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China verstärkt den wirtschaftlichen Einfluss auf Tadschikistan


China wird für Tadschikistan zu einem Partner, von dem der Handel und die Investitionsmöglichkeiten immer mehr abhängen. Jedoch belegt der Umfang der wirtschaftlichen Präsenz noch nicht eine politische Kontrolle. Die Hauptfrage für Duschanbe ist, zu welchen Bedingungen das chinesische Kapital in die Wirtschaft kommt und hilft es dem Land, eigene Quellen für ein Wachstum zu schaffen.

Im September war Duschanbe zu einem Tagungsort für eine Serie tadschikisch-chinesischer Treffen geworden. Im Zentrum der Aufmerksamkeit standen der Besuch einer Delegation der Volksrepublik China unter Leitung von Professor Xing Guangcheng (Mitglied der Akademie für Gesellschaftswissenschaften Chinas und Direktor des Instituts für das Studium von Grenzproblemen Chinas – Anmerkung der Redaktion) und eine Veranstaltung zum 77. Jahrestag der Bildung der Republik, deren Teilnehmer die strategische Partnerschaft, gemeinsame Projekte und die Rolle der (chinesischen) Initiative „Ein Gürtel – ein Weg“ in der Entwicklung Tadschikistans erörterten.

Der Maßstab der chinesischen Präsenz ist überzeugender als diplomatische Formeln. Laut Informationen der Nationalen Nachrichtenagentur Tadschikistans „Khovar“, die zu den Ergebnissen des Mai-Besuchs von Präsident Emomali Rachmon in der Volksrepublik China veröffentlicht wurden, haben die chinesischen Investitionen in der Wirtschaft Tadschikistans in den Jahren 2007-2024 fast sechs Milliarden Dollar erreicht. In der gleichen Veröffentlichung wurde der Umfang der direkten Investitionen mit etwa 3,5 Milliarden Dollar beziffert. Auf dem Territorium der mittelasiatischen Republik arbeiteten zu dieser Zeit über 700 Unternehmen mit einer chinesischen Kapitalbeteiligung.

Der Einfluss gestaltet sich auch über das Bildungswesen. Im Mai dieses Jahres wurde von etwa 6000 tadschikischen Studenten in chinesischen Bildungseinrichtungen berichtet. Für die Republik ist dies eine Möglichkeit der Ausbildung von Spezialisten, für China – eine langfristige Erweiterung der beruflichen Kontakte. An und für sich bedeutet eine Ausbildung im Ausland keine politische Loyalität, schafft aber Bedingungen für eine weitere Zusammenarbeit.

Laut den Angaben eines nationalen Reports, der vom GUS-Exekutivkomitee veröffentlicht wurde, entfielen im vergangenen Jahr auf China 26,4 Prozent des Außenhandelsumsatzes von Tadschikistan, auf Russland – 22,9 Prozent. Folglich ist im Warenhandel die chinesische Führungsrolle bereits zu einer Tatsache geworden. Dies ist jedoch nur einer der Parameter für den Einfluss.

Besonders spürbar ist die Konzentration im Rohstoff-Sektor. Im Jahr 2025 sicherte China 74,9 Prozent des Wertes der Exporte tadschikischer Erze im Vergleich zu den 53,1 Prozent des vorangegangenen Jahres. Antimon machte 20,1 Prozent des gesamten Warenexports der Republik aus. Diese Daten erklären die Bedeutung der mineralischen Ressourcen für die Außenwirtschaftspolitik von Duschanbe.

Der große Käufer verschafft den Förderunternehmen einen Absatzmarkt, verstärkt aber gleichzeitig deren Abhängigkeit von den eigenen Einkaufbedingungen. Wenn es wenige alternative Käufer und Routen gibt, verringern sich die Verhandlungsmöglichkeiten des jeweiligen Exporteurs.

Die Verbindlichkeiten in Bezug auf Schulden erfordern gleichfalls Aufmerksamkeit, obgleich sie an und für sich nicht die These von einem Verlust der Souveränität bestätigen. Laut einer gemeinsamen Analyse des IMF und der Weltbank machten Ende des Jahres 2025 die staatlichen und vom Staat abgesicherten Schulden Tadschikistans gegenüber China rund 3,5 Milliarden Dollar aus. Zur gleichen Zeit demonstriere die Statistik, wie Tadschikistans Finanzminister Faisiddin Kachchorsoda betonte, eine positive Dynamik: Die Schuldenbelastung für die Wirtschaft Tadschikistans habe spürbar abgenommen – von 25,2 Prozent bis auf 19,2 Prozent.

