Nach Jahrzehnten des Verfalls ist das Zentrale Moskauer Hippodrom an der Begowaja-Straße nach einer komplexen Rekonstruktion eingeweiht worden. Und jetzt ist dies nicht einfach ein der Stadt zurückgegebenes und entsprechend hoher Standards restauriertes Zentrum für Freizeit und Erholung der Hauptstädter mit einer beinahe zweihundertjährigen Geschichte, sondern auch ein für das ganze Land wichtiges Reitsportzentrum, das zu einem Flaggschiff der russischen Hippodrome und Austragungsort für internationale Wettbewerbe wird.
Das 1834 gegründete Hippodrom ist das älteste in Russland und weltweit das erste für Trabrennen. Bis Ende der 1980er war es einer der interessanten Erholungsorte in der Hauptstadt. Danach setzte eine Pause ein. Von 1992 bis einschließlich des Jahres 2000 wurden ganz und gar keine Rennen durchgeführt. Wiederaufgenommen hat man sie in den Nulljahren, aber in weitaus geringeren Ausmaßen als früher. Die Infrastruktur verfiel. Und das Hippodrom verlor allmählich sowohl die Zuschauer als auch den Status.
Jedoch konnte Moskau solch ein aussichtsreiches Objekt nicht verlieren. Und die Stadtregierung Moskaus arbeitete mit Russlands Landwirtschaftsministerium ein Projekt für eine Rekonstruktion aus, das eine Wiedergeburt des Moskauer Hippodroms und die Schaffung eines einmaligen Sport- und Freizeitzentrums auf dessen Basis vorsah. Die Arbeiten starteten im Jahr 2024. Bevor man irgendetwas zu verändern begann, holten Spezialisten Archivmaterialien hervor – von Skizzen aus dem Atelier von Iwan Scholtowskij bis zu historischen Fotografien und Dokumenten aus dem Schtschusew-Architekturmuseum und dem Staatsarchiv der Russischen Föderation. Auf dieser Grundlage arbeitete man beispielsweise das Projekt für die Rekonstruktion des Hauptgebäudes aus, dem man das Antlitz zurückgegeben hat, das den Moskauer aus den besten Jahren des Hippodroms bekannt gewesen war. Die Hauptzuschauertribüne bietet 2000 Menschenplatz. Man hatte entschieden, sie als eine offene zu belassen, wobei dort die traditionellen Holzsitzbänke wiederhergestellt wurden. Auf dem Gebäudedach restaurierte man auch die berühmte Quadriga mit den Pferdefiguren. Dafür hatten die Meister in einer Höhe von mehr als zwanzig Metern gearbeitet. Auf dem Hippodrom wird auch der Totalisator seine Arbeit wiederaufnehmen. Gebliebenm sind gleichfalls das historische Restaurant und das Museum.
Aber nicht weniger wichtig ist auch die Gestaltung einer modernen Infrastruktur für das Objekt. Der Sportteil entspricht jetzt internationalen Standards. Die Rennbahn besitzt eine Länge von 1,6 km und eine Breite von 25 m, was erlaubt, bis zu 16 Pferde starten zu lassen. Die Bahn für Trabrennen ist um zweihundert Meter kürzer, aber bei der gleichen Breite inklusive eines 3-Meter-Sicherheitsstreifens. An einem Start können bis zu zehn Pferde auftauchen. Es gibt aber auch Feld für Springreiten und Felder zum Warm- und Auslaufen sowie zwei Trainingsbahnen mit einem weichen und festen Belag mit einer Länge von 1,2 bis 1,3 km. Die unterschiedlichen Beläge werden für verschiedene Aufgaben gebraucht, angefangen von Arbeiten für ein Geschwindigkeitstraining bis zu Ausdauerprüfungen. Die Service-Bahnen für die Kampfrichter und das technische Personal sind so angelegt worden, dass sie sich nicht mit den Sportzonen überschneiden. Die Flutlichtanlage mit einer Leistung von mindestens 1200 Lux erlaubt, auch in den Abendstunden Rennen zu veranstalten. Auf dem Hippodrom arbeiten jetzt auch Systeme für eine automatische Zeitmessung, ein Foto-Finish und für Videoübertragungen.
