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Südkorea verlangt von der Ukraine, sich überzeugender zu entschuldigen


Die Regierung Südkoreas hat beschlossen, seinen Botschafter aus der Ukraine abzuberufen. Als Grund nannte man In Seoul die Preisgabe des Inhalts einer geheimen Vereinbarung in Bezug auf nordkoreanische Gefangene, die von ukrainischen Militärs im Verlauf von Kämpfen im russischen Verwaltungsgebiet Kursk gefangengenommen worden waren, durch Wladimir Selenskij. In Kiew gibt es freilich eigene Konter-Beanstandungen: Dort verdächtigt man Südkorea der Nichteinhaltung des Regimes der antirussischen Sanktionen. Wie dem nun auch immer sein mag, der Konflikt ist offensichtlich. In Südkorea bekundet man die Hoffnung, dass er bald beigelegt werde, sobald sich die ukrainischen Beamte auf entsprechende Art und Weise entschuldigen.

In einer Erklärung des südkoreanischen Außenministeriums wurde die Abberufung des Botschafters direkt mit dem von Selenskij am 23. September im Verlauf der Tagung der UNO-Vollversammlung Gesagten in Verbindung gebracht. Damals hatte der ukrainische Präsident mitgeteilt, dass zwei nordkoreanische Soldaten, die im Januar 2025 gefangengenommen worden waren, an Südkorea entsprechend einer vertraulichen Vereinbarung beider Länder übergeben worden seien.

Gewollt oder ungewollt bescherte Selenskij dem südkoreanischen Präsidenten Lee Jae-myung ein sehr schlechtes „Geschenk“. Die Bevölkerungsmehrheit Südkoreas steht extrem negativ der Idee gegenüber, Bürger der KDVR auf dessen Territorium ungehindert aufzunehmen. Vergangen sind jene Zeiten, in denen man Nordkorea wie als einen Teil des Landes aufgefasst und für die dort lebenden Menschen Mitgefühl empfunden hatte. Jetzt ist der nördliche Nachbar, besonders für die jungen Südkoreaner, ein fremdes Land, von dem man Unannehmlichkeiten erwarten müsse, von denen eine ein möglicher unkontrollierbarer Flüchtlingsstrom ist. Lee Jae-myung wird auch so aufgrund der Versuche einer Annäherung mit der KDVR kritisiert. Seine Zustimmung, Nordkoreaner aufzunehmen, wenn auch in einem fernen Konflikt gefangengenommene, birgt das Risiko in sich, ernsthaft seine Popularität zu untergraben. Allerdings ist in der Mitteilung des südkoreanischen Außenministeriums davon natürlich keine Rede. Da wurde das Schwergewicht darauf gelegt, dass Selenskij mit seiner Offenbarung die Familien der nordkoreanischen Gefangenen, die in der KDVR verblieben sind, in Gefahr gebracht habe.

Außerdem habe, wie das südkoreanische Außenministerium erklärte, der ukrainische Präsident die Vereinbarung über die Nichtpreisgabe von Informationen über das Schicksal der Gefangenen, die im Übrigen auf Initiative von Kiew erzielt worden war, gebrochen. In Kiew bestreitet man derweil, dass es solch eine Vereinbarung gegeben habe.

In der Pressemitteilung des Außenministeriums Südkoreas ist gleichfalls gesagt worden, dass es nicht bis zur Abberufung des Botschafters gekommen wäre, wenn sich die ukrainische Seite entschuldigt hätte, wie es sich gehöre. Sie hat dies aber nicht getan, was, wie merkwürdig es sein mag, auch das offizielle Kiew eingesteht. Der offizielle Sprecher des ukrainischen Außenministeriums Georgij Tichij gab bei einem Briefing den Wortlaut der Entschuldigungen wieder, die der ukrainische Außenminister Andrej Sibiga den südkoreanischen Offiziellen ausgesprochen hatte. „Der Minister hat in seinen Mitteilungen für den südkoreanischen Amtskollegen betont, dass es für ihn bedauerlich sei, dass die Situation in das Stadium eines Austausch kritischer Kommentare übergegangen sei“, sagte Tichij. Dies ist augenscheinlich nicht das, was man in Seoul vernehmen wollte. „Der Charakter dieser Entschuldigungen entspricht nicht unseren Erwartungen, daher beabsichtigen wir, entschiedene Maßnahmen zu ergreifen“. Solch einen Kommentar gab am 6. Oktober Südkoreas Außenminister Cho Hyon im südkoreanischen Parlament zu den Worten Sibigas.

Die ukrainischen Offiziellen zerstreiten sich mit einem Land, das ihnen hilft (direkt durch humanitäre und finanzielle Hilfe und indirekt durch die Lieferung von Munition in Drittländer, die mit ihnen die Lieferungen ihrer Geschosse an die Ukraine ersetzen). Wahrscheinlich ist dies mit den in Kiew bestehenden Verdachtsmomenten zu erklären, wonach Seoul die Zusammenarbeit mit Moskau – seinem traditionellen und sehr wichtigen Handelspartner – erweitern möchte. Der Beauftragte des ukrainischen Präsidenten für Fragen der Sanktionspolitik, Wladislaw Wlasjuk, warf Südkorea direkt eine Verletzung des Regimes der antirussischen Sanktionen vor. Er erklärte, dass im Juli-August rund 176.000 Tonnen Erdölprodukte (vor allem Dieselkraftstoff) über südkoreanische Häfen in den russischen Fernen Osten geliefert worden seien. Nach Aussagen von Wlasjuk habe dies der Russischen Föderation erlaubt, die Folgen der ukrainischen Schläge gegen die Erdölverarbeitungsinfrastruktur zu verringern. Meldungen solcher Art waren auch in westlichen Medien aufgetaucht. Am Mittwoch, dem 7. Oktober trat die Administration von Lee Jae-myung mit einem kategorischen Dementi in Bezug auf die Worte von Wlasjuk an die Öffentlichkeit. In ihrer Mitteilung wird unterstrichen, dass Südkorea das Regime der antirussischen Sanktionen strikt einhalte. Und bereits am nächsten Tag erfolgte die Abberufung des südkoreanischen Botschafters aus Kiew.