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Anstelle Moskaus schickte Bukarest COVID-19-Impfstoffe nach Transnistrien


In Moldawien hat die Vakzinierung gegen das Coronavirus begonnen. Präsidentin Maia Sandu erklärte, dass 10 bis 15 Prozent der aus Rumänien erhaltenen Partie von AstraZeneca-Impfstoffen an Transnistrien übergeben werden. Das Oberhaupt von Transnistrien, Wadim Krasnoselskij, sagte der „NG“, dass Tiraspol die Hilfe von Kischinjow annehmen werde. Zumal das Vakzin „Sputnik-V“, dessen Lieferungen auf der Ebene der Regierung der Russischen Föderation bestätigt worden waren, in Transnistrien noch nicht eingetroffen ist. Derweil weigern sich in der Gagausen-Autonomie im Süden Moldawiens Ärzte, sich mit dem Impfstoff von AstraZeneca vakzinieren zu lassen, wobei sie auf den Impfstoff aus Russland warten. Die Lieferungen von letzterem verheißt den moldauischen Bürgern Ex-Präsident und Führer der Partei der Sozialisten, Igor Dodon. Die COVID-Impfstoffe werden in Moldawien zu einem Instrument des Machtkampfs.

Um Impfstoffe für Moldawien haben sich aktiv Präsidentin Maia Sandu und Ex-Präsident Igor Dodon engagiert. Sandu hatte um sie in Bukarest gebeten, Dodon – in Moskau. Zugesagt haben beide Hauptstädte. Überdies hatte Russlands Regierung auch eine Entscheidung über die Lieferung einer Partie von „Sputnik-V“ nach Transnistrien, wo 200.000 Bürger der Russischen Föderation leben, gefällt. Als erster aber hatte auf die Bitte um Hilfe Bukarest reagiert. Dieser Tage traf eine Partei des Impfstoffs von AstraZeneca – 21.600 Einheiten – aus Rumänien in Moldawien ein. Kurz darauf weitere 14.400 Einheiten im Rahmen des COVAX-Systems, wie Maia Sandu am Freitag in den sozialen Netzwerken schrieb.

Bezüglich der rumänischen Lieferung konstatierte sie: „Dies ist die erste Tranche von 200.000 kostenlosen Impfstoff-Einheiten, die durch Bukarest den Bürgern unseres Landes zugesagt worden waren. … Danke, Rumänien! Danke, der Europäischen Union! Wir sind ihnen für die Anstrengungen und das Opfer dankbar! Gemeinsam werden wir die Pandemie stoppen“, schrieb die Präsidentin der Republik Moldawa auf ihrer Facebook-Seite.

Diese Spende ist Teil eines Unterstützungspakets für die Republik Moldowa, das durch Rumäniens Präsident Klaus Johannis während dessen offiziellen Kischinjow-Besuches im Dezember vergangenen Jahres zugesagt worden war.

Zur gleichen Zeit hat Moldawiens ehemaliger Präsident und Führer der Partei der Sozialisten, Igor Dodon, mitgeteilt, dass in dieser oder in der nächsten Woche in Kischinjow auch COVID-Impfstoffe aus Russland eintreffen würden. Dieser Tage ist überdies in Moldawien „Sputnik-V“ registriert worden. Maia Sandu erfuhr davon post factum, betonte aber, dass alles, was die Gesundheit der Menschen verbessere, ihr recht sei. Und punktete damit vor den vorgezogenen Parlamentswahlen, deren Abhaltung sie zu erreichen sucht. Das Rating der prorussischen Partei der Sozialisten rutschte dabei ins Minus ab. Umso mehr vor dem Hintergrund der ausgebliebenen Lieferung von „Sputnik-V“ nach Transnistrien, wo nicht nur 200.000 Bürger der Russischen Föderation leben, sondern auch russische Friedenstruppen disloziert sind.

Transnistriens Präsident Wadim Krasnoselskij teilte der „NG“ mit, dass die Lieferungen des russischen Vakzins durch Russlands Regierung gebilligt worden seien, eine entsprechende Entscheidung sei getroffen, aber bisher nicht umgesetzt worden. Der Transnistrien-Chef bestätigte die Absicht Kischinjows, mit den Einwohnern Transnistriens die europäischen Impfstoff-Lieferungen zu teilen. Er sagte, dass Transnistrien die Hilfe annehmen werde. „Die Vakzinierung in Transnistrien ist eine freiwillige. Die Menschen werden selbst auswählen, welchen ihnen gemacht wird. Das Wichtigste ist, dass die Massenvakzinierung beginnt. Die Situation in Transnistrien hatte sich in der letzten Zeit etwas verschlechtert. Ausgewirkt hatte sich die Situation in Moldowa, wo die Zahl der Infizierten täglich zunimmt“, erläuterte Krasnoselskij. (Ein absoluter Antirekord mit 1800 neuen COVID-Fällen wurde am 4. März in Moldawien registriert. In Transnistrien wurden am 6. März 220 neue Fälle gemeldet. – Anmerkung der Redaktion)

