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Die Taliban haben es nicht geschafft, eine effektive Ölförderung in Afghanistan zu organisieren


Das Ansteigen der Ölpreise und der Mangel an Energieträgern wurden zu weltweiten Trends des laufenden Jahres. Die sich in die Länge gezogenen militärischen Krisen um den Iran und die Ukraine haben die Staaten, darunter die, die Energieträger exportieren, veranlasst, ihre Energiepolitik zu revidieren. Die entstandene Situation hat am schmerzhaftesten die unterentwickelten Länder betroffen, die traditionell von ausländischen Lieferungen von Erdölprodukten und Gas abhängen. Unter ihnen ist Afghanistan, dass sich bereits über fünf Jahre unter der Herrschaft der Taliban befindet.

„Taliban“-Vertreter sind all diese Jahre nicht müde geworden, über die Mendelejew-Tabelle zu erzählen, die in den afghanischen Tiefen in Form von entsprechenden Rohstoffen ruhen würde, wobei sie hofften, ausländische Investoren für die Erschließung und Ausbeutung von Bodenschätzen und insbesondere der Erdöl- und Erdgas-Lagerstätten, deren Hauptteil sich in Nordafghanistan befindet, zu gewinnen. Urteilt man anhand von Medien-Berichten, sind Absichtserklärungen und Verträge über eine Zusammenarbeit mit Unternehmen aus China, Usbekistan, Turkmenistan, aus Qatar und einigen anderen Ländern unterzeichnet worden, die angeblich bereit seien, auf dem Boden des „islamischen Emirats“ der Taliban aussichtsreiche Wirtschaftsprojekte zu realisieren. Jedoch sind fast all diese Vorhaben auf dem Papier geblieben oder auf halbem Wege aufgegeben worden.

Vom Zustand der Angelegenheiten im Öl- und Gas-Bereich des von den Taliban regierten Landes am Hindukusch zeugen die Einschätzungen und Schlussfolgerungen eines geheimen 80seitigen Feldreports zur Kontrolle der Tätigkeit der gewonnenen Unternehmen, den das Ministerium für Bergbau-Industrie und Erdöl der Taliban-Regierung vorbereitete (das Dokument liegt der „NG“ vor).

Der Bericht ist vom 14. September dieses Jahres und stellt die Ergebnisse einer Revision der Tätigkeit der ausländischen Unternehmen vor, die sich als Auftragnehmer des Taliban-Ministeriums für Bergbau und Erdöl mit den entscheidenden Öl- und Gas-Projekten in Nordafghanistan befassten. Unter diesen Vorhaben sind der Gas-Block Tuti-Maidan (ein rund 7000 bis 7500 Quadratkilometer großes Erdgasvorkommen in den afghanischen Provinzen Jowzjan und Faryab mit geschätzten rund drei Billionen Kubikmeter Erdgas – Anmerkung der Redaktion), zwei Gas-Bohrungen des Abschnitts Yatim Taq, die zweidimensionale seismische Erkundung des Blocks Bazar Qami, das Projekt für die fast 100 Kilometer lange Gaspipeline Sheberghan – Mazar-e-Sharif, eine sechs Kilometer lange Gaspipeline auf dem Abschnitt Qashqari, der Abschnitt Zomrad Say (auch: Zumrad Say), drei abgestimmte Blöcke des afghanisch-tadschikischen Öl- und Gas-Beckens, der Abschnitt Qashqari und mit ihm verbundene Objekte.

Wie im Ergebnis der Überprüfungen festgestellt wurde, haben die ausländischen Auftragnehmer nicht ihre Pflichten erfüllt, indem sie die Termine für die Realisierung der früher vereinbarten Projekte platzen ließen. So war beispielsweise auf der Grundlage eines Memorandums über gegenseitiges Einvernehmen, das am 17. August 2024 zwischen dem Ministerium für Minen und Erdöl Afghanistans der Taliban und einem Unternehmen aus Usbekistan unterzeichnet worden war, letzterem die Durchführung geologischer Erkundungsarbeiten, einer geophysikalischen Erkundung und bei Bedarf zusätzlicher Untersuchungen auf den Blöcken Mohammad Jan Daghar, Achmad-Abad und Shamr übertragen worden, die Teil des afghanisch-tadschikischen Öl- und Gas-Beckens sind.

