Über eine halbe Million Bürger Usbekistans, die nach einem Arbeiten im Ausland zurückkehrten, haben in der Heimat eine Einkommensquelle gefunden, teilte Botir Sachidow, Minister für Arbeitsfragen und Armutsbekämpfung, mit. Bis zum Jahresende beabsichtigen die Offiziellen, weitere 583.000 Menschen mit einem ständigen Arbeitsplatz zu versorgen. Jedoch bedeutet ein Job noch nicht, dass der Mensch zu Hause bleiben kann. Wie der Direktor des Zentrums für Forschungsinitiativen Ma’no, Bachtiyer Ergaschew, betonte, sei es wichtig, bringt die neue Arbeit ein ständiges Einkommen oder erlaubt sie nur, die nächste Ausreise für ein Geldverdienen im Ausland abzuwarten.
Bei einer Tagung der Gesetzgebenden Kammer, die dieser Tage stattfand, erklärte Botir Sachidow, dass von 661.000 zurückgekehrten Arbeitsmigranten 557.000 für eine „Einkommenstätigkeit“ gewonnen worden seien. Für weitere 70.000 suche man weiter nach Arbeit unter Berücksichtigung ihrer Wünsche. Wie Experten sagen, bedeute aber eine „Einkommenstätigkeit“ an sich keinen ständigen Arbeitsplatz mit einem Arbeitsvertrag und einem voraussagbaren Arbeitsverdienst.
Bis Ende des laufenden Jahres planen die Behörden, noch 583.000 Menschen mit einem ständigen Arbeitsplatz zu versorgen, die Einkommen von zwei Millionen Bürgern anzuheben und 661.000 Arbeitskräfte aus dem „Graubereich der Beschäftigung“ herauszuholen. Diese Pläne betreffen den Arbeitsmarkt insgesamt und nicht nur die heimgekehrten Migranten. Der Minister informierte gleichfalls über die Aufgabe, um mindestens die Hälfte die Armut in 37 Kreisen und 915 Mahallas – Gemeinden – mit einer schwierigen sozial-ökonomischen Situation zu verringern.
Bürger Usbekistans arbeiten in etwa 40 Ländern der Welt. Die meisten in Russland, bis zu 834.200 Menschen. Aufgrund der sich veränderten Migrationsgesetzgebung verlassen jedoch viele von ihnen die Russische Föderation. Das Hoch des Verlassens Russlands fiel auf Anfang August, als innerhalb von einer Woche beinahe 100.000 Arbeitsmigranten das Land verließen. Für Usbekistan sind die Heimkehrer eine große Belastung. Die Offiziellen erklären aber, dass alle mit einem Job versorgt werden würden.
Aus der Erklärung des Ministers ist jedoch nicht klar geworden, wer zur Statistik gehörte – Saisonarbeitskräfte oder Arbeitsmigranten, die gekommen waren, um ihre Familien zu besuchen und dann bald wieder das Land verlassen, oder jene, die beschlossen haben, nicht mehr im Ausland Geld zu verdienen. Präsident Shavkat Mirziyoyev stellt die Aufgabe, ein Programm für das Zurückholen von Arbeitsmigranten auszuarbeiten und sie mit Arbeit zu versorgen.
Wie Bachtijor Ergaschew, Professor an der Staatsuniversität von Samarkand, der „NG“ sagte, hätte es noch zu Zeiten des ersten Präsidenten Usbekistans Islam Karimow Programme für eine Rückkehr von Arbeitsmigranten gegeben. Schon damals hätte der Staat Mittel für eine Hilfe für die Heimkehrer bereitgestellt. Daher sei heute nicht die eigentliche Tatsache der Existenz solch eines Programms wichtig, sondern das, wie es wirkt und was für eine Beschäftigung es den Menschen offeriert. „Es müssen ständige und zeitweilige Arbeitsplätze unterschieden werden. Einen zurückkehrten Beschäftigten kann man für die Baumwollernte engagieren. Er wird Geld erhalten und wird als eingestellter in die Berichte gelangen. Aber nach Abschluss der Saison muss er nach einem neuen Einkommen suchen. Eine ähnliche Situation ergibt sich auch bei den anderen saisonbedingten Arbeiten in der Landwirtschaft. Zum Zeitpunkt der Abfassung des entsprechenden Berichts ist der Mensch beschäftigt. Dies bedeutet jedoch noch nicht, dass er die Familie das ganze Jahr über versorgen kann“, betonte Ergaschew.
