Die Offiziellen von Usbekistan und Tadschikistan haben, um die inländischen Hersteller zu schützen, einen Mechanismus gegenseitiger Zoll-Sanktionen in Gang gesetzt. Die drastische Zunahme der Kosten für die Zollabfertigung von Waren hat den Markt der Baumaterialien zu einem Schlachtfeld verwandelt, wobei jede „symmetrische Antwortmaßnahme“ die Geldbörsen der Verbraucher beuteln. Vor dem Hintergrund einer strategischen Annäherung wachsen die Wirtschaftsbarrieren zwischen beiden Staaten nach wie vor.
Usbekistans Vizepremier Schamschid Chodschajew signalisierte bei einem Treffen mit Vertretern der Geschäftskreise, Leitern diplomatischer Missionen und Spitzenvertretern der entsprechenden Institutionen die Bereitschaft zu Gegenmaßnahmen im Zusammenhang mit den Barrieren für den usbekischen Export. Besondere Besorgnis löst die Situation auf dem tadschikischen Track aus: Die Hersteller von Baumaterialien beklagen sich über die Anwendung von Zoll-“Reserveschemas“, die eine zusätzliche Überprüfung umfassen, was zu einer Zunahme der Zeit und der Kosten der Zollabfertigung führt.
Ungeachtet des Bündnisstatus der Länder erhöhen solche administrativen Manöver die Preise der usbekischen Erzeugnisse um 15 Prozent, womit sie ihnen die Wettbewerbsvorteile nehmen.
Es sei daran erinnert, dass im April des Jahres 2024 die Präsidenten Usbekistans und Tadschikistans, Shavkat Mirziyoyev und Emomali Rachmon, einen Vertrag über Bündnisbeziehungen unterzeichneten. „Für Usbekistan ist Tadschikistan der nächste, zuverlässigste und durch die Jahrhunderte am meisten erprobte strategische Partner. Die usbekischen und tadschikischen Brudervölker sind durch starke Bande einer jahrhundertelangen Freundschaft verbunden. Uns bringen die gemeinsame Geschichte, gemeinsame kulturelle und geistige Werte, Traditionen und Bräuchen näher“, hatte Shavkat Mirziyoyev zu den Ergebnissen der Gespröche mit Emomali Rachman erklärt.
Die Oberhäupter der beiden Länder hatten alle Aspekte der bilateralen Zusammenarbeit erörtert und vereinbart, an Mechanismen für den grenznahen Handel und für eine Handelsinfrastruktur zu arbeiten, um den Warenaustausch bis auf zwei Milliarden Dollar zu bringen. Entsprechend den Ergebnissen des Zeitraums Januar-November 2025 erreichte der Warenaustausch die Marke von 737,9 Millionen Dollar.
Allerdings ist jetzige Fall nicht der erste, in dem die Länder der Region ihre Hersteller schützen. Obgleich zwischen den Ländern im Jahr 2018 ein Freihandelsabkommen unterzeichnet wurde. Die Seiten übernahmen die Verpflichtungen, keine Zölle, Steuern und Gebühren anzuwenden, aber auch keine quantitativen Begrenzungen für den Ex- bzw. Import von Waren, die vom Zollterritorium eines der Signatarstaaten kommen, anzuwenden.
Doch wenn es um einen Schutz des eigenen Marktes geht, werden allem Anschein nach die Abkommen vergessen. So haben die Behörden Usbekistans im November vergangenen Jahres die Kosten für die Zollabfertigung von aus Tadschikistan gelieferten Zement beinahe um das 9fache angehoben. Usbekistans Zöllner verlangten von den Nachbarn für die Abfertigung jeder Tonne Zement 300 Dollar. Bis dahin machten diese Gebühren 35 Dollar je Tonne aus. Die neuen Zölle haben die tadschikischen Erzeugnisse auf dem usbekischen Markt zu Verlierern gemacht, meldete das Nachrichten-Portal Asia Plus.
Die tadschikische Seite führte ihrerseits ab dem 1. Dezember 2025 eine zusätzliche Zahlung von 150 Dollar für jede Tonne usbekischer Keramikfliesen ein. Außerdem wurde ein Basis-Schätzpreis von 300 Dollar für Zement festgelegt, was die Preisbildung vollkommen über den Haufen wirft.