„Die zweidimensionale seismische Erkundung auf dem Block Mohammad Jan Daghar besitzt große technische Bedeutung, da sie die Feststellung potenzieller öl- und gasführender Strukturen, eine Verringerung des Erkundungsrisikos und die Schaffung einer zuverlässigen Grundlage für das Treffen von Entscheidungen über ein weiteres Niederbringen von Bohrungen fördert“, wird in dem Report betont. Mit Stand Beginn des Herbsts dieses Jahres konstatierten die Prüfer aus dem Ministerium für Minen und Erdöl, dass das Vorhaben weit von einem Abschluss sei und sich immer noch „im Stadium der Realisierung befindet“ und „ernsthafte Mängel bei der Planung, Leitung der Feldarbeiten, der Berichterstattung und der Übergabe der entscheidenden Dokumente an das Ministerium besitzt“.

Eine nicht weniger dramatische Situation hat sich am Abschnitt Tuti-Maidan ergeben, wo die Wirtschaftsprüfer aus dem Ministerium für Minen und Erdöl entsprechend den Arbeitsergebnissen der ausländischen Auftragnehmer „für das Projekt ernsthafte technische, Vertrags-, wirtschaftliche Risiken und Risiken für das Ansehen“ voraussagen: „Besorgnis löst die Tatsache aus, dass das Jahr 2025 ohne eine Realisierung der Schlüsselmaßnahmen zu Ende gegangen ist. Der für das Jahr 2026 vorgeschlagene Arbeitsplan ist bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht durch das Ministerium bestätigt worden. Und das Unternehmen hat im laufenden Jahr auf dem Objekt keinerlei spürbare und kontrollierbare praktische Arbeiten begonnen. Im Ergebnis dessen befindet sich das Projekt faktisch im Zustand einer Unterbrechung. Und die Vertrags- und die Operationszeit driften ohne den Erhalt eines wesentlichen technischen Ergebnisses auseinander“.

In Bezug auf das Niederbringen von Bohrungen am Abschnitt Yatim Taq ermittelte die von den Prüfern vorgenommene Bewertung nur eine „vorläufige Vorbereitung, eine eingeschränkte Anlieferung von Anlagen und Ausrüstungen und die Vornahme einzelner Feldarbeiten“, was „nicht als Abschluss der technischen Operationen angesehen werden kann“. „Ein tatsächlicher Abschluss ist nur bei Vorhandensein eines vollständigen Planes für jede Bohrung, der entsprechenden Anlagen und Ausrüstungen, qualifizierten Personals, der notwendigen chemischen Materialien, eines Systems für die Kontrolle der Bohrung sowie eines Plans für die Sicherheit, die Durchführung technischer Operationen, die Vornahme von Tests nach Abschluss der Arbeiten und Vorbereitung eines Abschlussberichts möglich“, heißt es im Fazit der Prüfer. Nichts von dem sei getan worden.

In dem Dokument aus dem Ministerium für Minen und Erdöl wird das Nichtvorhandensein einer wissenschaftlich begründeten Ausbeutung der Schicht im Bereich der Förderabschnitte Zomrad Say, Qashqari und Amudarja hervorgehoben: „Eine Erhöhung der Förderung ohne ein genaues Wissen um den Schichtdruck, die Menge an Begleitgas, die Wassermenge, die zulässige Fördermenge der Bohrungen, den Zustand des Paraffins, die Qualität des Rohöls, die Effektivität der Separatoren und Möglichkeiten der oberirdischen Anlagen kann in der kurzfristigen Perspektive äußerlich den Umfang der Förderung erhöhen, in der mittelfristigen Perspektive jedoch zu einer Verringerung des Schichtdrucks, einer Zunahme der Verwässerung, einer Verringerung der Menge an reinem Erdöl, zu einer Beschädigung der Bohrungen und Verringerung des endgültigen Ausbeutungskoeffizienten führen“. Gegenwärtig erfolge die Förderung von Kohlenwasserstoffen in diesem strategisch wichtigen Öl- und Gasgebiet Nordafghanistans nur „auf der Grundlage kurzfristiger und unzureichend dokumentierter Entscheidungen“, konstatieren die Prüfer.

