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Begonnen hat die Epoche der superschweren Raumfahrt


Am 28. September startete um 14.48 Uhr MESZ vom Kosmodrom Starbase im US-Bundesstaat Texas (Boca Chica) das System Starship-Super Heavy im Rahmen des 14. Testflugs. Starship erreichte erstmals eine Erdumlaufbahn und brachte zum ersten Mal eine vollwertige Nutzlast – 26 Starlink-V3-Satelliten – dorthin. Laut einer Erklärung von SpaceX ist mit allen Apparaten eine Verbindung hergestellt worden.

Dieser Starship-Flug ist für die internationale Raumfahrt ein fundamentales Ereignis. Faktisch erfolgte ein Übergang von der Ära der Einweg- und teilweise mehrfach einsetzbaren Systeme zu einer Raumfahrt mit vollkommen mehrfach einsetzbaren superschweren Apparaten. Das mehrfach einsetzbare Raketensystem, das aus dem Raumschiff Starship und der Rakete Super Heavy der extrem schweren Klasse besteht, besitzt eine Höhe von mehr als 120 Meter. Es ist höher als jegliche andere jemals geschaffene Rakete.

Der Super Heavy Booster (die erste Stufe) wasserte planmäßig im Golf von Mexiko (er ist jetzt auch lt. Trump der Golf von Amerika) etwa neun Minuten nach dem Start. Starship (die zweite Stufe) absolvierte sechs Erdumrundungen und wasserte im Pazifik westlich von Chile nach drei Stunden und acht Minuten nach dem Start (obgleich anfangs eine Flugdauer von zehn Stunden geplant war – Anmerkung der Redaktion). Das Raumschiff hatte durch Zündung eines Raptor-Triebwerks erfolgreich die Geschwindigkeit gedrosselt und eine vertikale Position mit Hilfe von drei Triebwerken vor dem Berühren der Wasseroberfläche eingenommen. Die Wasserung imitierte die künftige Rückkehr zum Startkomplex. Somit wurde erstmals die Möglichkeit eines orbitalen Ausbremsens mit einer nachfolgenden gesteuerten Rückkehr demonstriert. Nach Berühren der Oberfläche des Ozeans kippte die Rakete um und explodierte.

Dies ist aber bereits sozusagen ein Arbeitsaspekt. Elon Musk hat bewiesen, dass er und sein Team von Spezialisten schnell aus eigenen Fehlern lernen können. Mit Stand vom 12. Juni 2026 hat SpaceX 15.262 Satelliten ins Weltall gebracht. Dies ist mehr als alle übrigen Teilnehmer der Erschließung des Kosmos in der ganzen Geschichte – und überdies zusammengenommen.

Für einen Vergleich sei gesagt: Die Russische Föderation hat im vergangenen Jahr 17 erfolgreiche Starts von Raketen vorgenommen, die insgesamt 59,2 Tonnen von Weltraumapparaten auf Erdumlaufbahnen brachten. Die USA kamen auf 192 erfolgreiche Starts und 3198 Tonnen Nutzlast im All.

In Russland stellt man gern Überlegungen über eine gewisse „Noosphäre“ (eine vom menschlichen Geist, Denken und Handeln geprägte und gestaltete Sphäre der Erde, die sich als neue planetare Schicht über die belebte Biosphäre legt) an. Ja, aber die Technosphäre, die von dem einen privaten Unternehmen SpaceX geschaffen wurde, ist bereits eine Realität, die uns in Empfindungen gegeben worden ist. Dies ist keinerlei Metaphysik, nur Physik – die jedem beliebigen zugänglich ist, der ein Smartphone oder Rundfunkempfänger hat.

In einer der kürzlichen Interview legte der Verdiente Konstrukteur der Russischen Föderation, der Präsident und Generalkonstrukteur des Russischen S.-P.-Koroljow-Raumfahrtkonzerns „Energia“ in den Jahren 2005-2007, Nikolaj Sewastjanow, seine Sichtweise zur Entwicklung der internationalen Raumfahrt dar. Seine Logik und Hauptthesen sind folgende:

  • Der Verbrauch von Energieressourcen nimmt schneller zu als die Zunahme der Erdbevölkerung. Daher spitzt sich der Kampf um die Ressourcen zwischen den Staaten zu.
  • Zur gleichen Zeit nimmt das Interesse in der Welt für eine Erschließung der Ressourcen auf dem Mond und auf Asteroiden zu. Elon Musk schlägt vor, Data-Zentren in den Kosmos zu verlegen und den Mars zu einem Reserveplaneten für das Leben zu machen.
  • Die Menschheit könnte schon in der nächsten Zukunft beginnen, das Sonnensystem zu erschließen, wenn es nicht die militärischen Konflikte geben würde, die sich in der letzten Zeit verstärken.

Und die Schlussfolgerung, die der Konstrukteur von Weltraumtechnik zieht, ist: Eine Verringerung der Konflikte auf der Erde aufgrund der Ressourcen wird die Organisation internationaler Kosmos-Projekte zur Erschließung des Sonnensystems fördern.

Was soll man da sagen? Man kann sofort hervorheben, dass die Erklärungen von Musk noch kein Beleg für eine globale Zunahme des Interesses für eine Erschließung außerirdischer Ressourcen und des fernen Weltalls ist. Im Gegenteil, das Interesse für die Raumfahrt als ein Beruf geht zurück. Dafür gibt es einige Beweise.

