Laut armenischen Statistik-Angaben gestalte Jerewan seit Jahresbeginn seinen Außenhandel um, wobei es die Kontakte mit Russland verringere und sie mit Ländern der EU und China entwickele. Parallel dazu versucht es, seinen Status in der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) zu klären. Einerseits haben sich die armenischen Offiziellen in der Organisation über die russischen Restriktionen beschwert, andererseits aber bittet man sie selbst, sich festzulegen, ob sie in dem Bündnis bleiben wollen.
Der Pressesekretär von Russlands Präsident, Dmitrij Peskow, hat mitgeteilt, dass Wladimir Putin bald in Moskau Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan empfangen könne. Zuvor hatten die Seiten dies im Verlauf von Gesprächen am Rande des Gipfeltreffens der Shanghai-Organisation für Zusammenarbeit in Bischkek vereinbart. Sie werden unter anderem die Übereinstimmung des Kurses von Armenien auf eine Euro-Integration und die Bewahrung dessen Mitgliedschaft in der EAWU erörtern.
Derweil rechnet Armenien damit, mit Hilfe von Mechanismen der EAWU Russland zu zwingen, seine Restriktionen für die Lieferung und den Transit einer Reihe armenischer Waren aufzuheben. Nach Aussagen des stellvertretenden Wirtschaftsministers der Republik Tigran Gasparjan sei Jerewan der Auffassung, dass die Handlungen Moskaus nicht den grundlegenden Prinzipien der Organisation entsprechen würden.
„Hier sind nicht nur unsere Kontakte mit Russland wichtig, sondern auch unsere Möglichkeiten im Rahmen der EAWU, da konkrete Mechanismen existieren, die man für eine Beseitigung derartiger Hindernisse nutzen kann. Wir nutzen aktiv diese Möglichkeit. Wir haben uns mit Beschwerden gemeldet und hoffen, dass diese Mechanismen für eine Beseitigung der Hindernisse funktionieren werden“, sagte Gasparjan.
Zur gleichen Zeit unterstrich er, dass Armenien auf für sich neue Märkte kommen müsse, um die eigene wirtschaftliche Stabilität und ein intensives Wachstum zu sichern. Dementsprechend müssten die armenischen Unternehmer Erzeugnisse mit einem hohen Mehrwert herstellen, wobei die erhöhten Qualitätsstandards eingehalten werden.
„Armenien versucht zu beweisen, dass die russischen Einschränkungen sozusagen einseitig verhängt wurden, was gegen die Regeln der EAWU verstößt. Dabei ignoriert Jerewan den Umstand, dass es anfangs selbst den Kurs auf eine Euro-Integration bestätigt hat, was die eurasischen Prinzipien ernsthaft verletzt. Faktisch möchte es eine Bewegung gen EU fortsetzen, wobei es in der EAWU bleibt“, erklärte der „NG“ der wissenschaftliche Oberassistent des Zentrums für postsowjetische Studien des Instituts für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften Stanislaw Prittschin.
Es sei erinnert, dass Russland begonnen hatte, seine Restriktionen zu verhängen, vor allem gegen Agrarerzeugnisse, nachdem in Jerewan Gipfeltreffen der Europäischen Gemeinschaft, aber auch der Europäischen Union und Armeniens stattgefunden hatten. Damals hatte auch das Oberhaupt der Ukraine Wladimir Selenskij die Republik besucht. Außerdem hatten im Verlauf der Vorbereitung zu den Parlamentswahlen die Anhänger von Paschinjan behauptet, dass die Opposition, die sich auf Hilfe aus Russland stütze, einen Staatsstreich vorbereite. In Moskau beharrt man allerdings darauf, dass die Verhängung der Einschränkungen für armenische Waren keinen politischen Hintergrund hätten und ausschließlich mit den in ihnen gefundenen Parasiten und anderen technischen Problemen zusammenhängen würden.
Wie dem da nun auch immer sein mag, laut Angaben des Statistik-Komitees Armeniens ist der Außenhandelsumsatz der Republik in den ersten sieben Monaten dieses Jahre um 1,7 Prozent bis auf 11,54 Milliarden Dollar angestiegen. Dabei erhöhte sich im Juli der Außenhandelsumsatz um 6,7 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres und um 9,2 Prozent im Vergleich zum Juni. Freilich, ist in diesen sieben Monaten der Export um 7,9 Prozent zurückgegangen (im Juni machte der Einbruch 19,4 Prozent und im Juli 15,7 Prozent aus). Der Import erhöhte sich dagegen um 7,7 Prozent. Die Spitzenwerte erreichte er im Februar (31,3 Prozent), im Juni (15,3 Prozent) und im Juli (21,5 Prozent).
Der Warenaustausch Armeniens mit den Ländern der Europäischen Union belief sich im Zeitraum Januar-Juli auf rund 2,19 Milliarden Dollar, womit er sich um 57,2 Prozent im Vergleich zum analogen Zeitraum des Jahres 2025 erhöhte. Unter den einzelnen EU-Ländern nahm der Warenaustausch spürbar mit Deutschland zu – um 28,7 Prozent. Und mit Bulgarien gar um das 5,1fache.
Der Handel mit den Ländern der EAWU machte 3,35 Milliarden Dollar aus, womit er um 18,4 Prozent schrumpfte. Russland bleibt der größte Handelspartner Armeniens: Der Warenaustausch zwischen beiden Ländern machte im Zeitraum Januar-Juli rund 3,12 Milliarden Dollar aus. Jedoch ist er im Vergleich zum analogen Zeitraum des Vorjahres um 20,5 Prozent zurückgegangen.
Dafür wächst der Warenaustausch zwischen Armenien und China. In den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres erhöhte er sich um 25,6 Prozent bis auf 1,81 Milliarden Dollar.
Auf der Grundlage der Daten für die ersten sieben Monate dieses Jahres kann man nicht mit Gewissheit von einer Transformation der Handelsbeziehungen Armeniens mit der Welt sprechen. Aber einige Tendenzen sind dennoch auszumachen. Parallel dazu versucht Jerewan, ein visafreies Regime mit der Europäischen Union herzustellen. In der Regierung Armeniens hofft man, dessen Einführung im Jahr 2029 zu erreichen. In der EU will man aber vorerst nicht herumrätseln.
„Es ist zu früh, um darüber zu sprechen: Wird das Jahr 2029 oder ein anderes Datum zum Moment für eine Liberalisierung des Visa-Regimes mit Armenien? Ich kann sagen, dass es ja vorerst zu früh ist, von einem konkreten Datum zu sprechen“, sagte Paula Pinho, die Sprecherin der Europäischen Kommission.