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COVID-Folgen treffen den Haushalt und die Wirtschaft


Für die Wiederherstellung der Wirtschaftsaktivitäten wird allein eine Vakzinierung unzureichend sein. Immer akuter steht das Problem einer Rehabilitierung nach der überstandenen Erkrankung. Wie Spezialisten vom Gesundheitsministerium warnen, werden 70 Prozent der Patienten mit COVID-19 eine Rehabilitierung brauchen. Das heißt, dass es dabei um Millionen Bürger gehen kann, von denen viele riskieren, für lange ihre einstige Arbeitsfähigkeit und Effektivität zu verlieren. Damit wird also für das Gesundheitswesen die Rehabilitierung der Bevölkerung zu einer der entscheidenden Richtungen im laufenden Jahr, erwartet der Föderationsrat (das Oberhaus des russischen Parlaments – Anmerkung der Redaktion). Freilich, allem nach zu urteilen können im Rahmen des Systems der Krankenpflichtversicherung lediglich zehntausende Bürger mit einer medizinischen Rehabilitierung rechnen. Die Sanatorien sind bereit, den Krankenhäusern zu Hilfe zu kommen. Es ergeben sich aber Fragen hinsichtlich der Finanzierung.

Im Jahr 2021 wird zu einer der Schlüsselrichtungen in der Arbeit des Gesundheitswesens die Rehabilitierung der Bürger nach der überstandenen Coronavirus-Infektion. Dies erklärte am vergangenen Donnerstag Galina Karelowa, die stellvertretende Vorsitzende des Föderationsrates, bei einer Tagung des Rates für das regionale Gesundheitswesen.

Gegenwärtig gibt es im Land bereits mehr als 3,5 Millionen Bürger, die an Covid-19 erkrankt gewesen waren, und „die gemeinsame Aufgabe der staatlichen Machtorgane und des Systems des Gesundheitswesens ist“, wie Karelowa sagte, „die Folgen der Krankheit für die Bürger zu minimieren“.

Laut ihrer Präzisierung sei die Rechtsgrundlage dafür geschaffen, es entwickele sich gleichfalls die Heilbehandlung in Sanatorien und Kurorten. Bereitgestellt würden Mittel im Rahmen der Krankenpflichtversicherung für diese Zwecke. Alles hänge aber insgesamt von den Möglichkeiten der Regionen ab. Eines der von Karelowa erwähnten Probleme hänge mit der Umprofilierung des für die Rehabilitierungsmaßnahmen vorgesehenen Bettenfonds durch die meisten medizinischen Einrichtungen unmittelbar für die Behandlung von COVID-19-Fällen. Und jetzt müsse eine umfangreiche Arbeit zur Rückführung dieser Einrichtungen zum einstigen Behandlungsprofil geleistet werden, was eine Lösung unter anderem von Personalfragen und der Fragen hinsichtlich der Anlagen und Ausrüstungen erfordere.

Aus den Materialien, die während der Sitzung durch Vizegesundheitsminister Jewgenij Kamkin demonstriert wurden, ergibt sich, dass es im Jahr 2019 im Land rund 14.600 stationäre Reha-Betten für Erwachsene in den medizinischen Einrichtungen gegeben hatte, die den Behörden der Subjekte der Russischen Föderation unterstehen (mit Ausnahme der drogenabhängigen Patienten). Noch etwas weniger als 5.000 Betten hatte es für Kinder gegeben, teilt das Gesundheitsministerium mit.

Im vergangenen Jahr gab es im Land 2400 medizinische Einrichtungen, die Leistungen zur medizinischen Rehabilitierung erbrachten, wird gleichfalls in den Materialien des Ministeriums von Michail Muraschko mitgeteilt.

Dabei habe, wie Kamkin bestätigte, die schwierige epidemiologische Lage gezwungen, etwa 65 Prozent des Bettenfonds, der für die medizinische Rehabilitierung genutzt wurde, als COVID-Krankenhäuser zu nutzen.

„Gegenwärtig verbessert sich bei uns die Situation mit der Coronavirus-Infektion. Doch hinsichtlich einer Reihe von Regionen bleibt sie recht angespannt. Im Rahmen der Vorbereitung des Bettenfonds zur Nutzung entsprechend der ursprünglichen Ziele hängt alles von der epidemiologischen Situation in jeder konkreten Region ab. Wir müssen aber schrittweise zu einem normalen Leben zurückkehren“, erklärte Kamkin.

Ihrerseits demonstrierte Jelena Tschernjakowa, Vorsitzende des Föderalen Fonds für die Krankenpflichtversicherung, bei der Tagung Materialien, aus denen folgt, dass im Rahmen der Krankenpflichtversicherung im vergangenen Jahr 19.000 Bürger, die an COVID-19 erkrankt waren, eine medizinische Rehabilitierung durchlaufen haben. Insgesamt geht es in der Russischen Föderation dabei um lediglich 0,6 Prozent der Patienten mit COVID.

„Im Jahr 2021 sind für die Bezahlung der medizinischen Hilfe, die mit der Behandlung der neuen Coronavirus-Infektion verbunden ist, 10 klinisch-statistische Gruppen vorgesehen worden, darunter fünf für die Bezahlung von Fällen einer medizinischen Rehabilitierung nach einer überstandenen Coronavirus-Infektion COVID-19“, wurde in einer Präsentation des Föderalen Fonds für die Krankenpflichtversicherung mitgeteilt. „Einer medizinischen Rehabilitierung nach einer überstandenen Coronavirus-Infektion bedürfen 110100 Menschen“.

