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Den Ländern Zentralasiens will man den Zugang zum Meer blockieren


Die Administration von Donald Trump verstärkt die Wirtschaftsblockade Irans und verlangt von dessen Partnern, zwischen den Kontakten mit Teheran und dem Zugang zum Finanzsystem der USA zu wählen. Unter Druck geraten sind auch die Länder Zentralasiens. Ihr Handel mit dem Iran ist kein großer, doch für die Republiken ohne einen Zugang zum Meer dient dieses Land als ein Weg zu Häfen des Persischen Golfs und erlaubt, die Abhängigkeit von Russland und China zu verringern.

US-Außenminister Marco Rubio hat die amerikanischen Botschaften beauftragt, den Regierungen eine offizielle Demarche zu übergeben. Washington verlangt, den Handel mit dem Iran einzustellen, mit ihm verbundene Unternehmen zu ermitteln und Filialen der Banken Melli und Saderat zu schließen. Denjenigen, die sich nicht an diese Forderung halten, droht man sekundäre Sanktionen und ein Abtrennen vom Dollarsystem an. Darüber hatte dieser Tage das Nachrichtenportal Axios informiert. Spezielle Anweisungen haben auch Vertretungen der USA in einigen Hauptstädten Zentralasiens erhalten, aber in welchen konkret, hatte die Internetzeitung nicht präzisiert.

Die Offiziellen der Region haben bisher nicht öffentlich auf die Androhungen der USA reagiert. Astana und Taschkent werden wohl kaum eine Zuspitzung der Beziehungen mit dem Weißen Haus wollen. Donald Trump hat Qassym-Schomart Tokajew und Shavkat Mirsijojew zum G-20-Gipfeltreffen in Miami (am 14. und 15. Dezember dieses Jahres – Anmerkung der Redaktion) eingeladen. Duschanbe braucht eine auswärtige Finanzierung, und Aschgabat vermeidet vom Prinzip her laute Erklärungen. Freier kann sich in der Rhetorik Bischkek fühlen, das bereits „inadäquate“ Entscheidungen der USA angefochten hat.

Ungeachtet dessen, dass der Warenaustausch mit den Ländern der Region ein recht bescheidener ist, machte er im Jahr 2024 rund 1,9 Milliarden Dollar aus. Und jede der Republik hat ihre eigenen Interessen mit Blick auf den Iran. Die engsten Beziehungen mit dem Iran hat Turkmenistan. Der bilaterale Austausch wird auf etwa 600 Millionen Dollar geschätzt. Über die gemeinsame Grenze gelangen Lebensmittel, Textilien, petrolchemische Erzeugnisse und Baumaterialien. Und besonders wichtig ist die Zusammenarbeit im Gassektor. Im Jahr 2024 vereinbarten Aschgabat und Teheran Lieferungen von bis zu zehn Milliarden Kubikmeter turkmenischen Erdgases für den Irak über den Iran im Jahr. Im vergangenen Jahr hat auch ein Schema für turkmenische Gaslieferungen in die Türkei über iranisches Territorium zu funktionieren begonnen.

Eine Einstellung des Handels bedroht die Pläne von Aschgabat, für das Gas neue Märkte zu finden und die Abhängigkeit von China zu verringern. Turkmenistan kann die SWOPs als technischen Transit bezeichnen, doch die Sanktionen erstrecken sich auch auf Transport- und Finanzleistungen.

Usbekistan erzielte mit dem Iran einen Handelsumsatz von 500 Millionen Dollar im Jahr 2024 und im Jahr 2025 – von 579 Millionen Dollar. Dies sind weniger als ein Prozent des Außenhandels. Und die direkten Lieferungen kann man ersetzen. Wichtiger ist der Transit. Im vergangenen Jahr wurden durch den Iran Waren im Wert von etwa 3,9 Milliarden Dollar nach Usbekistan geliefert. Oder neun Prozent des Imports. Deren Zustellung hing von der iranischen Infrastruktur ab. Und ungeachtet des ständigen Beschusses des Irans funktioniert heute weiterhin die Südroute und verschafft Taschkent einen Zugang zum Persischen Golf und zu den Märkten Indiens und des Nahen Ostens. Sein Verlust wird empfindlicher als die Verringerung des Handels sein. In Taschkent arbeitet gleichfalls eine Tochterbank von Saderat Iran, die mit Stand vom Beginn des Septembers die Lizenz der Zentralbank Usbekistans bewahrt hatte. Daher betrifft der Bankenteil der US-Forderung vor allem Taschkent.

Als besonders unbequem hat sich die Demarche für Tadschikistan erwiesen. Im Jahr 2024 hatte dessen Handel mit dem Iran einen Umfang von 377,7 Millionen Dollar erreicht, wobei der Import um mehr als das 2fache größer als der Export gewesen war. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz bis auf 438 Millionen Dollar an. Und der Iran rückte in die Top-5 der größten Handelspartner der Republik auf.

Duschanbe hat begonnen, den Erwerb iranischer Brenn- und Kraftstoffe zu erörtern. Am 15. August 2026 führten die Energie- und Transportminister Gespräche in Teheran über Erdölprodukte zu vergünstigten Preisen und Rohöl für die einheimischen Raffinerien. Energieminister Daler Dshuma bezeichnete die Erhöhung des Imports als eine Priorität. Der Vertrag mit genauen Preisen und Mengen ist bisher nicht unterzeichnet worden. Die Absicht von Duschanbe ist aber klar: Der Iran bietet preiswerte Brenn- und Kraftstoffe und einen Weg gen Süden, während die USA den Zugang zum Dollar-System kontrollieren. Die Einsparungen dank Benzin kompensieren nicht den Schaden aufgrund von Sanktionen gegen tadschikische Banken.

