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Auf der Suche nach Frieden


Der katholische Westen und christlich-orthodoxe Osten haben die Versuche aktiviert, Russland und die Ukraine auszusöhnen. Aus dem Vatikan wird Ende September der päpstliche Ukraine-Sonderbeauftragte Kardinal Matteo Zuppi in Moskau eintreffen. Seinerseits erklärte Patriarch Theophilos III. von Jerusalem, dass er „an der Planung von Treffen mit Putin und Selenskij in der nächsten Zeit arbeitet“.

Dass Matteo Zuppi nach Moskau kommen werde, teilte der außenpolitische Berater des russischen Präsidenten Jurij Uschakow mit. „Kardinal Zuppi ist einige Mal zu uns gekommen“, präzisierte der Beamte. „Er hat vor allem humanitäre Fragen. Und wir werden sie auch weiter erörtern“. Für Zuppi wird dies seit Februar 2022 bereits der dritte Besuch der russischen Hauptstadt sein. Zuvor war er im Juni 2023 gekommen und traf sich erstmals mit Uschakow, der Bevollmächtigten für Kinderrechte Russlands Maria Lwowa-Belowa (der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat am 17. März 2023 gegen sie einen internationalen Haftbefehl wegen einer angeblich rechtswidrigen Deportation und Verschleppung von Kindern aus besetzten Gebieten der Ukraine nach Russland erlassen – Anmerkung der Redaktion), aber auch mit dem Patriarchen von Moskau und Ganz Russland Kirill. Das zweite Mal weilte der Kardinal im Oktober 2024 in Moskau. Damals hatte Zuppi zwar eine Serie von Treffen mit russischen offiziellen Vertretern und religiösen Funktionären durchgeführt, doch hatte er weder mit dem Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin noch mit Patriarch Kirill Kontakte gehabt. Genauso oft war der Prälat auch in der Ukraine gewesen. Während seines ersten Besuchs im Juni 2023 traf er sich in Kiew mit dem ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij. Das zweite Mal begab er sich im Juli dieses Jahres in das Verwaltungsgebiet Lwow, wo er in einem Kriegsgefangenenlager weilte. Und er führte erneut in Kiew Gespräche, unter anderem mit Selenskij.

Der nunmehr anstehenden Russland-Reise von Zuppi ging ein Moskau-Besuch des Sekretärs des Vatikans für die Beziehungen mit den Staaten und internationalen Organisationen, von Erzbischof Paul Richard Gallagher, vom 25. bis 28. August voraus. Der katholische Diplomat führte Gespräche mit Uschakow, mit Außenminister Sergej Lawrow, aber auch mit dem Vorsitzenden der Abteilung für auswärtige Kirchenbeziehungen der Russischen orthodoxen Kirche, mit Metropolit Antonij (Sewrjuk). Viele haben die Gallagher-Reise als eine Vorbereitung des Bodens für den Besuch von Zuppi aufgefasst, wobei sie betonten, dass der Kardinal bei seinen vorangegangenen Russland-Besuchen nicht vollkommen die Aufgaben erfüllt hätte, die im Papst Franziskus gestellt hatte.

Es sei daran erinnert, dass Franziskus im April 2023 erklärt hatte, dass der Heilige Stuhl an einer „geheimen Friedensmission“ teilnehme, die auf eine Beendigung des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine abziele. Damals war Zuppi auch zum Ukraine-Sonderbeauftragten des Pontifex ernannt worden. Der Prälat besuchte in jenem Jahr Kiew, Washington, Peking und Moskau. Zum Ergebnis der Reisen wurde die Schaffung eines Mechanismus für eine Rückführung ukrainischer Kinder in deren Familien und für einen Kriegsgefangenenaustausch. Papst Leo XIV. hat nicht nur den Status von Zuppi bestätigt, sondern auch seine Aufgaben erweitert, wobei er den Akzent von einer deklarativen Diplomatie zu Menschenrechtsmechanismen verschoben haben.