Das Normativ für die Finanzausgaben hinsichtlich der Rehabilitierungsprogramme erhöhe sich derzeit schneller als die Inflation, betonte man im Fonds. Für das Jahr 2021 würden Durchschnittskosten für die medizinische Rehabilitierung im Programm der staatlichen Garantien in einer Höhe von rund 39.600 Rubel (umgerechnet etwa 444 Euro) vorgesehen werden.

Aber die Zahl derjenigen, die eines besonderen Vorgehens bei der Wiederherstellung bedürfen, kann erheblich größer sein. Es kann um Millionen von Bürgern gehen. Nach Aussagen der nicht zum Personal des Gesundheitsministeriums gehörenden Spezialistin für medizinische Rehabilitierung Galina Iwanowa „werden 70 Prozent der Patienten, die an COVID-19 erkrankten, eine medizinische Rehabilitierung brauchen. Dies ist durch Spezialisten aller Länder bestätigt worden“.

Ihren Worten zufolge verringern über 50 Prozent der Patienten, die die Infektion überstanden haben, „stark die Toleranz gegenüber physischen Belastungen und klagen über eine Schwäche“. „Über 21 Prozent der Patienten, die nach sieben bis 16 Tagen Krankenhausaufenthalt entlassen wurden, brauchen weiter eine Sauerstoff-Unterstützung. Und über 17 Prozent der Patienten, die aus den medizinischen Einrichtungen entlassen wurden, müssen das Bett rund um die Uhr hüten“, fügte Iwanowa hinzu.

Solche Folgen wirken sich natürlich auf die Wirtschaftssituation aus und erfordern eine zusätzliche finanzielle Unterstützung für die Bürger, die sich nach der Krankheit nicht am Arbeitsplatz aufhalten können. „Die Folgen versetzen der Wirtschaft einen Schlag. Und dies wird sich eher darin äußern, dass die Mitarbeiter sich häufiger krankschreiben lassen“, betonte Jewgenij Mironjuk, Analytiker des Unternehmens „Freedom Finance“.

„Das Post-COVID-Syndrom ist in die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten aufgenommen worden. Seine Erscheinungen sind bei verschiedenen Patienten unterschiedliche. Das Gemeinsame aber bleibt das, dass die überstandene Infektion für viele nicht spurlos vergeht“, sagt Michail Danilow, medizinischer Direktor der Vereinigung für Gesundheitstourismus und Unternehmensgesundheit. Seiner Meinung nach könne man eine erhebliche Verringerung der Arbeitsleistung jener erwarten, die die Infektion überstanden haben. „Wenn angenommen wird, dass der Mensch im Durchschnitt mit allen Quarantänemaßnahmen 21 bis 28 Tage krankgeschrieben ist und der Zeitraum eines wesentlichen Rückgangs der Aktivität und Arbeitsleistung mindestens noch einen Monat nach Arbeitsaufnahme andauert, so erhalten wir einen Rückgang der Arbeitsleistung von mindestens 17 Prozent im Jahr hinsichtlich dieses Mitarbeiters“, betont Danilow.

Wie in der Vereinigung für Gesundheitstourismus und Unternehmensgesundheit mitgeteilt wurde, haben heute bereits 20 Prozent der Sanatorien Programme für eine Rehabilitierung nach COVID-19. Der Komplex der Sanatorien und Kurorte der Russischen Föderation verfügt über die Möglichkeit einer Behandlung von mehr als zehn Millionen Menschen im Jahr bei den bestehenden Kapazitäten. Gemeint sind alle Profile, nicht nur COVID-19.

Es müssen aber die Fragen des Informierens der Bürger und der Finanzierung gelöst werden, meint man in der Vereinigung. Die Nachfrage nach den Sanatorien könne das Programm des touristischen Cashbacks stimulieren. In der Branche schlägt man vor, dies zu erweitern. „Erweitert werden müssen gleichfalls die Umfänge der medizinischen Rehabilitierung auf der Grundlage der Krankenpflichtversicherung. Die Sanatorien sind bereit, solche Programme bei Bestehen eines Staatsauftrages zu realisieren“, erläuterte Danilow.

Entsprechend seiner Präzisierung könne ein Sanatorium entsprechend medizinischer Reha-Programme nach COVID-19 arbeiten, indem es eine Finanzierung über die Krankenpflichtversicherung erhalte und wenn es eine Lizenz für eine stationäre medizinische Rehabilitierung habe, wenn es einen Antrag auf Finanzierung gestellt habe und wenn man ihm diese Finanzierung gewährte. Aber nicht alle Sanatorien hätten die Möglichkeit, die Lizenzanforderungen zu erfüllen.

Danilow präzisierte ebenfalls: „Die Rehabilitierungsprogramme für ehemalige COVID-19-Kranke unterscheiden sich in der Regel hinsichtlich der Kosten nicht von den anderen Arten einer Heilbehandlung in Sanatorien und Kurorten. Die Kosten beginnen ab 2.000 Rubel pro Tag mit Verpflegung und Unterbringung. Doch in Abhängigkeit vom Niveau des Sanatoriums können dies auch im Durchschnitt 3000 bis 6000 Rubel pro Tag und Person sein.“

Wenn man diese Daten als Grundlage nimmt, so kann angenommen werden, dass eine zweiwöchige Rehabilitierung von 70 Prozent der Gesundeten, das heißt etwa 2,5 Millionen Bürger, dem Etat, wenn er die Finanzierung übernimmt, 70 bis 210 Milliarden Rubel kosten.

Geblieben ist den Ministerien und Institutionen jetzt, die hypothetischen wirtschaftlichen Verluste aufgrund der unzureichenden Unterstützung jener, die COVID-19 überstanden haben, abzuschätzen und zu vergleichen.