Armeniens Offizielle haben eine neue Lokomotive für die nationale Wirtschaft – die Golderzgrube „Amulsar“ — auf den Weg gebracht. Sie hoffen, dass ihr Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt der Republik rund 1,5 Prozent ausmachen wird. Und einheimischen Kommunen werden jährlich bis zu neun Millionen Dollar erhalten können. Allerdings sind auch die Risiken große: eine Vernichtung von Bergen, Wäldern sowie eine Verseuchung von Flüssen und Seen. In Jerewan aber hält man derartige Ängste für unbegründete.
Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan hat die Golderzgrube „Amulsar“ eingeweiht. Nach seinen Worten werde dieses Ereignis die industrielle Entwicklung für lange Jahre im Voraus bestimmen, das Investitionsklima erhöhen und den Wohlstand der Bürger verbessern. Es sei gelungen, dies dank der gemeinsamen Arbeit des Staates, gesellschaftlicher Organisationen, Investoren und der hiesigen Gemeinde zu erreichen.
„Die Tiefen, die sich heute vor unseren Augen in Gold verwandelt haben, gehören Armenien und sind Eigentum des Volkes von Armenien. Die wichtigste Aufgabe für uns war gewesen zu demonstrieren, dass dieser Reichtum der Entwicklung der Republik und deren Wohlergehen dienen wird“, sagte Paschinjan.
Das Projekt gehört dem Unternehmen Lydian Armenia. Dabei kontrolliert die Regierung der Republik 12,5 Prozent dessen Aktien, und die übrigen 87,5 Prozent – Lydian Canada Ventures.
Paschinjan teilte gleichfalls mit, dass er persönlich an der Klärung der möglichen ökologischen Probleme teilgenommen hätte. Unter anderem seien dutzende Konsultationen mit Fachexperten durchgeführt worden.
„Ich hoffe und bin mir sicher, dass in der nächsten Zukunft solche Schritte für uns zu einer gewohnten Sache und alltäglichen Praxis werden. Und hinsichtlich des großen Schrittes werden wir noch größere Projekte in der Zukunft vorsehen“, resümierte der Premierminister Armeniens.
Derweil erklärten Vertreter der Umweltschutzinitiative „Amulsar ohne eine Erzgrube“, dass sie völlig zufällig von deren Einweihung erfahren hätten. Nach ihrer Meinung könnten im Ergebnis der Goldförderung im Gebiet des Kurortes Dschermuk der gleichnamige Berg und die an ihn grenzenden Wälder verschwinden. Die Erzgrube befindet sich etwa dreizehn Kilometer von der Stadt entfernt. Überdies befinden sich im Raum Amulsar 80 Prozent der Wasservorräte Armeniens, die gleichfalls in Mitleidenschaft gezogen werden können. Unter anderem beginnen dort due Flüsse Arpa und Worotan, die in den Sewan-See münden.
Außerdem hatten im vergangenen Jahr Ökologen einen kollektiven Brief an die Eurasische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung mit der Bitte geschrieben, eine sozial verantwortungsvolle Politik zu verfolgen und nicht in „Amulsar“ zu investieren. Sie verwiesen unter anderem darauf, dass das Projekt keine hinreichende Umweltschutz- und soziale Bewertung habe, aber auch die biologische Vielfalt und die Sicherheit der Gemeinden in Gefahr bringe.
Bemerkenswert ist, dass im Jahr 2018 die Regierung Paschinjans die Proteste von Umweltschützern unterstützt hatte und forderte, die Erlaubnis zur Erschließung und Ausbeutung der Grube zu revidieren. Jedoch haben die nachfolgenden Überprüfungen die Offiziellen davon überzeugt, dass alle Risiken zu steuern seien.
Der Gründer von Lydian Armenia, Aik Alojan, erklärte, dass er die hiesigen Gemeinden von der Sicherheit seines Projekts zu überzeugen vermochte. „Ich denke, dass die Zeit Wunden heilt. Dank konsequenter Handlungen, einem Informationsaustausch und der Arbeit mit den Gemeinden sind wir dazu gekommen, dass die Gemeinden heute unsere Partner sind“, erklärte er.
Wie dem nun auch immer sein mag: „Amulsar“ befindet sich an der zweitgrößten Goldlagerstätte in der Republik. In der Regierung ist man der Auffassung, dass die jährlichen Steuern, Gebühren und Royalities, die in den Staatshaushalt aus deren Betrieb fließen werden, 130 Millionen Dollar ausmachen würden. Außerdem werde ihr jährlicher Beitrag zum BIP etwa 1,5 Prozent ausmachen. Bei der Zeremonie zur Einweihung der Grube teilte Armeniens Wirtschaftsminister Geworg Papojan mit, dass die Investitionen für „Amulsar“ bereits 750 Millionen Dollar überschritten hätten, womit sie das Vorhaben zu einem wichtigen Beispiel für eine erfolgreiche Partnerschaft des Staates und privaten Business in der Republik gemacht hätten.
„Ich möchte unterstreichen, dass dies eine ausgezeichnete Möglichkeit für die Partner des Projekts „Amulsar“ ist, für jene, die für die Bodenschätze verantwortlich sind und für jeden von uns beweisen, dass die Förderung von Bodenschätzen und Tourismus koexistieren können, ohne einander zu stören und ohne der Natur Schaden zuzufügen. Ich bin gewiss, dass wir im Ergebnis der gemeinsamen Arbeit gerade solch ein Bild erhalten werden“, fügte David Chudatjan, Armeniens Minister für territoriale Verwaltung und Infrastruktur, hinzu.
Außerdem berichtete der Vertreter der Regierung Armeniens im Vorstand des Unternehmens Lydian Armenia, Gnel Sanosjan, dass die drei Ortschaften, die unweit von „Amulsar“ gelegen sind – Dschermut, Vaik und Sisian – jährlich jeweils sieben bis neun Millionen Dollar erhalten würden. Gleichfalls habe sich das Unternehmen verpflichtet, fünf Millionen Dollar für die Schaffung des Nationalparks Dschermuk bereitzustellen.
„Es ist unser Ziel, ein völlig neues, qualitativ hochwertiges Bild von der Bergbau-Industrie Armeniens zu schaffen. Ich bin sicher, dass unser Team voll entschlossen ist, dies zu erreichen. Und wir werden dies tun“, versicherte Sanosjan.