Nach seiner Einschätzung könnten 50 bis 70 Prozent der Beschäftigung der heimkehrenden Migranten auf Saison- und zeitweiligen Arbeiten entfallen. Ergaschew unterstreicht: Arbeitsplätze tauchen in der Tat auf. Es geht um deren Qualität und darum, wie lange sie dem Menschen einen Verdienst geben.
Der Beginn einer selbständigen Arbeit löst auch nicht immer die Probleme. Die im Ausland erworbenen Fertigkeiten können in einem Atelier oder in einem Reparaturdienst nützlich sein. Staatliche Hilfe erleichtert den Start, sichert aber keine ständige Nachfrage. Und ein Kredit muss selbst bei Ausbleiben eines Gewinns zurückgezahlt werden. Daher muss man über den Erfolg solcher Programme anhand dessen urteilen, wie viele Unternehmen weiterhin arbeiten und ihre Besitzer einem Jahr nach der Gründung ernähren.
„Das Unternehmertum ist eine gesonderte Geschichte“, sagte Ergaschew. „Ich kann als ein Beispiel die Erfahrungen von zwei Frauen anführen, die in das Verwaltungsgebiet Choresm zurückkehrten und eine Konditorei eröffneten. Sie hatten eigene Ersparnisse. Und die einheimischen Offiziellen halfen, zusätzlich einen vergünstigten Kredit zu erhalten. Solch eine Unterstützung ist nützlich. In der Berichterstattung kann aber dieser Fall auch wie ein vom Staat bereitgestellter Arbeitsplatz aussehen, obgleich die Frauen selbst die Arbeit organisiert hatten“.
Nach Einschätzung des Experten würden etwa sieben bis zehn Prozent der Heimkehrer sich eigenständig mit Arbeit versorgen. Der eine hatte mehr Glück und konnte einen ständigen Arbeitsplatz finden, zum Beispiel in Textilunternehmen oder in Baufirmen. Das Bauwesen schafft auch eine Nachfrage nach der Herstellung von Baumaterialien. Der Experte denkt, dass der Bausektor ein Motor des Wirtschaftswachstums Usbekistans so lange bleiben werde, so lange das BIP pro Kopf der Bevölkerung nicht 9000 Dollar erreicht.
Das Hauptproblem sieht Ergaschew in der Kluft zwischen dem Wirtschaftswachstum und dem Auftauchen eines ständigen Arbeitsplatzes. Nach seiner Meinung sichere die Entwicklung des Dienstleistungssektors und des Bauwesens vorerst keine ausreichende Anzahl von Arbeitsplätzen mit einem sicheren Verdienst für eine lange Zeit. Das Wachstum des BIP an und für sich beantworte nicht die Frage, wie viele Familien eine stabile Einkommensquelle erhalten haben. Der Experte schlägt vor, die Wirtschaftsergebnisse unter anderem hinsichtlich der Anzahl und der Qualität der geschaffenen Arbeitsplätze zu bewerten.
Urteilt man anhand der Erklärung von Minister Sachidow erkennen die Offiziellen die Wichtigkeit solch einer Überprüfung an. Der Minister nannte unter den Hauptaufgaben eine ständige Beschäftigung, eine Anhebung der Familieneinkommen und die stabile Arbeit des Business. Die Erfüllung dieser Aufgaben wird man beurteilen können, wenn bekannt wird, wie viele Teilnehmer der Programme den Arbeitsplatz und den Verdienst zumindest nach einem halben Jahr bewahrten. Solche Informationen werden erlauben zu begreifen, wem die Hilfe die Möglichkeit gegeben hat, im Land zu bleiben, und für wen sie nur zu einer Atempause zwischen den (Aus-) Reisen geworden ist.
Dabei einigt sich Taschkent weiter über Arbeitsplätze für seine Bürger im Ausland. Im September erörterte die Agentur für Migration mit Serbien ein Abkommen über eine Arbeitsmigration. Belgrad sei an usbekischen Spezialisten für die Errichtung von Objekten für die Ausstellung EXPO 2027 interessiert, berichtete die Zeitung „Yangi Oʻzbekiston“ (deutsch: „Neues Usbekistan“). Somit bedeutet die Hilfe für Heimkehrer keinen Verzicht auf die Suche nach Arbeit im Ausland. Die Behörden unterstützen jene, die bleiben wollen, und erschließen neue Richtungen für jene, die ausreisen wollen.