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Wen sollte Russland unterstützen – Gianni Infantino oder dessen Gegner?


FIFA-Präsident Gianni Infantino hat in Erwartung des Oktober-Treffens des Rates des Weltverbands, den er leitet, erklärt, dass er sowohl zu Reformen als auch zu Konsultationen und Vorschlägen bereit sei, um „den Prozess des Treffens von Entscheidungen zu verbessern“ sowie „Offenheit und Verantwortung“ zu gewährleisten. Er lässt gar zu, dass irgendeine auswärtige Struktur die Arbeit der FIFA bewertet. Dies sind Konsequenzen des Sommer-Skandals. Der 56jährige Infantino hatte sich angeschickt, einen speziellen Fonds zu schaffen und einen Teil der kommerziellen Rechte hinsichtlich der FIFA-Turniere (vor allem der Fußball-Weltmeisterschaften) an private Investoren zu verkaufen. Dies empörte die Verbände in Europa, Asien und Zentralamerika. Und sie drohten mit einem Boykott. Infantino hat einen Rückzieher gemacht.

Der gegenwärtige FIFA-Chef beabsichtigt, im März kommenden Jahres für eine vierte Amtszeit gewählt zu werden. Derzeit fliegt er durch die Welt, unterhält sich mit Offiziellen und Chefs von Fußballverbänden und sichert sich eine Unterstützung. Infantino erwartet man auch bei der UNO-Vollversammlung in New York. Derweil gibt es bereits nicht wenige Verbände, vor allem europäische, Mitglieder der UEFA, die erklärten, dass sie nicht für den amtierenden Präsidenten der FIFA stimmen werden. Bis Mitte November müssen sie sich hinsichtlich eines alternativen Kandidaten festlegen. In den Medien nennt man verschiedene Varianten – von der Vorsitzenden des norwegischen Verbands Lise Klaveness und dem Präsidenten und Eigentümer des Fußballklubs Legia Warschau Dariusz Mioduski bis zu dem berühmten ehemaligen Trainer Arsène Wenger und dem Präsidenten der CONCACAF (Confederation of North, Central America and Caribbean Association Football), Victor Montagliani.

Zur gleichen Zeit begreifen alle, dass Infantino der Favorit bleibt und wahrscheinlich siegen wird. Wahrscheinlich deshalb hat sich die UEFA an Gerichte gleich von drei US-Bundesstaaten gewandt, um eine Überprüfung der Tätigkeit von Infantino zu erreichen. Es wird unter anderem vermutet, dass er vorsätzlich den Wert der FIFA-Vermögenswerte geringer ausweisen konnte, um einen Anteil billiger an den Fonds zu verkaufen, der mit einem der Verwandten von US-Präsident Donald Trump liiert ist. Die Gegner von Infantino fürchten allem Anschein nach eine Wiederholung der Geschichte von FIFA-Ex-Präsident Sepp Blatter, der im Jahr 2015 wiedergewählt worden war, aber bald danach den Posten aufgrund eines Korruptionsskandals verließ.

Bemerkenswert ist, dass sich Russland im Sommer den anderen UEFA-Mitgliedern angeschlossen hat, als sie Infantino mit einem Boykott drohten. Dies war getan worden, obgleich der FIFA-Präsident im Februar gesagt hatte, dass eine Suspendierung der russischen Mannschaften nur die Situation verschlimmere. Der europäische Verband hat bisher nicht vor, Russland zurück ins Boot zu holen. Und es schien, dass es Sinn gemacht hätte, den loyaleren Infantino zu unterstützen. Aber im Sommer hat der FIFA-Präsident einen von vornherein verlorenen Kampf geführt. Was soll jetzt aber Russland tun, da es schon nicht mehr um einen Kampf geht, sondern um einen wahren Krieg, um ein Ringen um die Macht in der FIFA?

Man kann sich der UEFA anschließen, den Europäern helfen, Infantino zu stürzen, und darauf hoffen, dass der dankbare Sieger die russischen Teams zu seinen Turnieren zurückholen wird. Dies scheint naiv zu sein. Die UEFA knüpft ein globales Netz der Unterstützung, versucht, Infantino Afrika wegzunehmen. Und die Stimme Russlands (zumal es mit einem Bann belegt ist, ist für sie nicht so gewichtig. Für eine offene Verurteilung von Infantino wird unser Land nichts erhalten.

Aber auch eine Unterstützung für Infantino wird Russland wenig einbringen. Nach den Februar-Worten über die Sinnlosigkeit des Banns hat er fast nichts getan. Die Zulassung zum Turnier für die U15-Mannschaften, das letztlich Island und Deutschland boykottiert haben, ist ein sehr vorsichtiger Schritt. Im Vergleich dazu hat das Internationale Olympische Komitee mit der Zurückziehung der Empfehlung, die russischen Starter nicht zu Wettkämpfen zuzulassen, weitaus mehr getan. Infantino folgte stets der internationalen politischen Konjunktur. Und in den letzten Jahren – unter Trump – auch noch der US-amerikanischen. Er demonstriert üblicherweise keinen eigenen politischen Willen. Russland bleibt dabei ein Mitglied der UEFA. Eine offene Unterstützung für Infantino würde endgültig seine Beziehungen mit den einflussreichen Europäern verderben.

Russland bleibt nur, sich treiben zu lassen, den März abzuwarten, ohne sich dabei öffentlich zu äußern und an sich zu denken. Keiner garantiert ihm eine Aufhebung des Banns aus Dankbarkeit für die Unterstützung.