Nach dem Erfolg der neuen Präparate zur Kontrolle der Körpermasse hat die Welle einer großen Nachfrage nach Medikamenten gegen Adipositas (Fettsucht) Russland erfasst. Die Verkaufszahlen dieser Mittel sind im letzten Jahr um das 2fache hinsichtlich der Verpackungen und wertmäßig fast um das 2,5fache angestiegen. Die Injektionen für eine Gewichtsabnahme werden heute in der Russischen Föderation zu Preisen des US-amerikanischen und europäischen Markts verkauft. Präparate gegen Fettsucht kaufen etwa eine Million Bürger Russlands, obgleich zigmal mehr unter Adipositas leiden. Im April dieses Jahres teilte Russlands Gesundheitsminister Michail Muraschko mit, dass 40 Prozent der Bevölkerung Übergewicht haben. Und die Verbreitung von Fettsucht unter der erwachsenen Landesbevölkerung mache fast 25 Prozent aus.
Die Nachfrage nach Präparaten gegen Fettsucht nimmt in Russland rasch zu. In den letzten zwölf Monaten sind in der Russischen Föderation 14 Millionen Packungen solcher Heilmittel für fast 80 Milliarden Rubel verkauft worden. Dies 2mal mehr als vor einem Jahr hinsichtlich der Anzahl an Packungen und 2,4mal mehr in Rubeln, teilte das Fachblatt „Medvestnik“ unter Verweis auf Berichte des Unternehmens AlphaRM mit. Der Großteil der Präparate gegen Adipositas wird in kommerziellen Apotheken verkauft.
Und der Staat hat im Zeitraum August 2025 – Juli 2026 lediglich 4,8 Prozent des Gesamtumfangs der Präparate gegen Fettsucht in Rubel und 5,8 Prozent in Bezug auf Packungen gekauft. Das heißt, dass die Medikamente für eine Kontrolle der Körpermasse die Patienten selbst erwerben.
Der Durchschnittspreis einer Packung von Medikamenten zur Gewichtsverringerung belief sich auf rund 5600 Rubel (umgerechnet etwa 58 Euro). In Abhängigkeit vom Wirkstoff wurde eine Monatsdosis in Russland für 12.800 bis 17.000 Rubel (umgerechnet etwa 132 bis 175 Euro) verkauft.
Im Zuge der Erweiterung der Herstellung einheimischer analoger Präparate hat sich in Russland ihr Preis im letzten Jahr um zehn Prozent und sogar um 28 Prozent verringert (in Abhängigkeit von den Wirkstoffen). Während vor ein paar Jahren sich sehr reiche Bürger Russland Injektionen für eine Gewichtsabnahmen machten, so tun dies heute bereits einfach reiche.
Das russische Gesundheitsministerium registriert seit 2019 immer neuere Generationen von Mitteln für eine Gewichtsabnahme zwecks Anwendung in unserem Land. Die Aufnahme dieser Präparate in die offiziellen klinischen Empfehlungen streben sowohl die Hersteller der Präparate als auch Lobbyisten in der russischen Gesellschaft an. Der potenzielle russische Markt der Medikamente für eine Gewichtsabnahme ist bisher zu knapp zehn Prozent gesättigt. Für eine weitere Sättigung dieses Marktes werden nicht nur eine Verringerung der Preise und einer Erhöhung der Zugänglichkeit der Medikamente gebraucht, sondern auch die Überwindung wahrscheinlicher Nebenwirkungen.
Ende August dieses Jahres forderte das Gesundheitsministerium, die Käufer von Mitteln zwecks Gewichtsabnahme vor einem möglichen Verlust des Sehvermögens zu warnen. Die Beamten verlangen, die Anleitungen für die Anwendung eines der Mittel für eine Gewichtsabnahme umzuschreiben, wobei sie durch Warnungen vor einer möglichen Beeinträchtigung der „Sehorgane“ ergänzt werden, die freilich „sehr selten“ auftrete. Die Verpackungsbeilage muss jetzt die Empfehlung enthalten: „Wenn Sie bei der Heilbehandlung mit diesem Präparat einen plötzlichen Verlust des Sehvermögens oder dessen rasche Verschlechterung bemerken, wenden Sie sich unverzüglich an einen Arzt“.
