Der neutrale Staat Republik Moldau hat begonnen, letale Waffen zu bekommen. Das Verteidigungsministerium veröffentlichte Bilder eines Gefechtsschießens unter Einsatz jüngst aus Israel gelieferter selbstfahrender ATMOS-2000-Haubitzen, die bestätigen, dass sich jetzt dieses System mit einem Kaliber von 155 Millimetern in der Bewaffnung des Landes befindet. Die Waffen werden im Zusammenhang mit der Erweiterung der Hilfe der Europäischen Union auf dem Gebiet der Sicherheit für Chisinau über den Europäischen Friedensfonds und die mit ihm verbundenen Instrumente geliefert. Aber auch, weil der Konflikt der Russischen Föderation und der Ukraine weiterhin politischen, wirtschaftlichen und militärischen Druck auf Moldawien ausübe, teilte der Verteidigungsministerium der Republik Moldau mit.
„Das Auftauchen der israelischen selbstfahrenden Artilleriewaffen verändert an und für sich nicht das regionale Gleichgewicht, belegt aber einen klaren Trend. Moldawien ersetzt die von der Sowjetunion geerbten Ausrüstungen durch Systeme westlicher Standards, wobei das Zusammenwirken mit den Partnern aus der EU und der NATO verbessert, die Bereitschaft zu gewaltsamen Szenarios entlang ihrer Grenzen erhöht und unter anderem das Transnistrien berücksichtigt wird“, berichtete eines der westlichen Medien, das man in Moldawien zitiert.
Die Reichweite der erwähnten Haubitzen beträgt rund 30 Kilometer mit standardmäßigen Splittergeschossen und bis zu 41 Kilometer mit standardmäßigen Sprenggranaten mit Base Bleed oder aktiven-reaktive Geschossen. Dieser Parameter löste in der Öffentlichkeit in Chisinau und in Tiraspol Fragen aus. Wozu braucht die moldawische Armee solche Geschütze. Einige befürchte, dass es nur ein Ziel gebe, das sie treffen können – Transnistrien.
Nach dem Sieg von Maia Sandu bei den Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr und der Etablierung der von ihr kontrollierten parlamentarischen Mehrheit in diesem Herbst hat man in den Machtstrukturen begonnen, darüber zu sprechen, dass es ausreichend sei, die Operative Gruppe der russischen Truppen aus Transnistrien abzuziehen, damit die Region aufhört, eine von Chisinau unabhängige zu sein und zusammen mit Moldawien der EU beitritt, wenn die Zeit dafür kommt. Die moldawischen Offiziellen sind sich gewiss, dass dies im Jahr 2030 möglich sein werde. Da hatte auch die Führung der EU begonnen, verstärkte Fürsorge zwecks Mobilmachung Moldawiens an den Tag zu legen, aber auch einige Länder der Europäischen Union. Und während man noch vor zwei Jahren in Brüssel eine Aufnahme Moldawiens in die EU ohne Transnistrien erwägte (Sandu hatte von einer schrittweisen Integration gesprochen), so reden jetzt alle von einem gleichzeitigen Beitritt zur EU. Besonders Kiew besteht auf solch einer Variante.
Der Botschafter der Ukraine in Moldawien, Paul Rogowej, erklärte: „Unsere Position besteht darin, dass wir positive Ergebnisse bei der Regulierung des Transnistrien-Konflikts erreichen können, indem diese Zone demilitarisiert wird“. Nach seiner Meinung würde die Situation das vereinfachen, dass heute in der Operativen Gruppe der russischen Truppen Einwohner von Transnistrien mit der Staatsbürgerschaft der Russischen Föderation dienen, während früher Soldaten und Offiziere aus dem Ural-Militärbezirk der Russischen Föderation zum Dienst in die Region gekommen waren. Die Einheimischen würden, meint man in der ukrainischen Botschaft, keinen Widerstand leisten. Ja, und sie würden auch nur ganze 1000 Mann ausmachen, behauptet Rogowej.
Es muss betont werden, dass der Botschafter gute Beziehungen mit der Führung von Transnistrien hat, worüber er selbst mehrfach berichtete. Insgesamt steht man in der nichtanerkannten Republik den Ukrainern, zumindest aus dem Verwaltungsgebiet Odessa, gut gegenüber. Während des bewaffneten Konflikts am Dnestr 1992 hatte man Flüchtlinge aus Transnistrien aufgenommen. Folglich kann man eher damit rechnen, dass die Ukraine Moldawien daran hindert, militärischen Druck auf Transnistrien auszuüben, wenn sich auf einmal diese Frage ergibt, und versuchen wird, sich mit Tiraspol über eine Auflösung der Operativen Gruppe der russischen Truppen zu einigen. In Chisinau finden bereits solche Gespräche statt. In Tiraspol, das einerseits durch ukrainische, andererseits durch moldawische Militärs eingezwängt wird, zieht man es vor, dieses Thema nicht anzusprechen. Dass aber Moldawien bereits Haubitzen geliefert werden, beunruhigt die Menschen in Transnistrien, die nicht ausschließen, dass die Waffen irgendwann einmal gegen sie eingesetzt werden können.