Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan, der am Montag, dem 5. Oktober beim armenisch-britischen Business-Forum auftrat, hat erklärt, dass die „Trump-Route“ die Investitionsattraktivität seines Landes erhöhe. Allerdings sollen die Bauarbeiten erst Anfang des kommenden Jahres aufgenommen werden. Und bis dahin muss Jerewan den Iran von der Sicherheit des amerikanischen Projekts in der unmittelbaren Nähe zu dessen Grenze überzeugen.
„Armenien und unsere ganze Region befinden sich in einer Phase einer Transformation, die mit dem hergestellten Frieden zwischen Armenien und Aserbaidschan und den sich daraus ergebenden Ereignissen zusammenhängt. Heute arbeiten wir täglich am Start der Realisierung des Projekts „Trump-Route“, das unbedingt zu einem Grundpfeiler in der Veränderung nicht nur Armeniens, sondern auch der ganzen Wirtschaftslage der Region wird. Dies ist bereits so, da wir heute eine bestimmte Aktivität zur Gewinnung von Investitionen um Armenien spüren. Und es ist klar, dass dieses Vorhaben seinerseits neue Projekte bringen wird. Und unsere Investitionsattraktivität wird zunehmen“, sagte Paschinjan.
Gleichfalls arbeite nach seinen Worten Jerewan parallel zur „Trump-Route“ an Trassen, die den Persischen Golf und das Schwarze Meer verbinden sollen. Es plane den Bau einer Ölpipeline und einer Gaspipeline sowie neue Energiefernleitungen. All dies erfolgt im Rahmen der Initiative „Kreuzung des Friedens“.
Am Vorabend des Auftritts von Paschinjan auf dem Business-Forum hatte Armeniens Außenminister Ararat Mirsojan Gespräche mit seinem iranischen Amtskollegen Abbas Araghtschi, mit dem Vorsitzenden des Parlaments der Islamischen Republik Mohammad-Bagher Ghalibaf und mit Präsident Massud Peseschkian geführt. Der armenische Chefdiplomat unterstrich den strategischen Charakter der Beziehungen mit Teheran. Besonders interessierte ihn die Zusammenarbeit in den Bereichen Energiewirtschaft, Transportwesen und Entwicklung der Infrastruktur.
„Mirsojan und Araghtschi tangierten die Wichtigkeit des Baus einer zweiten Brücke an der armenisch-iranischen Grenze, den schnellstmöglichen Abschluss des Baus einer dritten Energie-Fernleitung, aber auch Fragen zur Vereinfachung des Güterverkehrs zwischen beiden Ländern“, heißt es in einer Mitteilung des Außenministeriums Armeniens.
Außerdem erörterten die Minister die Wichtigkeit einer Deblockierung regionaler Verbindungswege. Araghtschi sagte, dass Teheran die Initiative von Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan „Kreuzung des Friedens“ unterstütze. Mirsojan informierte seinerseits über die von Jerewan vorgenommene Arbeit für die „Trump-Route“ und die Möglichkeiten, die dieses Projekt für alle Länder der Region eröffne. Gleichfalls sprachen sich beide Minister für eine Fortsetzung der gemeinsamen Arbeit auf dem Gebiet der öffentlichen Informationen aus, um den unterschiedlichen unbegründeten Spekulationen im Medien-Raum entgegenzutreten.
Urteilt man anhand der Materialien des Pressedienstes des armenischen Außenministeriums erfolgte die Begegnung mit Ghalibaf im gleichen Geist. Die Seiten bekräftigten den strategischen Charakter der Beziehungen zwischen ihren Ländern. Mirsojan gab Informationen zur „Trump-Route“. Freilich hat der armenische Chefdiplomat den iranischen Parlamentspräsidenten scheinbar nicht vollends von der Sicherheit der künftigen Route überzeugt.
„Heute braucht die Kaukasus-Region wie nie zuvor Ruhe. Und dies muss durch eine Verstärkung der offiziellen Grenzen gewährleistet werden. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass eine Einmischung nicht zur Region gehörender Kräfte zu Instabilität führen kann. Im Gebiet des Persischen Golfs sehen wir beispielsweise, dass ausländische Mächte gekommen sind. Einige Länder hatten aber angenommen, dass ihre Präsenz ihnen eine Sicherheit gewährleisten könne. Jedoch wurde Instabilität zu einem Ergebnis. Diese Staaten streben nur an, Zugang zu den Möglichkeiten und Ressourcen der Länder der Region zu erhalten, und verfolgen eigene Interessen… Die Amerikaner haben auf militärischem Gebiet nicht eines ihrer Ziele in der Konfrontation mit dem Iran erreicht und haben eine Niederlage erlitten. Und sie haben im politischen Bereich die Vereinbarungen bei der Realisierung des Memorandums gebrochen, womit sie auch noch einen Schlag dem eigenen Ansehen versetzt haben“, unterstrich Ghalibaf.
Später erläuterte Peseschkian Mirsojan die Wachsamkeit der iranischen Offiziellen.
„Unser Problem mit den USA besteht darin, dass man uns jedes Mal, wenn wir uns an den Verhandlungstisch setzen, sofort einen Krieg aufzwingt. Bisher haben sie uns dreimal nach Verhandlungen angegriffen. Und dies zeigt, dass sie nicht Verhandlungen anstreben, sondern ihr Ziel ein Sturz der Islamischen Republik Iran ist. Der Iran hat mehrfach seine Ehrlichkeit auf dem Gebiet der nuklearen Tätigkeit bewiesen. Und die größte Anzahl von Überprüfungen seitens der Internationalen Agentur für Atomenergie waren weltweit mit unserem Land verbunden. Die USA üben jedoch Druck auf den Iran aus, wobei sie verlogene Anschuldigungen vorbringen. Meinerseits habe ich in der UNO erklärt, dass wir zu einem Dialog und zu einer Überprüfung auf dem Gebiet der nuklearen Arbeit bereit sind. Das Problem besteht aber darin, dass jedes Mal, wenn Inspekteure in den Iran kamen, unsere nuklearen Zentren und Wissenschaftler identifiziert wurden. Und danach wurden diese Zentren Bombenangriffen ausgesetzt. Und unsere Wissenschaftler wurden umgebracht“, sagte der Präsident der Islamischen Republik.
Nach Aussagen des Politologen Sergej Melkonjan sei Mirsojan gleich in zwei Eigenschaften nach Teheran gekommen – als Chef des Außenministeriums und als Vertreter der Regierung Armeniens zwecks Erörterung des Vorhabens „Trump-Route“ im Parlament der Republik. Dementsprechend sollte er die Zukunft der Route und die Vorbereitung eines Vertrages über eine strategische Partnerschaft, an dem die letzten zwei Jahre gearbeitet wird, erörtern.
„Der Iran und Armenien haben viele gemeinsame Projekte inklusive des Baus von Straßen, Stromnetzen und ähnlichem. Alles erfordert eine Erörterung, besonders vor dem Hintergrund der Verschärfung der amerikanischen Sanktionen, die gegen den Teheran gerichtet sind“, fügte Melkonjan hinzu.
Der Experte erinnerte gleichfalls daran, dass der Iran früher die Realisierung des sogenannten Sangesur-Korridors blockieren konnte. Nach seiner Meinung könne die Islamische Republik, wenn es sein muss, auch die „Trump-Route“ verhindern. Allerdings versichere man in Teheran, dass man gegenüber diesem Projekt keinerlei Beanstandungen haben werde, wenn es sich unter der vollen Kontrolle Armeniens befinden werde und die Amerikaner nicht bei der Gewährleistung dessen Sicherheit eingesetzt werden würden.