Mit Stand vom September 2026 machte die Gesamtzahl der aktiven Mannschaft der NASA-Astronauten 35 Personen aus. Im Jahr 2000 hatte ihre Zahl 150 Männer und Frauen erreicht. In der Kosmonauten-Gruppe von „Roskosmos“ befinden sich derzeit 18 aktive Kosmonauten. Natürlich sind die Gruppen von Astronauten und Kosmonauten dynamische Strukturen. Und der Parameter für ihre Anzahl ist lediglich ein momentaner Wert, der das Interesse der Gesellschaft für die Raumfahrt reflektiert. Und dennoch… (In diesem Jahr haben sich 12.000 Männer und Frauen Russlands beworben, um Kosmonaut/in zu werden. Im nächsten Monat sollen die ausgewählten künftigen Kosmonauten der Öffentlichkeit vorgestellt werden. — Anmerkung der Redaktion)

Aber der wichtigste Einspruch lautet: Eine „Kolonisierung“ des Mars, des Monds oder von Asteroiden, das heißt eine sogenannte „Expansion der Menschheit in den Kosmos“, sei gerade deshalb zum Scheitern verdammt, weil keinerlei ernsthafte internationale Kosmos-Projekte zur Erschließung des Sonnensystems praktisch nicht realisierbar seien.

Der „Konfliktcharakter“ (nicht unbedingt der militärische) auf der Erde besitzt keine Perspektive für eine Verringerung. Keiner – möglicherweise mit Ausnahme der USA und Chinas – werden in einem heftigen Konkurrenzkampf auf der Erde Ressourcen für die Erschließung einer Leere ausgeben. Maximal für Erdumlaufbahnen.

So erklärte Ende September 2026 NASA-Chef Jared Isaacman, dass die amerikanische Raumfahrtagentur in der Frage der Auswahl von Partnern für eine internationale Zusammenarbeit wählerischer sein müsse. Der Run zum Mond verwandele sich ja aus einem Kampf um das nationale Prestige zwischen den USA und China in einen Wettbewerb mit hohen Einsätzen um außerirdische Territorien und Ressourcen.

Anders gesagt: Die mit Konflikten beladene Situation auf der Erde nehme mit der Entwicklung der Raumfahrtprogramme nur zu. Es scheint, dass die Rechtfertigung des Runs zum Mond mit einem Kampf um außerirdische Ressourcen zu phantasievoll ist. Im Übrigen, auch wenn die Einsätze hohe sind, bedeutet aber die Buchmacher-Rhetorik gerade eine Wahrscheinlichkeit.

Dennoch betonte der NASA-Chef: „Wir wollen dorthin aufbrechen (in das Gebiet des Südpols des Mondes), um die Fertigkeiten zu schulen, die für einen Flug zum Mars notwendig sind. Und wenn du begreifst, dass es sehr wenige Plätze für ein Parken, die den Zugang zu dieser Trainingsplattform sichern, gibt, verursacht dies eine Empfindung von Dringlichkeit, denn die Chinesen schicken sich an, auch zu eben jenen Orten aufzubrechen. Sie arbeiten mit den Russen zusammen. Sie haben vor, dort einen Atom-Reaktor zu stationieren, und können uns potenziell diese Trainingsplattform nehmen, die für die Realisierung der Raumfahrtambitionen Amerikas notwendig ist“.

Die NASA hat noch Zeit. In dem vom Staatskonzern „Roskosmos“ vorgestellten Programmentwurf für die Erschließung von Ressourcen des Monds und von Asteroiden, ist unter den entscheidenden Vorschlägen der Bau eines AKW auf dem Mond bis zum Jahr 2036 ausgewiesen worden – „für eine Stromversorgung der künftigen Infrastruktur“. Was für einer, wird nicht erläutert. Und wann sie beginnt, liegt irgendwo in der Zukunft…

Somit kann man sich noch, wenn für den Staat — mit einigen Anstrengungen, geopolitische Ziele für die Erschließung von Ressourcen zumindest des Sonnensystems ausdenken (einen militärischen Aspekt zum Beispiel), während dies für den privaten Sektor kein akzeptables Business-Modell ist. Möglicherweise wird solch eine Aufgabe gefunden. Bisher aber nicht. Man kann ja nicht als solch ein Ziel die Aufgabe einer Verwandlung des Homo sapiens in eine kosmische Art von Wesen stellen. Umso mehr weder für einen Staat (selbst für alle Mitglieder der UNO zusammengenommen) noch für das Business.

Im Übrigen, gerade daher wäre es für das Business wünschenswert, den Staat zu solch einem kosmo-/politischen Projekt „zu verführen“ – auf den Mars zu springen, indem man sich vom Mond abstößt. Womit sich aktiv und erfolgreich, wie wir sehen, eben jener Elon Musk befasst. Dem russischen Raumfahrtbusiness wird dies offenkundig nicht gelingen. Und Musk webt weiter rund um den Erdball ein materielles Technosphärennetzt aus seinen Starlink-Satelliten.

P. S.

Das Erreichen einer Erdumlaufbahn war für die SpaceX-Rakete eine Premiere. Das Erreichen des Orbits birgt aber auch Risiken. Denn, wenn SpaceX die Kontrolle über das Starship oder seine Antriebsoberstufe verliert, wird die Rakete nicht wie bei den suborbitalen Tests einfach zur Erde zurückfalle und in den Ozean stürzen. Einmal in der Erdumlaufbahn angekommen, ist das Starship schnell genug, um dort auch im Falle eines Antriebsausfalls oder Defekts weiter zu kreisen – es wird zu einem riesigen Stück Weltraumschrott. Um Gefahren für Satelliten und bemannte Raumstationen zu minimieren, kreiste das Starship daher in einem sehr niedrigen Orbi. Mit 275 bis 280 Kilometern Höhe lag die geplante Umlaufbahn deutlich unter der rund 400 Kilometer hoch fliegenden Internationalen Raumstation ISS und der chinesischen Raumstation Tiangong in rund 340 Kilometer Höhe.