Eine gesonderte Geschichte ist der Pferdehof. Dies ist ein Komplex mit einer Fläche von mehr als 40.000 Quadratmetern: Pferdeställe mit Belüftungsanlagen und geräumigen Stallboxen, Futterküchen, Waschanlagen, Fässern und Sulkys für die Trainings, kleine Weideflächen und Trassen für den Auslauf, Laufflächen für ein Ausführen und Begutachten der Pferde vor den eigentlichen Rennen. Für die Wettkampfteilnehmer, die mit ihren Pferden anreisen, errichtete man einen Gäste-Pferdestall und ein Gebäude mit einer Kantine und einem Sportsaal. Geschaffen wurde ein veterinärmedizinischer Block, bestehend aus einem Quarantäne-Pferdestall, einem Isolator, ein Rehabilitationszentrum und einem Punkt für die Dopingkontrolle. In der tierärztlichen Klinik gibt es Räume für einen Aufenthalt nach Operationen, Behandlungsräume, Räume für Ultraschall- und Röntgen-Untersuchungen, eine Apotheke sowie Aufenthaltsräume für das Personal. Entstanden ist auch eine Manege für Reittherapie.
„Moskau wird wieder zu einem Zentrum des Pferdesports Russlands. Ich gratuliere Ihnen. Ein riesiges Dankeschön unserem Präsidenten und der Regierung der Russischen Föderation für jene unschätzbare Hilfe, die sie bei der Durchführung der Restaurierung und Schaffung des neuen Hippodroms, eines einmaligen Bauwerks in unserem Land und in der Welt, gewährten“, erklärte Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin.
„Ich denke, dass wir nicht bloß ein Gebäude zurückbringen, wir bringen eine Tradition zurück, einen wahren Anziehungspunkt für die Städter und Gäste unserer Hauptstadt“, betonte der stellvertretende Vorsitzende der russischen Regierung Dmitrij Patruschew. „Und wir eröffnen zusammen mit Ihnen noch ein neues Kapital in der Entwicklung der einheimischen Pferdezucht. Denn für die Branche ist das Hippodrom ein wichtiges Versuchsgelände“. Nach Aussagen des Vizepremiers werde das Hippodrom jetzt zu einem „Flaggschiff der russischen Pferderennbahnen“. Dabei sollen die hier umgesetzten Lösungen zu einem Maßstab bei der Modernisierung anderer Hippodrome in unserem Land werden, unterstrich Patruschew.
„Das Moskauer Hippodrom wird zu einem Standort für die Durchführung internationaler Wettbewerbe“, erklärte Russlands Landwirtschaftsministerin Oksana Lut. „Wir haben bereits begonnen, mit unseren Kollegen in anderen Ländern die Frage darüber zu erörtern, wie man hierher kommen und seine Leistungen in der Pferdezucht zeigen und weiter unsere Veranstaltungen durchführen kann“.
Das Territorium des Hippodroms hat sich verwandelt. Angepflanzt wurden Fichten, Tannen, Ahornbäume, aber auch ein lebender Zaun aus Zwergmispeln über eine Länge von über einem Kilometer, der sowohl den Raum in Zonen unterteilt, aber auch vor Wind und Staub schützt. Verschönert wurde der Platz vor dem Hauptgebäude sowie die Begowaja- und die Skakowaja-Allee, die Skakowaja-Straße und umliegende Wohnviertel. So hörte das Hippodrom auf, einfach ein Ort für Pferderennen zu sein. Jetzt ist dies ein städtischer Raum, wohin man sowohl an Renntagen als auch einfach zum Spazieren kommen kann.