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Das globale Wettrennen um Ressourcen für ein weltraumgestütztes Internet ist in vollem Gange


In der Welt hat ein wahres Wettrennen der satellitengestützten Internetsysteme um die begrenzten Ressourcen – Erdumlaufbahnen, Frequenzen und potenzielle Kunden – begonnen. China hat einen Antrag auf die Belegung von Frequenzen für 200.000 seiner neuen Satelliten vorgelegt. Elon Musk kündigte den Start von einer Million Satelliten für Datenverarbeitung zusätzlich zum bereits funktionierenden System Starlink an. Musks Konkurrent Jeff Bezos hat ebenfalls die Schaffung seines zweiten Fernmeldesystems für das Business und die Regierung annonciert. Die Russische Föderation beteiligt sich vorerst nicht am Wettrennen der Technologien, obgleich für sie ein satellitengestütztes Internet im Konflikt mit dem Westen kritisch wichtig ist.

China entfaltet bereits seit einigen Jahren seine Systeme für satellitengestützte Internetverbindungen „Qianfan – Tausend Segel“ (offizielle englischsprachige Bezeichnung Spacesail Constellation) und „Nationales Netzwerk“ aus zehntausenden Satelliten, die zu einer fortgeschrittenen Alternative zum System des satellitengestützten Internets von Elon Musk wurden.

Und im Dezember vergangenen Jahres stellte Peking in der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) den Antrag auf die Bereitstellung von Frequenzen für die Arbeit von über 200.000 Satelliten auf einer niedrigen Erdumlaufbahn. Der chinesische Antrag definiert die zu besetzenden Funkfrequenzen und orbitalen Positionen. Mit der Ausarbeitung des Projekts befasst sich das neue chinesische Funktechnische Innovationsinstitut, das offiziell am 30. Dezember 2025 etabliert wurde. Das von der Regierung unterstützte Institut spezialisiert sich auf funkelektronische Technologien. Zum Funktechnischen Innovationsinstitut gehören mehrere Schlüsselorganisation inklusive des Staatlichen Zentrums für Funkmonitoring, eines Entwicklungsunternehmens und des Betreibers des kosmischen „Nationalen Netzwerkes“ aus beinahe 13.000 Satelliten.

Gleich nach dem chinesischen Antrag kamen Ankündigungen hinsichtlich der Schaffung neuer Fernmeldesysteme von den US-amerikanischen Unternehmen SpaceX (von Elon Musk) und Blue Origin (von Jeff Bezos). Letzteres annoncierte die Schaffung des satellitengestützten Internets TeraWave unter Verwendung von Lasertechnologien für Fernmeldeverbindungen, das eine erheblich größere Geschwindigkeit der Datenübertragung sichern soll. Dies ist bereits das zweite satellitengestützte Fernmeldenetz, das die Unternehmen von Jeff Bezos zu schaffen planen. Ende vergangenen Jahres hatte sein Konzern Amazon die Umbenennung seiner Satellitengruppierung Project Kuiper in Amazon Leo bekanntgegeben, in der über 3000 Internet-Satelliten arbeiten werden.

Zur Ursache des neuen Weltraum-Wettrennens wurden zwei technologische bahnbrechende Erfolge – das Aufkommen kostengünstigerer mehrfach einsetzbarer Raketen und die Organisation einer Fließband- (und keiner Einzel-) Fertigung von Satelliten eines Typs. Gerade diese beiden Technologien helfen, schnell tausende Satelliten mit relativ geringen Kosten in den Kosmos zu starten.

Bemerkenswert ist, dass Russland, der einstige Kosmos-Spitzenreiter, faktisch bisher keine Fließbandfertigung von Fernmeldesatelliten zu entwickeln vermochte. Einheimische Beamte hatten versucht, die Arbeit an neuen Internet-Satelliten unter Umgehung der Strukturen und Unternehmen der staatlichen russischen Raumfahrtagentur Roskosmos zu organisieren. Dabei sollten alte Einweg-Trägermittel, für die nach wie vor Unternehmen von Roskosmos zuständig sind, diese Internet-Satelliten auf eine Erdumlaufbahn bringen. Die erklärten Pläne für die Schaffung eines einheimischen satellitengestützten Internets kommen jedoch allem nach zu urteilen vorerst nicht aus den Startlöchern.