„Die Mathematik ist eine deprimierende. Während früher die Gesamtkosten für eine Partie an Ware inklusive Logistikkosten und Zölle um die 2000 Dollar variierten, so ist diese Zahl stark in die Höhe geschnellt“, teilte bei der eingangs erwähnten Begegnung Iljos Rachimow, amtierender Vorstandsvorsitzender der Vereinigung „Uzpromstrojmaterialy“ (deutsch „Usbekische Baustoffindustrie“), mit. Er unterstrich gleichfalls, die Versuche, die Frage mittels direkter Kontakte des Business in der Regierung und der Präsidialadministration Tadschikistans nicht gefruchtet hätten. Der Schriftwechsel dazu dauere bereits zwei Monate an, doch die restriktiven Maßnahmen würden ungeachtet der Bitten, sie aufzuheben, weiter gelten.
Die Reaktion von Vizepremier Schamschid Chodschajew auf diese Angaben war eine harte und eindeutige. Der Staatsbeamte erteilte den Auftrag, all zugänglichen diplomatischen und Zoll-Hebel einzusetzen. „Wir werden symmetrische Maßnahmen ergreifen, wenn solch eine Praxis fortgesetzt wird“, erklärte Chodschajew, wobei er sich an den Botschafter Usbekistans in Tadschikistan, Ergasch Schoismatow, mit der Forderung wandte, das entsprechende Signal an das offizielle Duschanbe zu übermitteln.
Fragen einer engeren regionalen Kooperation erörtern die Staatsoberhäupter bei alljährlichen informellen Gipfeltreffen der Oberhäupter der Länder Zentralasiens. Die letzte derartige Veranstaltung erfolgte im November vergangenen Jahres in Taschkent unter Beteiligung von Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew. Bisher gelingt es aber den Ländern der Region nicht, die Fragen der Kooperation zu klären.
„Unter Berücksichtigung der Last der angehäuften Widersprüche und der existierenden Unterschiede in den politischen und Wirtschaftssystemen der Länder Zentralasiens verheißt der Weg zu einer regionalen Partnerschaft, ein schattiger zu sein. Die Kluft in den Modellen der staatlichen Regulierung erschwert unweigerlich den Annäherungsprozess. Die aktuellen Handelsstreitigkeiten bestätigen: Die nationalen Volkswirtschaften haben sich an den Markt angepasst und nutzen jetzt aktiv Sperrmaßnahmen für einen Schutz der inländischen Prouzenten und die Entwicklung der eigenen Industrie. Es ist offensichtlich, dass der Weg zu einer realen regionalen Kooperation ein langer sein wird und die Lösung tiefgreifender Systemprobleme erfordert“, sagte der „NG“ der Direktor des in Taschkent ansässigen Zentrums für Forschungsinitiativen „Ma‘no“, Bakhtiyor Ergaschew.
Nach Meinung des Experten füge sich die Situation in den Beziehungen von Taschkent und Duschanbe in die generelle regionale Agenda, wo eine strategische Partnerschaft oft neben einem harten Protektionismus existiere. Die Beispiele der usbekisch-kasachischen Tarifkriege und gegenseitigen Verbote für einen Export von Brenn-, Kraft- und Schmierstoffen oder von Agrarerzeugnissen würden bestätigen: Die nationalen Interessen bleiben eine Priorität. Jedes Land der Region lässt sich von einer eigenen Logik leiten und verhängt zeitweilige oder ständige Einschränkungen, weshalb die Losungen über eine Einheit der Region oft mit den rauen Realitäten der Marktwirtschaft konfrontiert werden.
Ein kompliziertere Situation ergibt sich mit Turkmenistan, dass nach wie vor die Einreisevisa für die Nachbarn in der Region nicht aufgehoben hat.
„Die regionale Kooperation, dies ist ein schwieriger Prozess, der sich über Jahre hinzieht. Bisher sind die Länder Zentralasiens in ihren Entwicklungsländern weit auseinandergegangen, um ernsthaft übernationale Strukturen zu erörtern. Derzeit ist das Wichtigste, das Format der Konsultationen zu bewahren. Eine künstliche Beschleunigung der Integration anstelle positiver Ergebnisse kann nur totgeborene Bündnisse hervorbringen. Die Situation erschwert auch der äußere Druck, der kein Vertrauen fördert“, meint Ergaschew.
Nach seinen Worten seien der Protektionismus und die Tarif- bzw. Zollbarrieren, die auf höchster Ebene eingeführt werden, keine Zufälligkeit, sondern der pragmatische Versuch, die eigenen Märkte und Produktionskapazitäten zu schützen. In der Wirtschaft spiele jeder für sich, wobei er bestrebt ist, mehr zu verkaufen als zu kaufen. Dieses Aufeinanderprallen der nationalen Interessen sei absolut natürlich. Die Spitzenvertreter der Länder würden begreifen: Wenn man heute nicht die eigene Produktion schützt, werden morgen die Wirtschaftsprobleme zu politischen Krisen innerhalb des Landes ausufern.