Die Perspektiven für eine effektive Ausbeutung der entscheidenden Öl- und Gaslagerstätten Nordafghanistans sind gegenwärtig nebulöse. Vor allem aufgrund der faktischen Ablehnung der ausländischen Auftragnehmer, die übernommenen Pflichten zu erfüllen. In dem Bericht des Taliban-Ministeriums für Minen und Erdöl heißt es, dass die „Schlüsselmaßnahmen des Jahres 2025 (durch die ausländischen Partner) nicht abgeschlossen wurden, das (ausländische) Unternehmen hat im laufenden Jahr keine praktischen Arbeiten auf dem Objekt vorgenommen“. Mehr noch, der entscheidende ausländische Auftragnehmer hat in einem offiziellen Schreiben vom 27. Februar 2026 die Taliban-Regierung über die Einstellung der Arbeiten hinsichtlich aller Projekte in Afghanistan informiert, wobei als Ursachen die „unsichere Situation, außerordentliche Umstände (höhere Gewalt) und äußere Faktoren“ ausgewiesen wurden.

Bisher ist unklar, auf welche Art und Weise das Taliban-Regime plant, den Verlust des wichtigen ausländischen Auftragnehmers wettzumachen. Eigene Spezialisten, die in der Lage sind, eine professionelle Erschließung und Ausbeutung der Öl- und Gaslagerstätten Nordafghanistans zu gewährleisten, hat das Emirat nicht. Man kann versuchen, ausländische Partner zu gewinnen. Es gibt aber keinerlei Garantien dafür, dass sie nicht nach einigen Monaten aus dem Land wie auch ihre Vorgänger fliehen werden.

Dabei verschlechtert sich die Situation um die Sicherheit in den nördlichen und östlichen Regionen des Landes für die Taliban mit jedem Tag. Die Kräfte des afghanischen Widerstands attackieren heute erfolgreich Einheiten der Taliban, wobei sie einzelne, vorerst kleine Regionen einnehmen. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass im Frühjahr kommenden Jahres die Aktivität der bewaffneten Anti-Taliban-Opposition noch mehr zunehmen wird. Und dann müssen wohl für lange Zeit irgendwelche ernsthaften Wirtschaftsprojekte im Norden Afghanistans vergessen werden.

P. S.

Sicherlich war dies auch ein Thema bei den Gesprächen des russischen Außenministers Sergej Lawrow mit dem Amtskollegen aus der afghanischen Taliban-Regierung Amir Khan Muttaqi am Montag. Der 55jährige Muttaqi leitete eine große Delegation, die an Gesprächen des sogenannten Moskauer-Afghanistan-Formats teilnahm. Generell betonte Moskau das Interessen, die Verstärkung des antiterroristischen Potenzials Afghanistans zu fördern, wobei materiell-technische und Experten-Unterstützung in dieser Richtung gewährt werde. Lawrow würdigte zu Beginn der 8. Tagung im Moskauer Format den kompromisslosen Kampf der afghanischen bewaffneten Strukturen gegen den „Islamischen Staat“, unterstrich aber auch „die kategorische Ablehnung einer Dislozierung einer militärischen Infrastruktur der NATO auf dem Territorium Afghanistans und dessen Nachbarstaaten unter welchem Vorwand auch immer“. „Wie die historischen Erfahrungen zeigen, berge solch eine Präsenz eine Destabilisierung und Zunahme der Konflikte in sich. Andere Ergebnisse einer derartigen Präsenz haben wir in den letzten Jahrzehnten nicht beobachtet“, erklärte Russlands Außenminister am Montag.

Welche Schritte auf dem Gebiet einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Moskau und Kabul unternommen werden sollen, bleibt jedoch vorerst unklar. Russland hat bisher nicht genug Potenzial, um im Land am Hindukusch stärker Fuß zu fassen und seinen Einfluss zu erweitern. Überdies kann Moskau nicht die Interessen der anderen Akteure in der Region ignorieren (wenn man nur einmal die Teilnehmerstaaten des Moskauer Formats – neben Russland und Afghanistan Indien, der Iran, Kasachstan, China, Kirgisien, Pakistan, Tadschikistan und Usbekistan — nimmt), zumal sich diese nicht vollends mit den russischen Ambitionen decken. Damit bleibt letztlich auch die Sicherheitsfrage eine offene und sensible, die die wirtschaftliche Entwicklung Afghanistans nach wie vor ausbremst. Und nicht nur auf dem Gebiet der Förderung von Bodenschätzen.