund seiner Visite die Veränderung in den Parametern der russischen Präsenz im Mittelmeer-Anrainerstaat Syrien geworden. Das Außenminister der Syrischen Arabischen Republik teilte am 9. August bist, dass Damaskus und Moskau zu einem Abkommen über eine Reorganisation der russischen Militärpräsenz an der Mittelmeerküste gekommen seien. Gemäß den Vertragsbestimmungen sollen die Militärobjekte, die Russland lange Zeit in dem Nahost-Land genutzt hatte, den Charakter ihrer Arbeit ändern und zu Ausbildungszentren umgewandelt sowie gemeinsam von russischen und syrischen Militärs genutzt werden.
Unter Berücksichtigung dessen, dass Syrien und Libyen lange Zeit für Russland eine geschlossene Logistik-Kontur in der Mittelmeerregion darstellten, muss sich die Veränderung in der russischen Präsenz in Syrien auch auf die Form des Einflusses der Russischen Föderation in der einstigen Dschamahirija auswirken.
Zwei Tage nach Unterzeichnung des entsprechenden russisch-syrischen Memorandums teilte das Nachrichtenportal Africa Defense Forum, das offiziell mit dem Afrika-Kommando der US-Streitkräfte verbunden ist, mit, dass Moskau die Präsenz in Libyen auf sechs nationalen Luftwaffen-Stützpunkten verstärke, indem es Militärtechnik, Personal und andere Kräfte verlegt. Laut diesen Angaben habe Russland begonnen, die Infrastruktur auf diesen Luftwaffenstützpunkten zu vervollkommnen, aber auch Pläne für eine Modernisierung der Hafen- und der Luftwaffen-Infrastruktur der Stadt Tobruk schmiede. Diese Objekte könnte, wie das Africa Defense Forum betont, die Transitroute in einige Sahel-Länder, in denen das russische Afrika-Korps auch handelt, verbessern.
Wie der Nahost-Experte Anton Mardassow der „NG“ erläuterte, seien die Objekte in Syrien und Libyen eng vernetzt. „Khmeimim wirkt als ein Transitpunkt – als eine Schaltstelle – für die Verlegung von Frachtgütern nach den libyschen Stützpunkten und deren weiteren Aufteilung im Interesse des Afrika-Korps“, erläuterte der Experte. „Natürlich gibt es die Möglichkeit einer Verlegung von Technik auf dem Seeweg, beispielsweise über Guinea. Es ist aber klar, dass solch eine Variante eine ganz andere Zeitspanne zwischen dem Versand und der Entfaltung vorsieht“. Nach Aussagen des „NG“-Gesprächspartners verändere sich die Situation in Libyen allmählich, obgleich sie äußerlich „unverändert aus der Sicht der Kontrolle über den Osten durch die Familie der Haftars, wo die Meinungen in Bezug auf die künftige Entwicklung polare sind, aussieht“.
Die libyschen Seiten würden nach Aussagen von Mardassow diversifizierte Beziehungen mit verschiedenen ausländischen Akteuren, zum Beispiel mit der Türkei und den USA, entwickeln, Manöver durchführen sowie die Vorschläge der internationalen Staatengemeinschaft zu politischen Reformen im Rahmen des Plans für eine Vereinigung und Aussöhnung der früheren Dschamahirija berücksichtigen. „Daher erfordert die Situation in Libyen einen ständigen „Uhrenvergleich“ und ein Reagieren auf die Initiativen der anderen Akteure, von denen die Bedingungen der Stationierung eines Militärkontingents im Ostteil Libyens abhängen können. Dies betrifft beispielsweise die Türkei, Nicht zufällig erfolgte der Moskau-Besuch von Saddam Hafter, nachdem der türkische Außenminister Hakan Fidan Benghazi besucht hatte“, resümierte der „NG“-Gesprächspartner.