Mit der Hilfe Chinas entwickelt Tadschikistan das BIP und verstärkt die Armee. Die Republik findet Mittel für den Bau von Hochhäusern und humanitäre Hilfe für Afghanistan – 3000 Tonnen oder 150 LKW mit einer Ladekapazität von 20 Tonnen (zumal etwa 21 Prozent der afghanischen Bevölkerung gerade Tadschiken ausmachen, für die man sich in Duschanbe auch verantwortlich fühlt – Anmerkung der Redaktion). Vor dem Hintergrund der Schwierigkeiten bei der Benzin-Versorgung in Russland verringern die Zusagen chinesischer Lieferungen die Befürchtungen Duschanbes hinsichtlich der Versorgung des Landes mit Kraft- und Schmierstoffen.

Die friedliche Expansion Chinas nimmt zu. Hinsichtlich einer Reihe von wirtschaftlichen Parametern geht die Führungsrolle von Russland an die Volksrepublik China über. Doch die russische Bedeutung bleibt gewahrt. Nach Einschätzung der Weltbank entsprachen die Geldüberweisungen im Jahr 2025 etwa 46 Prozent des BIP Tadschikistans, wobei der Konsum und die Bezahlung der Importe unterstützt wurde. Dies ist ein Verhältnis der Geldströme mit dem Umfang der Wirtschaft, aber nicht deren Anteil an der Erzeugung des BIP. Mehr als ein Viertel der Arbeitskräfte des Landes sind im Ausland tätig, vorrangig in Russland.

Im vergangenen Jahr machte der Import 8,31 Milliarden Dollar aus, der Export – 2,49 Milliarden. Damit überstieg der Import den Export um das 3,34fache. Das Defizit erreichte 5,82 Milliarden Dollar. Berechnungen entsprechend dem nationalen Report demonstrieren die Wichtigkeit der ausländische Gelder für die Bezahlung der Einkäufe. Das chinesische Kapital beseitigt nicht die Abhängigkeit der Familien von den Verdiensten im Ausland: Die Investitionen unterstützen die Produktion, und die Migration – einen erheblichen Teil der Nachfrage.

Bewahrt bleibt auch das militärpolitische Sich-stützen auf Russland. Tadschikistan gehört zur Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit. In der Republik ist der 201. russische Militärstützpunkt disloziert. In Tadschikistan erinnert man sich weiter an mehrere große Investitionen Russlands – für den Bau des Sangtuda-Wasserkraftwerks, für fünf im Jahr 2022 errichtete Schulen mit einer Ausbildung in russischer Sprache. Russland finanziert weiter die Russisch-tadschikische slawische Universität. Zu einigen der markantesten aktuellen Projekte gehört der Beginn von Bauarbeiten in diesem Jahr für die Errichtung eines gemeinsamen Industrieparks in Tadschikistan.

Daher ist es verfrüht, von einer vollständigen Verdrängung Russlands durch China zu sprechen. Der Handel, die Finanzierung, die Beschäftigung und Sicherheit bilden verschiedene Verbindungen, die man nicht mit einem Parameter messen kann.

Vor diesem Hintergrund erlangt besondere Bedeutung die Frage nach einem Beitritt Tadschikistans zur Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU). Im Februar dieses Jahres teilte jedoch Außenminister Sirodschiddin Muchriddin mit, dass Tadschikistan zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Beitritt zur EAWU und zum Bündnis BRICS (dem zehn Staaten angehören – Brasilien, Russland, Indien, China, die Republik Südafrika sowie dies sich ihnen angeschlossenen Länder Iran, Ägypten, Äthiopien, die VAE und Indonesien) erwäge, wobei es die bilaterale Zusammenarbeit mit deren Teilnehmerstaaten fortsetzt. Allerdings beschreibt solch eine Formulierung die aktuelle Position und keine endgültige Absage an eine Integration.

In den Medien wurden Vermutungen laut, wonach angeblich gerade Peking einen Beitritt von Duschanbe zur EAWU verhindere. Jedoch bleibt diese Version eine Hypothese. Damit die Erörterung zu einer gegenständlichen wird, sind Berechnungen zu den konkreten Warengruppen und möglichen Beitrittsbedingungen notwendig. Dann könnte man die Interessen der Importeure, Hersteller, des Budgets und der im Ausland arbeitenden Bürger in ein Verhältnis bringen.

Tadschikistan braucht umfangreiche Investitionen. Und die Zusammenarbeit mit China eröffnet dafür wesentliche Möglichkeiten. Das Hauptrisiko besteht darin, dass sich die Abhängigkeit vom Kapital-Lieferanten mit einer Abhängigkeit vom Käufer der Rohstoffe verbinden kann. Je schwieriger es wird, solch einen Partner zu ersetzen, desto teurer wird eine Ablehnung dessen Bedingungen. Die Bewahrung der Freiheit für Wirtschaftsentscheidungen verlangt von Duschanbe transparente Verträge und ein Konkurrenz-Milieu. Gerade anhand dieser Ergebnisse macht es Sinn, darüber zu urteilen, ob die chinesische Beteiligung die Eigenständigkeit von Tadschikistan verstärkt oder sie allmählich einschränkt.