Ende August dieses Jahres wurde bekannt, dass der christlich-orthodoxe Patriarch von Jerusalem Theophilos III. gleichfalls begonnen hat, nach Wegen für eine Beendigung des russisch-ukrainischen Konflikts zu suchen. Im Juni hatte die israelische Zeitung „Yedioth Ahronoth“ unter Berufung auf dem Patriarchat von Jerusalem nahestehenden Quellen mitgeteilt, das US-Präsident Donald Trump Theophilos bei deren Treffen in Washington gebeten habe, zu einem Vermittler in den Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine zu werden. Damals hatte man erklärt, dass der Gast aus Jerusalem beinahe im ersten Sommermonat nach Moskau reisen werde. Jedoch ist inzwischen viel Zeit ins Land gegangen, doch der Patriarch ist letztlich nicht in Russland aufgetaucht.

Am 30. August veröffentlichte die amerikanische Internetseite Breitbart News Auszüge aus einem Interview mit Theophilos III. (https://www.breitbart.com/politics/2026/08/30/exclusive-orthodox-church-patriarch-theophilos-iii-message-to-trump-as-he-seeks-to-help-end-ukraine-war-blessed-are-the-peacemakers/), in dem der Geistliche erklärte, dass er „an der Planung von Treffen mit Putin und Selenskij in der nächsten Zeit arbeitet“. „Ich war sehr berührt, im Juni eine Billigung von Präsident Trump dafür zu erhalten, als ein Vermittler zu wirken, um diesen Konflikt zu einer Lösung zu bringen. Ich bin auch für die Unterstützung dankbar, die diese Mission vom griechischen Staat und von seiner Heiligkeit, dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus, erhalten hat“, fügte der Hierarch hinzu.

Theophilos ist der Auffassung, dass seine Mission für eine friedliche Beilegung des Konflikts keine besonderen Probleme haben dürfte. „Meine Rolle ist keine politische. Als ein religiöser Spitzenvertreter möchte ich die Kommunikationskanäle offen halten und die Herrschenden an die Tugenden des Dialogs, der Liebe und des Stiftens von Frieden erinnern“, „Präsident Putin ist ein aufrichtig gläubiges und praktizierenden Gemeindemitglied der orthodoxen Kirche. Und Präsident Selenskij ist ein Mensch tiefer Spiritualität und tiefen Glaubens. Beide Präsidenten tragen eine gewaltige Verantwortung . Und wir rechnen sehr mit einer Zusammenarbeit mit ihnen im Interesse der Anbahnung von Kommunikationskanälen und eines konstruktiven Dialogs, konstatierte Theophilos, wobei er hinzufügte: „Wir müssen an der Heilung der Wunden innerhalb der orthodoxen Kirche arbeiten, damit unsere brüderlichen Bande wieder zu starken werden“.

Jedoch besteht die religiöse Spaltung zwischen Kiew und Moskau gerade hinsichtlich der orthodoxen Kirche. Die Herrschenden der Ukraine hatten die Schaffung der Orthodoxen Kirche der Ukraine durch den Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus von Konstantinopel im Jahr 2019 unterstützt, deren kanonischen Charakter man im Moskauer Patriarchat nicht akzeptierte. Aufgrund dessen brach die Russische orthodoxe Kirche nicht nur die eucharistischen Kontakte mit Konstantinopel ab, sondern entfernte auch aus ihrem Diptychon (dem gottesdienstlichen Verzeichnis für das Erinnern an die Oberhäupter orthodoxer Kirchen) die Namen der Oberhäupter der Kirchen von Alexandria, Griechenland und Zypern, die die Legalisierung der neuen religiösen Struktur unterstützt hatten. Patriarch Theophilos III. hat den kanonischen Charakter der Orthodoxen Kirche der Ukraine nicht anerkannt. In dem Versuch, die Spaltung zu stoppen, hatte er im Februar des Jahres 2020 in der jordanischen Hauptstadt Amman eine Beratung einberufen, zu deren Ergebnis eine Klärung der Frage zur Orthodoxen Kirche der Ukraine werden sollte. Das Konzipierte ist jedoch nicht aufgegangen. Im November vergangenen Jahres zeichnete Russlands Präsident Wladimir Putin Theophilos III. mit dem Freundschaftsorden mit der Formulierung „für den Beitrag zur Stärkung der geistlichen Beziehungen mit Russland“ aus. Ein Jahr zuvor, im September 2024, hatte der Patriarch von Jerusalem das in der Ukraine verabschiedete Gesetz Nr. 8371 verurteilt, das auf ein faktisches Verbot des Wirkens der Ukrainischen orthodoxen Kirche abzielt, die eine selbstverwaltete ist, aber zur Russischen orthodoxen Kirche gehört.