Allerdings haben fast alle Medikamente Nebenwirkungen. Und jeder Patient muss selbständig die Risiken durch die Einnahme von Präparaten zwecks Gewichtsabnahme und die generellen Risiken aufgrund wahrscheinlicher Komplikationen und Erkrankungen, die mit einer Fettsucht verbunden sind, beurteilen.
Ein Orientierungsanhalt für eine Reduzierung der Preise für Adipositas-Medikamente gab Ende vergangenen Jahres US-Präsident Donald Trump vor. Im November 2025 gab Trump im Weißen Haus den Abschluss von Abkommen mit mehreren Pharma-Unternehmen über eine Absenung der Preise für eine Gruppe von Präparaten zur Adipositas-Kontrolle bekannt. Die Anfangstabletten-Dosen begannen 149 Dollar im Monat zu kosten, und für Injektionen – ab 245 Dollar. Trump erklärte, dass diese Entscheidung über eine Reduzierung der Preise Millionen betagten und sozial schwachen Amerikanern erlauben werde, Zugang zu Medikamenten zu erhalten, die früher bis zu 1000 Dollar im Monat kosteten. Die Teilnehmer am nationalen Sozialversicherungsprogramm in den USA für Personen ab 65 Jahren werden für die Monatsdosis des entsprechenden Präparats gegen Fettsucht 50 Dollar bezahlen.
In Russland machte die Zahl der Patienten mit der registrierten Diagnose „Adipositas“ im vergangenen Jahr rund drei Millionen Menschen aus. Spezialisten nennen jedoch völlig andere Zahlen.
„Jeder dritte Bürger Russlands hat Fettsucht, und jeder weitere dritte hat Übergewicht. Das heißt: Ausgehend von der Verbreitung haben mindestens 40 Millionen Bürger Übergewicht oder neigen zu Fettsucht. Und dies ist bereits eine Kategorie von Bürgern Russlands, die einer Arbeit an einer Adipositas-Prophylaxe bedürfen“, teilte Natalia Mokryschewa, Direktorin des Zentrums für Endokrinologie des Gesundheitsministeriums und Akademiemitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, mit. Nach ihren Worten müsse man für eine Adipositas-Prophylaxe sein Ernährungsverhalten und die Ernährungsgewohnheiten ändern, aber auch erheblich die physische Aktivität erhöhen. Im Falle des Stellens der Diagnose mache es auf keinen Fall Sinn, den Versuch zu unternehmen, selbständig die Fettsucht mit Medikamenten zu behandeln. Die Therapie müsse ausschließlich unter Beobachtung eines Arztes durchgeführt werden.
„Fettsucht spielt eine sehr wichtige Rolle bei der Beschleunigung der biologischen Alterung“, erklärte die Spezialistin. Sie fügte hinzu, dass die Entwicklung von Fettsucht erheblich Stress, eine falsche Ernährung, eine unzureichende (körperliche) Aktivität und schädliche Angewohnheiten beeinflussen würden. Adipositas erhöhe das Sterberisiko, fördere die Entwicklung kognitiver Störungen, Störungen des Herz-Kreislauf-Systems, eine chronische Entzündung und Verringerung der Muskelfunktion, erinnert Natalia Mokryschewa.
Der wirtschaftliche Schaden Russlands durch Menschenverluste aufgrund von Krankheiten, die mit Übergewicht verbunden sind, könne im Jahr 0,7 Prozent des BIP erreichen, hat man in der in Moskau beheimateten Wirtschaftshochschule berechnet. Solch eine Schätzung wurde aufgrund der Annahme gewonnen, dass alle an Adipositas-Erkrankungen Verstorbenen an der Erzeugung des Bruttoinlandsproduktes hätten teilnehmen können. Der Gesamtumfang des nicht erzeugten BIP im Zeitraum des möglichen längeren Lebens der im Jahr 2023 aufgrund von Fettsucht und Übergewicht Verstorbenen könne laut Berechnungen der Wirtschaftshochschule 1,25 Billionen Rubel in den Preisen des Jahres 2023 ausmachen.