Derweil haben es in der Gagausen-Autonomie im Süden Moldawiens Ärzte abgelehnt, sich mit einem europäischen Impfstoff vakzinieren zu lassen. Die Chefärztinnen der Krankenhäuser in den Städten Komrat und Tschadyr-Lunga Nina Reilian bzw. Natalia Papasoglo erklärten: „Beide Vakzine wirken entsprechend einem sich ähnelnden Prinzip. Doch im Impfstoff von AstraZeneca wirkt ein Adenovirus, in „Sputnik-V“ aber zwei“. Beide Ärztinnen informierten das Gesundheitsministerium Moldawiens, dass es im COVID-Zentrum und in der Abteilung für Intensivtherapie „keine Mitarbeiter gibt, die freiwillig das Vakzin von AstraZeneca erhalten möchten“. Als Antwort unterstrich man im Gesundheitsministerium der Republik Moldowa, dass alle von der WHO und der Europäische Arzneimittel-Agentur (der EU) gebilligten Vakzine recht zuverlässig seien, da mit ihnen bereits über 200 Millionen Menschen geimpft worden seien. Jedoch unterstrich man im Gesundheitsministerium Moldawiens, dass „die Informationen darüber, dass das Vakzin „Sputnik-V“ weitaus besser als das Präparat von AstraZeneca sei, nicht stimmen“.

Zur gleichen Zeit kam die Nachricht, dass man sich nur in privaten Kliniken mit dem russischen Vakzin impfen lassen könne, das heißt gegen Geld. Kostenlos würden die Impfungen in den staatlichen Polikliniken und nur mit den europäischen Vakzinen vorgenommen werden.

„Das russische Vakzin „Sputnik-V“ wird nicht in den staatlichen medizinischen Einrichtungen eingesetzt werden, selbst wenn es die Agentur für Medikamente und medizinische Erzeugnisse billigte. Die Bürger Moldowas, die sich mit diesem Serum vakzinieren lassen wollen, werden die nur in privaten Kliniken tun können, wenn es dorthin gelangt“, teilte Ninel Rewenko, Koordinatorin der Kommunikationsgruppe für die Vakzinierung, in einer Sendung eines der nationalen TV-Kanäle mit.

Somit hat Maia Sandu eine erfolgreiche Geste im Vorwahlkampf getan, indem sie die Registrierung von „Sputnik-V“ in der Republik Moldowa billigte. Gleichzeitig aber stellte sie die Wähler vor die Entscheidung: kostenlos ist nur das Vakzin aus der EU. Für das russische aber muss gezahlt werden. Selbst wenn es auch als humanitäre Hilfe eintreffen wird. Und gerade darüber hatte Dodon in Moskau Verhandlungen geführt.

„Es wird daran gearbeitet, dass man das russische Vakzin in der kommenden Woche liefert… Es kann zu uns auf drei Wegen gelangen. Die erste Form – als Spende, als humanitäre Hilfe, die analog der Spende ist, die aus dem Westen gekommen war. Und ich danke den rumänischen Partnern, die dies getan haben. Ich hoffe, dass die Russische Föderation ebenfalls eine Spende vornimmt“, erklärte der Führer der Partei der Sozialisten auf einer Pressekonferenz in Kischinjow.

Ein anderer Weg seien nach Meinung von Igor Dodon staatliche Einkäufe. Dodon ist der Auffassung, dass diese Prozedur so schnell wie möglich begonnen werden müsse. „Und der dritte Weg sind private Kliniken. Agenturen können das Vakzin zu kommerziellen Preisen einkaufen und es der Bevölkerung anbieten, da es bereits in der Republik Moldowa registriert worden ist (insgesamt sind in der Republik zehn COVID-Impfstoffe offiziell registriert worden – Anmerkung der Redaktion)“, fügte er hinzu.

Zuvor hatte der amtierende Premier Moldawiens Aureliu Ciocoi mit Russlands Botschafter in der Republik Oleg Wasnezow die Möglichkeit einer Lieferung des russischen Präparates in dieses Land erörtert, wobei er betonte, dass Kischinjow dennoch den von der WHO gebilligten Seren den Vorrang einräumen werde. Der Sozialisten-Führer Igor Dodon erklärte, dass Moldawien mehrere hunderttausend Einheiten von „Sputnik-V“ erhalten werde. Bisher aber wartet man auf den russischen Impfstoff – in Transnistrien, Gagausien und insgesamt in Moldawien.

Die Verzögerung bei dessen Lieferung spielt Präsidentin Sandu in die Hände. Gemäß einer Entscheidung des Verfassungsgerichts soll sie einen Erlass über die Ernennung der Kandidatin zum Premierminister, die die Parlamentsmehrheit vorgeschlagen hat — Mariana Durleșteanu -, unterzeichnen. Die Sozialisten verlangen von Sandu, dies bis zum 9. März zu tun. Igor Dodon will die Bildung einer neuen Regierung erreichen, die der parlamentarischen Mehrheit unterstellt sein wird, da Moldawien eine parlamentarische Republik ist. Und die Mehrheit im Parlament führt er bereits heute an, über die zahlenmäßig stärkste Fraktion der Partei der Sozialisten und der sich ihr angeschlossenen Abgeordneten von der Partei „Schor“. Maia Sandu mangelt es an Vollmachten, um die gesamte moldawische Herrschaft in die Hände zu nehmen. Sie kann dies erreichen, nur indem sie im Parlament ihre parlamentarische Mehrheit bekommt. Und dazu braucht sie vorgezogene Wahlen. Die könnten übrigens nach dem 23. März angesetzt werden, wenn sie bis dahin dem Druck der Dodon-Anhänger standhält.