Ungeachtet dessen, dass die Ukrainische orthodoxe Kirche am 27. Mai 2022 ihre Unabhängigkeit vom Moskauer Patriarchat erklärt hatte, berücksichtigen dies weder das Staatliche Dienst der Ukraine für ethnische Politik und Glaubensfreiheit noch die Russische orthodoxe Kirche. Die erwähnte staatliche Behörde der Ukraine erkannte im August 2025 die Kiewer Metropolie als eine mit der Russischen orthodoxen Kirche affiliierte an. Dem Oberhaupt der Ukrainischen orthodoxen Kirche, Metropolit Onufrij (Beresowskij) wurde eine Anweisung zur Beseitigung der Verstöße gesandt. Die ist aber nicht umgesetzt worden. Seit Beginn dieses Jahres erfolgen Überprüfungen verschiedener Gemeinden. Bis zum heutigen Tag hat der Staatliche Dienst der Ukraine für ethnische Politik und Glaubensfreiheit die Merkmale für einen affiliierten Charakter der Beziehungen der Eparchie (Diözese) von Saporoschje, des Heiligen Dreifaltigkeitsklosters von Korez im Verwaltungsgebiet Rowno, des Marien-Schutz-Kloster „Holosejew-Einsiedelei“ in Kiew, aber auch des Heiligen Himmelfahrtsklosters von Potschajiw (Verwaltungsgebiet Ternopol) bestätigt. Angeschoben wurden offizielle Untersuchungen und Überprüfungen in Bezug auf die Eparchien von Borispol und Odessa, Sie alle können zwangsweise liquidiert werden. (Und am Freitag, dem 10. September wird in Kiew ein Prozess zur Beendigung des Wirkens der Ukrainischen orthodoxen Kirche fortgesetzt. — Anmerkung der Redaktion)

Die Russische orthodoxe Kirche, die nach wie vor die Ukrainische orthodoxe Kirche als ihren Bestandteil ansieht, hat sich direkt einige frühere ukrainische Eparchien unterstellt. Die Eparchien von Simferopol, Dschankoj und Feodossija wurden im Juni 2022 in den Bestand der neu gebildeten Krim-Metropolie der Russischen orthodoxen Kirche aufgenommen. Die Rowno-Eparchie (Verwaltungsgebiet Lugansk) ist im Oktober 2022 Moskau unterstellt worden, die von Berdjansk (Verwaltungsgebiet Saporoschje) ist im Mai 2023 unter die direkte Verwaltung von Patriarch Kirill gestellt worden. Die Eparchien von Donezk, Gorlowka, Lugansk und Cherson wurden de jure am 14. Juli 2023 in die Struktur der direkten Leitung des Oberhaupts der Russischen orthodoxen Kirche integriert. Wenige Tage später registrierte das Justizministerium der Russischen Föderation die Verwaltungen dieser Eparchien als russische religiöse Organisationen.

Vor diesem Hintergrund lösen die diplomatischen Möglichkeiten von Patriarch Theophilos III. und Kardinal Matteo Zuppi einige Zweifel aus. Es ist schwer zu helfen, die weltlichen Widersprüche zu lösen, wenn du dich selbst in der Situation eines andauernden Konflikts befindest. Die religiöse Welt zerreißen nicht weniger erbitterter Kämpfe zwischen konkurrierenden Institutionen als im Bereich der internationalen politischen Beziehungen. Oft ist es so, dass nicht Politiker, sondern geistliche Spitzenvertreter gegenüber Politikern ihren Kummer über Probleme der Kirche bekunden, wobei sie bei den Starken dieser Welt Schutz suchen. Nihil est in religione, quod non fuerit in vita (deutsch: „Es gibt nichts in der Religion, was nicht zuvor im Leben gewesen wäre“.). Kardinal Zuppi wird uns verstehen.