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China wird Amerika nicht Transkaukasien überlassen


Wang Yi, Chinas Außenminister und Mitglied des Politbüros des ZK der KP Chinas, wird Aserbaidschan, Kroatien, Montenegro und Bulgarien besuchen. Wie die Nachrichtenagentur Xinhua unterstreicht, werde Wang Yi im Verlauf der anstehenden Besuche das Staatsoberhaupt der VR China Xi Jinping an sich vertreten. Anders gesagt: Wollen Sie mit der VR China Handel treiben, Investitionen erhalten, so demonstrieren Sie gegenüber dem Gast die nötige Pietät, signalisiert man in Peking.

Alle recht unterschiedlichen Länder, die zur Route der eurasischen Tournee von Wang Yi gehören, vereint das, dass sie zu dem chinesischen Projekt „Ein Gürtel – ein Weg“ gehören, das die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Handels mit China erweitern soll. Außerdem ist dies in Vielem auch eine Informationsreise bzw. Reise zum Kennenlernen. In Montenegro ist der Außenminister der VR China noch nie gewesen. In Aserbaidschan war er das letzte Mal vor recht langer Zeit – vor sieben Jahren. Die meisten Kommentare in der Presse hatte gerade die Reise von Wang Yi nach Aserbaidschan ausgelöst. Denn dort wird der Minister nicht nur mit der Landesführung sprechen, sondern auch mit den Teilnehmern der Tagung für ein Zusammenwirken und für vertrauensbildende Maßnahmen in Asien (TZVMA). Dieser Organisation schon schon seit langem weder das Fernsehen noch die Zeitungen große Aufmerksamkeit. Und möglicherweise aber vergebens. Zu dieser Organisation gehören 28 Staaten, darunter Russland. Wobei unter den Beobachtern die USA sind. Das Bündnis ist heute eines der wenigen internationalen Formate, in dessen Rahmen sich offizielle Vertreter der Russischen Föderation und der Vereinigten Staaten treffen können.

Und auf Aserbaidschan sind nicht nur die Blicke von Moskau und Peking, sondern auch von Washington gerichtet. Nicht ohne Grunde weilte in diesem Jahr US-Vizepräsident JD Vance in Baku. Bei den Gesprächen mit Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew wurden sowohl das Problem der Beilegung des Konflikts zwischen Aserbaidschan und Armenien, sondern auch das Projekt für die Route durch den Süden Armeniens, das das Hauptterritorium Aserbaidschans mit der Nachitschewan-Anatomie und weiter mit der Türkei verbinden soll, erörtert. Aus der Sicht der USA ist dieses Vorhaben dadurch nützlich, dass es ihnen erlauben wird, die wirtschaftliche Präsenz in der Region zu erweitern. Und Aserbaidschan hofft, den Transportweg nach Nachitschewan zu verbessern.

Hierbei spielt Washington an zwei Brettern. Vor dem Baku-Besuch hatte Vance Jerewan besucht. Er hatte den Wunsch gehabt, die Vereinbarungen zwischen Jerewan und Baku zu untermauern, die unter Vermittlung des Hausherrn des Weißen Hauses Donald Trump bei einem Treffen am 8. August 2025 erzielt worden waren. Die USA versprachen gleichfalls, Aserbaidschan Unterstützung bei der Verstärkung der Seestreitkräfte zu leisten.

Jedoch will man in Peking natürlich nicht Washington Aserbaidschan – ja und auch nicht das ganze Transkaukasien – überlassen. Zumal geplant wird, über dessen Territorium Routen für den Transport chinesischer Exportwaren zu organisieren. Derart ist der Hintergrund der Politik der VR China. Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums Mao Ning sprach bei einem regulären Briefing darüber, dass die TZVMA ein wichtiges Forum für die Erörterung von Problemen der Sicherheit und Zusammenarbeit in Asien sei. Diese Organisation habe es vermocht, wie sich herausstellt, einen gewichtigen Beitrag zur Beendigung von Konflikten in der Region, zur Stabilisierung der Lage in Asien und zur Entwicklung dessen Wirtschaft zu leisten.

Hinsichtlich der Beziehungen mit Aserbaidschan hatte Mao Ning darauf verwiesen, dass der Außenminister Chinas mit einem gegenseitigen Einvernehmen mit dem offiziellen Baku rechne. Im Verlauf des Besuchs sollen mit den aserbaidschanischen Kollegen sowohl Fragen der Beziehungen zwischen den beiden Ländern, sondern auch aktuelle internationale Probleme erörtert werden.

In einem Gespräch mit der „NG“ betonte Alexej Maslow, Direktor des Instituts für die Länder Asiens und Afrikas der Moskauer Lomonossow-Universität: „Vor rund einem Jahr hat China begonnen, aktiv mit den Regionen zu arbeiten, mit denen früher Russland gearbeitet hatte. Dies ist Zentralasien. Es fand ein Treffen der Staatschefs Zentralasiens mit Xi Jinping statt. Und jetzt stellt sich China auf den Kaukasus und auf Transkaukasien um. Die idee ist eine sehr simple: Durch die Region verläuft ein Transportkorridor, der erstens Aserbaidschan und die Türkei verbindet und zweitens eine Brücke zwischen China und Zentralasien ist, wo China augenscheinlich bereit ist zu investieren. Hier gibt es gleichfalls strategische Routen, die China mit Europa unter Umgehung instabiler Zonen verbinden. China ist bereit, dies zu erörtern. Außerdem ist China unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Situation extrem an Erdölressourcen interessiert.

China hat drastisch den Umfang seiner Investitionen in Transkaukasien nach dem Ende der (COVID-) Pandemie erhöht. Es errichtet in Aserbaidschan Logistik-Zentren, darunter in Baku und Häfen. Da haben China und Aserbaidschan einen Investitionsfonds von etwa einer Milliarde Dollar“.