US-Außenminister Marco Rubio wird Ende der Woche Usbekistan und Indien besuchen. In Usbekistan sind Treffen mit Spitzenvertretern der ehemaligen zentralasiatischen Sowjetrepubliken geplant. Und in Indien sind Gespräche mit dem Premierminister des Landes, mit Narendra Modi, möglich. Während man in Taschkent, wo es vor allem um eine Wirtschaftszusammenarbeit gehen wird, keine Streitigkeiten erwartet, ist in Indien das Publikum darüber empört, dass Amerika, das mit der Russischen Föderationen einen Diesel-Deal abgeschlossen hat, früher von Delhi verlangte, den Erwerb von Erdöl von Moskau einzustellen. Die Leser indischer Zeitungen rufen die Regierung auf, entschieden am unabhängigen Kurs festzuhalten.
Der Rubio-Besuch erfolgt vor dem Hintergrund von Protesten in Indien, die dadurch ausgelöst wurden, dass der Vorsitzende der Wahlkommission des Landes aus den Wählerlisten 130 Millionen Menschen ausgeschlossen hatte. Die USA haben in keiner Weise diese Ereignisse kommentiert. Die Nachrichtenagentur AP meldete jedoch, dass der Außenminister Indien nicht in der für das Land ruhigsten Zeit besuchen werde. Dennoch hält Modi, der bei den Parlamentswahlen dreimal in Folge gesiegt hatte, die Führungszügel fest in seinen Händen. Die Demonstrationen werden auf die Gespräche mit den USA keinen Einfluss ausüben, dennoch aber hat der Chef der US-amerikanischen Diplomatie beschlossen sich abzusichern.
Bezeichnend ist, dass das US-State Department in seiner Pressemitteilung nicht einmal erwähnte, dass Rubio die Hauptstadt Indiens besuchen und Gespräche mit dem indischen Regierungschef führen werde. In dem Dokument ist ausgewiesen worden, dass der Außenminister in Jamnagar, einer Stadt im westlichen Bundesstaat Gujarat, weilen wird, aber auch in Mumbai einen Zwischenstopp einlegen wird. Mit Beamten der Regierung Indiens werden die Veränderungen erörtert, die sich in der Welt und in der Region vollziehen, und Perspektiven für eine Zusammenarbeit im Energie-Bereich. Von den anstehenden Gesprächen mit dem Premierminister ist keine Rede, obgleich sie natürlich stattfinden werden.
Solch einen lakonischen Charakter und solch eine Zurückhaltung des Außenministeriums erklärt die Nachrichtenagentur Reuters damit, dass es den Seiten nicht gelungen ist, ein Handelsabkommen abzuschließen. Es hängt erneut in der Luft. Folglich erwarten Rubio schwierige Verhandlungen. Die amerikanisch-indischen Beziehungen sind aufgrund einer Reihe von Ursachen angespannte geblieben. Unter anderem weil US-Präsident Donald Trump mehrfach wiederholte, dass er angeblich eine Feuereinstellung zwischen Indien und Pakistan im vergangenen Jahr erreicht hätte. Delhi ist diese Version ganz und gar nicht recht. Wie indische offizielle Vertreter erklären, hätten die Waffenruhe die Kommandierenden der Armeen beider Länder vereinbart.
Außerdem betont Delhi, dass die USA die Schuld am Tod von drei indischen Seeleuten auf einem Schiff auf See unweit des Staates Oman tragen würden. Dieses Handelsschiff war im Verlauf des Konflikts der USA mit dem Iran einem amerikanischen Bombardement ausgesetzt worden.
Noch ein wichtiger Aspekt der Meinungsverschiedenheit ist das russische Erdöl. Delhi bekundete dahingehend Besorgnis, dass in den USA Gesetz verabschiedet wurden, die erlauben, Tarife in einer Höhe von bis zu 100 Prozent den Staaten aufzuerlegen, die Erdöl von Russland kaufen. Indien hat Anfang dieses Jahres nur leicht den Erwerb russischen Erdöls verringert. Später aber, nach Beginn des Krieges der USA gegen den Iran hat er drastisch zugenommen. Jetzt, nachdem durch eine Entscheidung von Trump der Import russischen Diesels erlaubt worden ist, sehen die anhaltenden amerikanischen Beanstandungen gegenüber Delhi hinsichtlich der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation merkwürdig aus – zumindest aus der Sicht von Delhi. Wie die Zeitung „The Times of India“ schreibt, löse der Besuch von Rubio bei vielen Indern tiefe Empörung aus. Sie vermuten, dass die USA nicht die Versuche aufgegeben hätten, Delhi zu veranlassen, auf den Erwerb von Energieressourcen aus Russland zu verzichten. D. h., sie würden Indien das verbieten, was sie sich genehmigt hätten.
Der US-Botschafter in Indien Sergio Gor, der in diesem Jahr mit der Protektion von Trump für dieses Amt benannt wurde, bemüht sich in seinen Kommentaren für die indische Presse, einen guten Background für den Rubio-Besuch zu schaffen. Er erinnerte daran, dass der Außenminister in diesem Jahr das zweite Mal ins Land komme. Im Mai hatte er an einer Konferenz der Außenminister der Länder teilgenommen, die zur Gruppe Quad gehören. Zu der gehören Indien, die USA, Japan und Australien. Damals, im Mai war Rubio auch von Premier Modi empfangen worden. Dieses Mal würden, sagte Gor, Rubio über 200 amerikanische Geschäftsleute auf der Reise begleiten. Mit ihnen werde über Investitionen und Lieferungen amerikanischer Energieerzeugnisse nach Indien gesprochen werden. Der Botschafter erinnerte gleichfalls daran, dass die USA und Indien regelmäßig gemeinsame Militärmanöver durchführen würden.
In einem Gespräch mit der „NG“ betonte Alexej Kuprijanow, Leiter des Zentrums für die Region des Indischen Ozeans am Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften: „Unter Trump sind die USA bestrebt, normale Beziehungen sowohl mit Indien als auch mit Pakistan zu entwickeln. Mit Indien versuchten die USA sich über eine gegenseitige Reduzierung der Zölle und über eine Erleichterung des Zugangs amerikanischer Investoren im Land zu einigen. Vom Prinzip her hatte man sich geeinigt, doch als es um Details ging, sind die Differenzen jedoch nicht überwunden worden“.
Dennoch wird es ein Treffen Rubios mit Modi geben, denn sie haben einiges zu erörtern. „Die USA und Indien hatten früher Verträge über die Lieferung amerikanischer Waffen abgeschlossen. Diese Verträge werden erfüllt. Indien erhält von den USA Aufklärungsflugzeuge, Transportflugzeuge und Hubschrauber. Plus Zielortungssysteme und andere moderne Arten von Waffen. Was die Waffenlieferungen aus Russland angeht, so gibt es da keine neuen bedeutsamen Verträge. Russland erfüllte seine Pflichten hinsichtlich der früheren Verträge. Jetzt braucht es aber die Waffen an einem anderen Ort“, betonte Kuprijanow.