Ein generell zugängliches Satelliten-Internet solle auf dem gesamten Territorium Russlands bereits in zwei Jahren starten, versprach der Premierminister der Russischen Föderation, Michail Mischustin, auf einer strategischen Tagung der Regierung im Mai vergangenen Jahres. Die Schaffung eines einheimischen satellitengestützten Fernmeldesystems ist bereits in das neue nationale Projekt zur Weltraumtätigkeit aufgenommen worden. Für die Realisierung des Vorhabens eines satellitengestützten Internets in Russland wird die Regierung rund 100 Milliarden Rubel bereitstellen (siehe auch „NG“ vom 26. Mai 2025).

Besonderes Augenmerk muss der Erweiterung der orbitalen Gruppierung geschenkt werden, die erlauben wird, ein schnelles und preiswertes Internet in den abgelegensten Gebieten sowie entlang von Auto- und Bahntrassen zu erhalten“, hatte im vergangenen Jahr Michail Mischustin erläutert. „Dies ist eine entscheidende Richtung. Und es muss alles Notwendige getan werden, damit das Satelliten-Internet im ganzen Land bereits in zwei Jahren zugänglich sein wird. Was äußerst wichtig nicht nur für eine Organisation von Serviceleistungen in kleinen Ortschaften, sondern auch für die Entwicklung der Arktis-Regionen, des Nördlichen Seeweges ist. Dafür ist eine Massenfertigung von Weltraumapparaten zu schaffen. Für diese Ziele hat man im nationalen Projekt „Daten-Wirtschaft und digitale Transformation des Staates“ fast 107 Milliarden Rubel vorgesehen“, berichtete der Regierungschef.

Seinerseits hat Roskosmos-Generaldirektor Dmitrij Bakanow erläutert, dass das Satellitensystem des russischen Privatunternehmens „Büro 1440“ zum nationalen Kosmos-Projekt gehören werde. „Wir geben „Starlink“ unsere Antwort mit unserem Projekt „Sonnenaufgang“ des „Büros 1440“. Bei uns wird gleichfalls ein Breitband-Fernmeldenetz auf niedrigen Erdumlaufbahnen entstehen“, versprach Bakanow. Nach seinen Worten werde die Präzision des einheimischen Navigationssystems GLONASS für die Steuerung von Drohnen bis auf 2,5 Meter erhöht.

Bisher aber erhält nicht das amerikanische Starlink-System eine Antwort, sondern die russische Armee, die versuchte, das amerikanische Starlink-System für die Steuerung ihrer Militärtechnik auszunutzen. (Auf Bitten der Ukraine hat das Musk-Unternehmen die Nutzung von Starlink durch russische Drohnen gestoppt. — Anmerkung der Redaktion)

Da Roskosmos nicht die Aufgaben lösen könne, die durch die Landesführung gestellt wurden, befinde sich heute ihre Existenz als ein Staatskonzern in Gefahr, erklärte der Forscher und Publizist Sergej Pereslegin. „Ich habe Dokumente gelesen. Es stellt sich heraus, dass eine mehrfach einsetzbare Rakete mit Methan-Antrieb bei uns nach dem Jahr 2030 gestartet wird. Es sei daran erinnert: Jetzt haben wir den Beginn des Jahres 2026. Und eben dieser Musk hat diese Aufgabe innerhalb von drei Jahren gelöst. Warum braucht man bei uns für ein recht unkompliziertes System mindestens vier Jahre? Mehr noch, die Formulierung „nach dem Jahr 2030“ ist ziemlich vage; sowohl das Jahr 2039 als auch das Jahr 2050 sind auch „nach dem Jahr 2030“. Man kann sagen, dass sich das Projekt in eine unbestimmte Zukunft bewegt“, betonte Pereslegin.