Kasachstan hatte im Jahr 2024 einen Handelsumsatz mit dem Iran von etwa 340 Millionen Dollar, im vergangenen Jahr – von 430 Millionen Dollar. Teheran ist für die Getreideerzeuger wichtig, aber auch foe Bahnroute zum Persischen Golf als ein Teil des Korridors „Nord-Süd“. Ein Abbruch wird für die Wirtschaft kein kritischer sein, trifft aber die Agrarier und die Transportpläne von Astana.

Den unerheblichsten Warenaustausch mit dem Iran hat Kirgisien. Im Jahr 2024 machte der Warenaustausch 58,5 Millionen Dollar aus. Solch einen Markt kann man ersetzen, obgleich einzelne Produzenten Verluste erleiden werden.

Es gibt da aber auch ein rechtliches Problem. Kasachstan und Kirgisien gehören zur Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU). Und im Mai vergangenen Jahres ist ein Freihandelsabkommen des Bündnisses mit dem Iran in Kraft getreten. Jetzt verlangen die USA, den Handel einzustellen, den die Regeln der EAWU zu erweitern vorschlagen. Astana und Bischkek können dies nicht tun, ohne die Beziehungen mit den Partnern zu tangieren.

Wahrscheinlich werden die Republiken keinen vollkommenen Bruch mit Teheran erklären. Als erste werden die Banken Einschränkungen einführen. Sie werden die Kontrolle der Kunden verstärken und beginnen, auf riskante Operationen zu verzichten. Die Regierungen werden die USA um die Listen der verbotenen Unternehmen und um eine Übergangsperiode bitten. Sie werden sich aber bemühen, den Handel mit Lebensmitteln und Medikamenten zu bewahren.

Die USA stellen Zentralasien vor eine schwierigere Entscheidung als aus der Statistik folgt. Der Iran ist nicht der Hauptmarkt der Region, verschafft ihr aber einen südlichen Ausweg aus der kontinentalen Isolation. Washington verlangt, diese Richtung im Interesse eines Zugangs zu westlichen Finanzen zu opfern. Je härter die Sanktionen desto geringer wird der Raum für eine Mehrvektoren-Politik bleiben.

Der Politologe Derja Karajew betonte in einem Gespräch mit der „NG“, dass es bisher keine Bestätigung dafür gebe, ob durch das US-Außenministerium eine gewisse Forderung an die Regierungen der Länder Zentralasiens über eine Einschränkung oder Einstellung des Handels mit dem Iran gerichtet wurde. Die Informationen würden aber vollkommen der Logik einer „beispiellosen, allumfassenden Wirtschaftskampagne gegen die Islamische Republik Iran und deren Komplizen“ unter dm Namen „Economic D-Day“ entsprechen, die bereits am 24. August durch das Finanzministerium der USA verkündet worden war. Im Rahmen dieser Kampagne war die Operation „Economic Outcast“ angekündigt worden, die entsprechend der Absicht des US-Finanzministeriums „die wirtschaftlichen Lebenslinien zerreißt, die das iranische Regime und die Revolutionsgarde unterstützen. Diese Handlungen markieren heute den Beginn einer langen und systematischen Kampagne zur Abriegelung aller Finanzressourcen, die den führenden staatlichen Terrorismus-Sponsor unterstützen“.

Zweifellos wird die Androhung sekundärer Sanktionen aufgrund des Handels und der Nutzung des Transits durch den Iran zu einer weiteren Prüfung für den Subjektcharakter der Regierungen der Länder Zentralasiens. Die erste derartige Prüfung hatten sie sang- und klanglos vermasselt, als sie losstürzten, den sogenannten Mittleren Korridor zu entwickeln, zu dessen einzigem Sinn die Suche nach „alternativen“ Wegen für ein Herauskommen nach Europa geworden war, unter Umgehung der russischen Routen, die unter Sanktionen geraten waren oder nur aufgrund der Gefahr solcher Sanktionen. Anstelle des Demonstrierens einer prinzipiellen und konsolidierten Position, die die eigenen Wirtschaftsinteressen verteidigt, hatten die Offiziellen der Länder Zentralasiens entschieden, sich dem Teil des Projekts der EU „Global Gateway“ anzuschließen, der sich mit dem Mittleren Korridor deckte, zu dessen Hauptaufgabe der Versuch einer Isolation Russlands (und des Irans) geworden war, aber nicht die reale wirtschaftliche Zweckmäßigkeit“, sagte der Politologe.

Nach seinen Worten würden alle Mantras von einer Effektivität der Nutzung der Hauptkomponente des Mittleren Korridors – der Transkaspischen Route – auf einen „Flaschenhals“ in Gestalt des verlandenden Kaspischen Meeres stoßen, wo die effektive Beladung der Schiffe bereits auf 60 bis 75 Prozent zurückgegangen sei, da es unmöglich geworden ist, mit einem größeren Schiffstiefgang die Häfen anzulaufen. Und der bei den Offiziellen der Länder Zentralasiens in Mode gekommene Begriff „Multimodalität“ bedeute lediglich ein Umladen von einer Art von Transportmitteln auf eine andere, was eine Zunahme der Kosten und der Zeit für den Transport der Frachtgüter bedeutet.

Die Erklärungen von Politikern und Experten aus Zentralasien, wonach „Global Gateway“ mit dem Mittleren Korridor die Transportverbindung Chinas und Europas gewährleisten sollen, sind zumindest naiv. Zum nächsten Objekt für die Ausübung von Druck der USA wird China. Und die Länder Zentralasiens werden ein weiteres Mal zu einem Subjekt, dem man einfach keine Wahl lassen wird“, unterstrich der Experte.