Russlands und Armeniens Offizielle sind in einen Fernstreit hinsichtlich der Zukunft der armenischen Eisenbahn geraten. Jerewan schlägt vor, deren Kontrolle einer dritten Seite zu übergeben, da die Russen nach seinen Worten Investoren abschrecken würden. Moskau ist dagegen gewiss, dass seine Beteiligung der Republik zum Nutzen gereiche. Und ein Wechsel der Geschäftsführung könne zu einer Katastrophe führen.
Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan hat Russlands Offiziellen vorgeschlagen, die Konzessionsverwaltung der Eisenbahn an ein Land, das sich in freundschaftlichen Beziehungen mit Jerewan und Moskau befindet, zu veräußern. Er begründete solch eine Notwendigkeit damit, dass einige Partner der Republik ihre Transportwegen nicht nutzen wollen, da sie sich unter einem russischen Management befinden. Nach Aussagen von Paschinjan würde es ihm nicht gelingen, sie umzustimmen, da Russland mit ihnen sehr angespannte Beziehungen habe. Im Ergebnis dessen verliere Armenien strategische Positionen und Wettbewerbsvorteile, jammert der Premierminister.
„In meiner Vorstellung besteht eine Lösung darin, dass irgendein Land, das freundschaftliche Beziehungen sowohl mit Armenien als auch mit Russland unterhält, von Moskau einfach das Recht auf die Konzessionsverwaltung erwirbt… Ich weiß nicht, beispielsweise Kasachstan, die Vereinigten Arabischen Emirate oder irgendein andere Land, das mir jetzt nicht eingefallen ist. Aber Länder, die herzliche Beziehungen sowohl mit Russland als auch mit Armenien haben“, sagte Paschinjan.
Dabei unterstrich er, dass, selbst wenn Russland in die infrastrukturelle Entwicklung der Grenzgebiete Armeniens investieren würde, um die Attraktivität der Republik zu erhöhen, dies dennoch unzureichend sein werde. Paschinjan ist sich gewiss: Die ausländischen Partner werden aus Prinzip nicht anfangen, die armenische Bahn zu nutzen.
Eine Woche später haben Russlands Offizielle klar zu verstehen gegeben, dass ihnen die Idee der Kollegen nicht gefiel. Moskau unterstrich unter anderem, dass es Jerewan nicht schade und dessen Potenzial nicht zügele, sondern erhebliche Mittel in die Entwicklung dessen Infrastruktur investiere, den Armeniern eine große Anzahl von Arbeitsplätzen schaffe und überhaupt konsequent eine Deblockierung der regionalen Transportwege zu erreichen suche.
„Irgendein anderes Unternehmen wird kaum vollwertig die Russische Eisenbahn, die effektiv und schon lange in Armenien unter bei weitem nicht einfachsten Bedingungen arbeitet, ersetzen können. Das im Verlauf von fast zwei Jahrzehnten geschaffene System kann ganz einfach mit einem Schlag versagen. Die Verantwortung dafür werden natürlich keinerlei befreundete Länder tragen. Ich hoffe, dass beim Fällen verantwortungsvoller Entscheidungen Armeniens Führung ausschließlich von den Interessen ihrer Bürger ausgehen wird“, betonte der Sekretär des russischen Sicherheitsrates, Sergej Schoigu.
Es sei daran erinnert, dass im Jahr 2008 die ZAO (Geschlossene Aktiengesellschaft) „Südkaukasische Eisenbahn“ (ein Tochterunternehmen der Russischen Eisenbahn) die Verwaltung der armenischen Bahn übernommen hat. Ein entsprechender Vertrag war für 30 Jahre mit dem Recht auf eine Prolongation um weitere zehn Jahre abgeschlossen worden.
Nach Aussagen von Schoigu habe Moskau seitdem über 30 Milliarden Rubel in die armenische Eisenbahn investiert. Dank dem Konzessionsabkommen seien gleichfalls über 15 Milliarden Rubel in Form von Steuern an den Staatshaushalt Armeniens gezahlt worden. Instandgesetzt wurden über 520 Kilometer Bahngleise, wobei das unter dem Management der „Südkaukasischen Eisenbahn“ betriebene Bahnnetz rund 700 Kilometer ausmacht.
„Vorgenommen wurde ein Austausch von 50 Prozent der Bahnschwellen. Instandgesetzt und rekonstruiert wurden über 50 Bauten, darunter 38 Brücken und zwei Tunnel. Wenn man sich die Statistik von zwei Jahren vornimmt, so ergibt sich folgendes Bild: Im Durchschnitt befördert die Südkaukasische Eisenbahn im Jahr über 500.000 Passagiere, davon etwa 360.000 im Regionalverkehr) und über 1,6 Millionen Tonnen Frachtgüter. Zum heutigen Tag garantiert das Unternehmen als ein Arbeitgeber die Beschäftigung für über 2500 Menschen. Übrigens, sie alle sind praktisch Einwohner und Bürger Armeniens, die alle notwendigen sozialen Zahlungen erhalten“, sagte Schoigu.
Allerdings haben die Auftritte des Sekretärs des Sicherheitsrates Russlands und anderer Vertreter Moskaus die gegenüber Paschinjan loyalen Medien nicht überzeugt. Sie nahmen mit den russischen Offiziellen einen Fernstreit auf und begannen, die Probleme der armenischen Eisenbahn aufzuzählen: die geringe Fahrgeschwindigkeit (nicht mehr als 50 km/h), den Mangel an Waggons und die Nutzung alter Modelle, die hohen Preise usw. Gleichfalls erinnerte man dort daran, dass entsprechend den Ergebnissen des Jahres 2025 die Schulden der Russischen Bahn rund 4 Billionen Rubel (über 50 Milliarden Dollar) ausmachen würden, und deuteten eine prinzipielle Unfähigkeit ihrer „Tochter“, ihre Pflichten in Armenien zu erfüllen, an.
„Tatsächlich hatte Paschinjan bereits Anfang des Jahres 2026 erklärt, dass Russland entweder auf eigene Kosten und ohne jeglichen Vorteil für sich zwei Bahnabschnitte unweit von Nachitschewan und am Grenzübergang mit der Türkei instandsetzen müsse oder Armenien wird anfangen, die Russische Bahn zu verdrängen. Zum Erstaunen des armenischen Leaders stimmte Moskau zu, die Arbeiten zu beginnen. Im Ergebnis dessen ist Paschinjan entgegen der früher bekundeten Position gezwungen, weiter Druck auszuüben“, berichtete der „NG“ der Leiter der Kaukasus-Abteilung des in Moskau ansässigen Instituts für die GUS-Länder, Wladimir Nowikow.
Nach Aussagen des Experten würden sich die armenischen Offiziellen zum gegenwärtigen Zeitpunkt damit befassen, dass sie das russische Big Business aus der Republik vertreiben. Unter anderem hat man bereits dem russischen Geschäftsmann mit einem armenischen Pass Samwel Karapetjan das Unternehmen „Elektrische Netze Armeniens“ weggenommen. Jetzt werde das Schicksal der „Südkaukasischen Eisenbahn“ erörtert, und in der Perspektive eine Beendigung der Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern ROSATOM, da Jerewan sich anschicke, mit den USA bei der Errichtung eines Modul-AKW zusammenzuarbeiten. Danach können ein generelle Herabstufung der armenisch-russischen Beziehungen beginnen.